Plattdeutsche Theatergruppe Otterstedt feiert und wird gefeiert
Stand: 25.07.2026, 06:00 Uhr
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Bei der Jubiläumsparty der Otterstedter Theatermacher gibt es viel Anerkennung und Applaus sowie einen vergnüglichen Einakter.
Otterstedt – Das Briefgeheimnis gilt eigentlich als streng gehütetes Gut. Als Postbüdel Sagebiel allerdings seine Tasche mit Briefen abhandenkommt, ist die Diskretion in Gefahr und die Aufregung im Dorf groß. So viel zum Beginn der Geschichte in dem Einakter „Alltomal Sünner“, den die plattdeutsche Theatergruppe Otterstedt aus Anlass ihres 50-jährigen Bestehens zum Auftakt des jährlichen Dorffestes am Donnerstagabend im Festzelt aufführte. Wer nicht früh genug vor Ort war, musste mit einem Stehplatz im restlos gefüllten Zelt vorliebnehmen.

An der Abendkasse konnte noch eine sehr ansehnliche Festzeitschrift erworben werden, in der die Geschichte der Theaterleute seit 1976 mit vielen Bildern illustriert ist. Der Otterstedter Posaunenchor stimmte das erwartungsfrohe Publikum musikalisch ein. Malwine und Guste alias Annegret Rugen und Christa Hinrichs hatten sich ins beste Sonntagskostüm geworfen und führten humorig-herzhaft durch das Jubiläumsprogramm.
Die beiden Damen begrüßten unter anderem Ortsbürgermeister Ulf Nienaber, der up Platt sein Grußwort an die Festgesellschaft richtete und die gute Stimmung hervorhob, die stets von den Theaterspielern ausgehe. „Schön, wenn man einen Pastor im Ort hat, aber noch viel schöner ist es, eine Theatergruppe zu haben“, spielte Pastor Markus Manzek in seiner Ansprache auf die Verbundenheit zwischen Kirche und Theaterleuten an. Die Gruppe, vor 50 Jahren aus der kirchlichen Jugendarbeit hervorgegangen, hat ihre bei den Theateraufführungen und weiteren Aktionen erzielten Überschüsse immer der Kirche vor Ort zugutekommen lassen. „Ihr habt großen Anteil daran, dass Pfarr- und Küsterstelle erhalten geblieben sind, die ihr mitfinanziert habt. Dafür möchte ich Danke sagen“, so Manzek. Das Publikum schloss sich mit lang anhaltendem Applaus für den jahrzehntelangen Einsatz der Theaterleute an.
Gespielt und geübt wird seit 1976 im kirchlichen Gemeindehaus, und damit das jetzt noch besser sichtbar wird, hatte der Pastor als Geschenk ein Schild dabei, das die Spielstätte in Zukunft als solche ausweist.

In 50 Jahren hat die Theatergruppe 54 Stücke zur Aufführung gebracht, in denen insgesamt 56 verschiedene Personen mitgespielt haben. Zum Jubiläum gab es den Einakter „Alltomal Sünner“ von Autor August Hinrichs, bei dem elf Schauspielerinnen und Schauspieler auf der Bühne standen. In der Geschichte gingen 16 Briefe und zwei Einschreiben beim Verlust der Posttasche nach einem kleinen Zechgelage des Postbüdels verloren. Von Diebstahl war auf einmal die Rede, und so mancher Protagonist hatte ordentlich Muffensausen, dass Außenstehende die Briefe lesen könnten. Der Wachmeister fragte alles zusammen, was er wissen musste, doch die Briefe blieben verschwunden. Finanzamtsstress, Liebeleien und andere heikle Inhalte sorgten für Aufruhr. Mit allen Mitteln versuchten die Briefschreiber, sehr zur Belustigung der Theatergäste, wieder in den Besitz ihrer Post zu kommen. Bis schlussendlich ein kleiner Junge Licht ins Durcheinander brachte und gegen eine Spende von fünf Mark die gefundenen Briefe der Poststelle zurückgab.
Lang anhaltender Beifall belohnte die Darsteller und die vielen Helferinnen und Helfer vor und hinter der Bühne, bevor die Tanzfläche im Zelt freigemacht wurde für eine stimmungsvolle Jubiläumsparty.