Plötzlich geht es schneller nach Hause: Familie von Reise in die Mongolei zurückgekehrt

Stand: 02.08.2026, 20:00 Uhr

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Familie Güldenzopf fuhr mit Feuerwehr-Lkw in die Mongolei und wohnt jetzt in Thüringen

Wieder zu Hause einleben: Alex und Janine Güldenzopf vor dem Feuerwehr-Lkw auf dem thüringischen Hof bei Sondershausen. © .privat/nh

Eine Familie aus Kassel kehrte im Frühjahr von ihrer eineinhalbjährigen Reise zurück. Weil es dem Opa nicht gut geht, fahren sie am Ende schneller nach Hause.

Kassel – Am Ende lief die Rückkehr von Familie Güldenzopf nach ihrer eineinhalbjährigen Reise etwas schneller als geplant: „Eigentlich wollten wir noch Reisefreunde in Deutschland besuchen“, erzählt Alex Güldenzopf. Doch dann hätten sie sich entschieden, von ihrem letzten Stopp in Österreich direkt nach Hause zu fahren. Die Freude, den Opa zu sehen, war bei den Kindern riesig, der Anlass für die schnellere Rückkehr dagegen weniger freudig: „Mein Vater hatte starke Schmerzen“, so Güldenzopf.

Zunächst waren alle davon ausgegangen, dass er eine neue Hüfte bräuchte. Einen Tag nach der Rückkehr gab es dann die traurige Gewissheit: Der Vater hat Krebs. „Ab da ging alles drunter und drüber, wir wurden abrupt aus unserem Reiseleben gerissen“, sagt der 42-Jährige, der gemeinsam mit seiner Frau, seinen beiden Kindern und den zwei Hunden im Oktober 2024 im umgebauten Feuerwehr-Lkw aus Deutschland in die Mongolei gestartet ist.

Kasseler Familie zieht nun nach Thüringen

Für die Familie war klar: Sie will nun für den Vater und Großvater da sein. Das bedeutet auch: „Wir können so nicht nach Kassel ziehen, wir wollen mit ihm sein.“ Mit und bei ihm sein, das bedeutet, auf den elterlichen Hof ins thüringische Dorf zu ziehen, eine Stunde von Kassel entfernt. Gleichzeitig lebt die Familie nun in der Natur. Der Gedanke, nach der Reise wieder mehr aufs Land zu ziehen, hatte die Familie zuvor beschäftigt. Jetzt kümmert sie sich um Hühner, Hochbeete und Wiesen. „Das ist schön, dass ich einfach nach draußen gehen und Zucchini ernten kann“, so Alex Güldenzopf.

Familie Güldenzopf fuhr mit Feuerwehr-Lkw in die Mongolei und wohnt jetzt in Thüringen

Mutig: Trotz eines heftigen Sturms wagte sich Janine Güldenzopf mit den Hunden ans Wasser. © .privat/nh

In den vergangenen eineinhalb Jahren wäre die Ernte des eigenen Gemüses für die Familie so zumindest nicht möglich gewesen: Sie war meist unterwegs, hatte ihr Zuhause in ihrem Feuerwehr-Lkw mit dabei, doch das Drumherum änderte sich von Tag zu Tag. So waren Alex und Janine Güldenzopf mit ihren Kindern Elva und Hanno von Deutschland bis in die Mongolei gefahren, hatten Länder wie die Türkei, Georgien und Kasachstan gemeinsam bereist. „Das ist schon ein Nervenkitzel, nicht zu wissen, was mich hinter der nächsten Kurve erwartet“, sagt Alex Güldenzopf, der manchmal gerne wieder losfahren würde. Die letzte größere Reise sei es jedenfalls nicht gewesen, der afrikanische Kontinent, Nepal oder Südamerika würden ihn und seine Frau reizen.

