Israel lehnt Truppenabzug aus Gazastreifen ab
Pläne des „Friedensrats“ :
Israel lehnt Abzug aus Gaza ab und warnt vor „weiteren Massakern“ der Hamas
03.08.2026, 18:45Lesezeit: 2 Min.

Der Fahrplan für Frieden im Gazastreifen stößt in Jerusalem auf Widerstand. Vor einem Truppenabzug fordert die Regierung einen „unverzichtbaren ersten Schritt“.
Israel lehnt einen Rückzug seiner Truppen aus dem Gazastreifen ab und äußert Bedenken zu dem von US-Präsident Donald Trump verkündeten Plan zur Entwaffnung der Hamas. „Israel wird sich nicht von der derzeitigen Linie im Gazastreifen zurückziehen und weiterhin jede Bedrohung für unsere Bürger und Soldaten vereiteln“, teilte ein ranghoher israelischer Regierungsvertreter mit.
Trump hatte Ende vergangener Woche eine Einigung mit der Hamas verkündet und von einem „wichtigen Meilenstein“ gesprochen. Seiner Darstellung nach sollte die radikalislamische Palästinenserorganisation schrittweise ihre Waffen abgeben, anschließend sollten sich die israelischen Streitkräfte aus dem Gazastreifen zurückziehen. Eine internationale Stabilisierungstruppe und eine neue palästinensische Polizei sollten die Verantwortung übernehmen.
Trump hatte zunächst mitgeteilt, Israel sei „sehr glücklich“ mit der Vereinbarung. Dem widersprach am Montag der Sprecher des Büros von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, Doron Spielman. „Die veröffentlichte Version spiegelt die israelischen Positionen nicht wider“, sagte Spielman der Nachrichtenagentur AFP. Israel habe der US-Seite „seine Anmerkungen und Bedenken zu dem vorgeschlagenen Rahmen übermittelt“.
Trumps Pläne stünden „im direkten Gegensatz zur Realität“
Spielman zufolge gehen die Pläne zur Entwaffnung aus israelischer Sicht nicht weit genug. Israelische Geheimdienstinformationen deuteten darauf hin, dass die Hamas sich Waffen beschaffe und „weitere Massaker nach dem Vorbild des 7. Oktober“ vorbereite. Trumps Pläne stünden deshalb „im direkten Gegensatz zur Realität und zu den von der Hamas geäußerten Absichten“, fügte Spielman hinzu. „Der unverzichtbare erste Schritt für jegliche dauerhafte Vereinbarung muss die tatsächliche, überprüfbare und unwiderrufliche Entwaffnung der Hamas sein.“ Alles andere erlaube es der Hamas, „Israel erneut zu bedrohen“.
Nach dem Fahrplan des „Friedensrates“ sollen Israel und die Hamas sowie andere bewaffnete palästinensische Gruppierungen im Gazastreifen die Kampfhandlungen einstellen. Anschließend soll eine palästinensische Übergangsverwaltung, unterstützt von einer internationalen Stabilisierungstruppe, als alleinige Autorität die Kontrolle über Verwaltung und Sicherheit im Gazastreifen übernehmen.
Schwere Waffen sollen eingelagert sowie Waffenlager und Produktionsstätten stillgelegt, Tunnel unbrauchbar gemacht werden. Der Prozess soll international überwacht und schrittweise umgesetzt werden. Parallel ist ein daran gekoppelter Abzug der israelischen Armee vorgesehen. Waffen sollen weder an Israel noch an andere nicht palästinensische Parteien übergeben werden, sondern nach Abschluss des Prozesses ausschließlich unter palästinensischer Kontrolle bleiben.
Es herrscht jedoch Skepsis über die Umsetzung des Plans. Die Hamas machte die Abgabe schwerer Waffen von mehreren Bedingungen abhängig, darunter dem Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen und der Gründung eines palästinensischen Staates. Israel betonte hingegen, dass es ohne eine tatsächliche Entwaffnung der Hamas keinen Abzug seiner Truppen aus dem Gazastreifen geben werde.
Auch nach Vereinbarung einer Waffenruhe im Oktober kontrolliert Israel weiterhin mehr als die Hälfte des Gazastreifens. In dem von der Hamas kontrollierten, restlichen Gebiet ist es der Terrororganisation nach Medienberichten und Schilderungen aus Gaza gelungen, ihre Macht wieder zu konsolidieren.