Platz 15 für das besondere Liebespaar der WM – Fry ist Dressur-Weltmeisterin
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Sie verstehen sich blind. Frederic Wandres genügt ein Blick, und der sagt mehr als tausend Worte. Gemeint ist nicht nur Bluetooth, sein Hannoveraner Wallach, mit dem er gerade seinen letzten Auftritt bei der Reit-WM in Aachen absolvierte. Als der Dressurreiter sachte ein-, zweimal auf den Hals des 16-Jährigen klopft und ihn streichelt, treffen sich seine Augen mit denen von Lars Ligus. Die Botschaft: Hätte besser sein können, war aber auch nicht schlecht, wird nach außen in den Trainer- und Betreuungs- und Familienbereich gesendet. Ligus hat ja gleich in zwei der drei Zugangsvoraussetzungen zur Athletenzone: Er ist der Pfleger des Pferdes und der Partner des Reiters. Frederic Wandres, Lars Ligus und Bluetooth – definitiv eine besondere Liebesbeziehung.
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„Ich bin zwar der Frontmann im Viereck und derjenige, der performt“, sagt Wandres. „Allerdings weiß ich, dass es ohne meinen Pferdepfleger nicht geht. Es wäre nicht möglich, die Leistung so abzurufen.“ Jene zum Abschluss der Dressurwettbewerbe – musikalisch unter anderem untermalt mit Foreigners I Wanna Know Love Is oder All You Need Is Love von den Beatles – bringt ihm am Samstagabend 76,246 Prozent und Platz 15 ein. Trotz kleiner technischer Patzer ein „Genussritt“ – möglich geworden durch den Verzicht von Katharina Hemmer, deren Erfolgspferd Denoix nicht bereit gewesen wäre für eine große Kür – vor außergewöhnlicher Kulisse. Für gewöhnlich werden beim CHIO in der Soers Piaffe, Passage und Traverse im eigenen Dressurstadion präsentiert – für die WM wurde das Viereck ins 45.000 Zuschauer fassende Hauptstadion verlegt, das im Samstagabend-Flutlicht randvoll besetzt ist.
Noch eine WM-Goldmedaille für Charlotte Fry

Ihnen gehören die Herzen des Dressur-Weltmeisters: Frederic Wandres auf Bluetooth und mit Lars Ligus, sein Verlobter und Pfleger des Pferdes.© dpa | Anspach
Ein Genuss, hier einzureiten; Gänsehaut; nichts Vergleichbares: Wandres‘ Schilderungen unterscheiden sich kaum von denen, die am Ende die Medaille um den Hals gelegt bekommen. Nach ihrem Goldritt im Grand Prix Spécial sichert sich die Britin Charlotte Fry auch in der Kür den WM-Titel. Hinreißend erneut ihre Darbietung, die 30-Jährige fliegt förmlich mit Glamourdale Airlines zu 91,907 Prozent. Die dänische Weltranglistenerste Cathrine Laudrup-Dufour wird mit Freestyle hauchdünn dahinter Zweite (91,236). Bronze geht an Isabell Werth: Die 57 Jahre alte Rheinbergerin kickt als letzte Starterin mit Wendy de Fontaine (88,650) noch den Belgier Justin Verboomen und Zonik Plus (88,439) vom Podest. Raphael Netz belegt mit Camelot (80,946) den starken achten Platz.
Auch wenn die Einzeldisziplinen mit Platzierungen für ihn im zweistelligen Bereich endeten, fährt Wandres als Vollendeter zurück nach Hagen im Teutoburger Wald. Dort arbeitet er seit Jahren als Bereiter für Ullrich Kasselmann, einen der größten Dressurpferdehändler der Welt. Der 39-Jährige gehört nun zum Kreis der Großen, ist mit der deutschen Equipe in Frankreich jeweils Olympiasieger (2024 in Paris) sowie Europameister (2025 in Crozet) geworden und legte mit Isabell Werth und Katharina Hemmer nun erfolgreich die weltmeisterliche Prüfung in Aachen ab. „Der Stein, der mir vom Herzen gefallen ist, ist riesengroß.“

Wieder Weltmeisterin: Charlotte Fry und Glamourdale.© dpa | Anspach
Das Verhältnis von Reiter und Pferd ist nur eine Komponente für eine im Idealfall medaillenreiche Zusammenarbeit in der Weltspitze. „So wie wir als Menschen sind, überträgt sich das auch aufs Pferd“, sagt Wandres. Bluetooth macht schon mal einen kleinen Freudenhüpfer, wenn er merkt, dass die Umgebung Besonderes verspricht. Um Mensch und Tier in Einklang zu bringen, ist der Pferdepfleger genauso essenziell. „Der ist fast wichtiger als der Jockey“, sagt der Mannschafts-Weltmeister über das Zutun sogenannter Grooms. „Ihr Anteil liegt bei mindestens 50 Prozent.“
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Die Betreuung eines Hochleistungspferdes ist kein Nine-to-five-Job, sie wird abends aus den Stallungen mit ins Wohnzimmer genommen. Jedenfalls bei Frederic Wandres und Lars Ligus. „Er kennt das Pferd in- und auswendig, wir kennen uns. Das ist ein Super-Mehrwert für uns beide.“ Sie können sich 24 Stunden am Tag austauschen; wenn andere Pfleger bereits verdient den Feierabend genießen, kann das Paar auch mitten in der Nacht noch Fachgespräche führen. „Das kann auch eine Challenge sein – wie im wahren Leben“, sagt Wandres. „Ohne dass es im Streit gemeint ist, muss man sich am Abend auch mal für eine Stunde sagen: du in die Richtung, ich in die Richtung. Aber wir wissen, dass es unsere Stärke ist, gemeinsam fürs Pferd da zu sein.“
Antrag mit Taylor Swift
Der Arbeitskollege und Verlobte des Olympiasiegers (das Ja-Wort gaben sie sich im November beim Urlaub in Südtirol zum Song Love Story von Taylor Swift) ist selbst Nationenpreis-Reiter. Wandres traut Ligus im Sattel von Bluetooth ebenso Medaillenritte zu wie sich selbst: „Lars reitet sehr gut, das hat er mehrfach unter Beweis gestellt.“ Selbst im Sattel, gewann Ligus vor vier Jahren in den USA mit der deutschen Mannschaft den Nationenpreis. Auf Solopfaden sind sie auch schon bei einem Turnier gegeneinander angetreten.
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Die private Beziehung der beiden mag in der nach wie vor als konservativ wahrgenommenen Reitsportwelt als ungewöhnliche Konstellation erscheinen. Schaut man auf das Equipe-Podest, leben Weltmeister Frederic Wandres und der britische Silbermedaillengewinner Carl Hester (Großbritannien) mit Männern zusammen, Bronzegewinnerin Cathrine Laudrup-Dufour ist mit einer Frau verheiratet. Sie habe sich nie verstecken müssen, sagt die Dänin, „unser Sport und unsere Reitsport-Gemeinschaft sind sehr beschützend. Ich fühle mich hier sicher und akzeptiert.“ Noch jemand, mit dem sich Frederic Wandres blind versteht.