Freude der Familie, nach Hause zu kommen, sei groß gewesen

Gleichzeitig sei die Freude, wieder anzukommen, groß gewesen. „Es gibt einem Sicherheit, wieder einen festen Ort zu haben“, sagt der Grundschullehrer, der zuletzt Schüler an der Auefeldschule unterrichtet hat. Gleichzeitig sei der Familie während der Reise klar geworden: „Ein Heimatgefühl entsteht da, wo vertraute Menschen sind.“ Besonders deutlich sei das mit den Reise-Großeltern, wie sie sie nennt: „Rita und Franz sind am selben Tag wie wir losgefahren.“

Getroffen hätte sie das österreichische Paar in der Türkei, später seien sie gemeinsam den Pamir-Highway gefahren. Bei dieser zweithöchsten Fernstraße zwischen Tadschikistan und Kirgistan sei das „eine große Stütze“ gewesen. Die Reisenden feiern gemeinsam das einjährige Reisejubiläum. Immer wieder treffen sie sich. Am Ende bringt die Kasseler Familie das österreichische Paar fast bis nach Hause. „Das war eine herzliche und tränenreiche Verabschiedung“, erzählt der 42-Jährige.

Familie Güldenzopf fuhr mit Feuerwehr-Lkw in die Mongolei und wohnt jetzt in Thüringen

Sommer im Februar: In der Abendsonne können die Kinder auf Zypern noch baden. © .privat/nh

Enge Verbindungen hat die Familie zu ihren Reise-Großeltern entwickelt

Auch Weihnachten hatten die ehemaligen Kasseler mit dem Paar gefeiert. Dafür war die Familie spontan von der Türkei nach Zypern gefahren. „Das war schön, nicht allein zu feiern“, erinnert sich Alex Güldenzopf. Noch zwei Monate blieb die Familie auf Zypern, konnte sogar im Winter dort noch baden. Sie erlebte die Vielseitigkeit Zyperns: „Morgens lagen wir im Wasser und mittags ging es ins Gebirge auf 2000 Meter Höhe, wo wir tief im Schnee standen.“

Es sind die letzten Monate, in denen sie aktiv reist. Danach tritt die Familie die Rückreise an: Über die Türkei geht es nach Griechenland, von da aus nach Nordmazedonien, den Kosovo, Albanien und Montenegro. Mit der Einreise nach Kroatien betreten die Kasseler wieder die Europäische Union (EU) und fahren von da aus nach Slowenien, Italien und Österreich. Ungefähr 200 Kilometer legen sie am Tag zurück.

Familie Güldenzopf fuhr mit Feuerwehr-Lkw in die Mongolei und wohnt jetzt in Thüringen

Erholung in Österreich: Auf einem Bauernhof durfte die Familie längere Zeit bleiben, um eine Erkältung der Kinder auszukurieren. © .privat/nh

Nun muss die Familie nach der Reise erst einmal wieder in Deutschland ankommen

Und dann: Deutschland, Thüringen. Dort angekommen hieß es, jede Menge zu organisieren. Mittlerweile hat Janine Güldenzopf, die ebenfalls als Grundschullehrerin in Kassel gearbeitet hat, eine Stelle als Förderschullehrerin in Thüringen gefunden. Für Alex Güldenzopf hat sich das schwieriger gestaltet: „Ich bin ein weiteres Jahr in Elternzeit.“ In Thüringen seien Grundschullehrer nicht so gesucht wie anderswo. Finanziell sei es schon eine Herausforderung, sagt er. Doch dafür könne er sich um seinen Vater kümmern. Auch für die Umgestaltung der ehemaligen Wohnung der Großeltern auf dem elterlichen Hof sei nun Zeit. Die Kinder waren schnell bei Kindergarten und Schule angemeldet.

Nun heißt es für die Familie: erst einmal ankommen. „Erst jetzt sind wir im Prozess, die Reise zu beenden.“ Den Feuerwehr-Lkw ausräumen, Bilder anschauen, davon erzählen, reflektieren. „Man denkt immer, unterwegs ist alles gut.“ Dabei sei auch auf der Reise viel Herausforderndes passiert. Alex Güldenzopf sagt heute: „Wenn man offen ist, begegnet einem viel Offenheit.“ Auch zu Hause.