Plötzlich König? Wie ein Amateurkicker aus London zum Thronfolger in Uganda wurde
Er steht bei einem Amateurverein in London im Tor und treibt seine Teamkollegen mit Schimpfwörtern an. Nun hätte Desmond George Kamurasi König von Tooro in Uganda werden können.
10.09.2026, 14.30 Uhr
4 Leseminuten

In der Komödie «Der Prinz aus Zamunda» aus dem Jahr 1988 flüchtet Prinz Akeem aus dem fiktiven afrikanischen Königreich Zamunda nach New York. Dort gibt er sich als mittelloser Student aus und sucht eine Frau, die ihn wegen seiner Persönlichkeit und nicht wegen seines Reichtums liebt. Akeem findet Gefallen am einfachen Leben und will schliesslich in Amerika bleiben.
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George Desmond Kamurasi ist zwar kein Prinz aus Zamunda. Seine Geschichte erinnert trotzdem an die Hollywoodkomödie – nur führt sein Weg in die entgegengesetzte Richtung: von der Metropole London auf einen afrikanischen Thron.
Kamurasi wurde vergangene Woche von einem Komitee des Königreichs Tooro in Uganda zum Nachfolger von König Oyo Nyimba Kabamba Iguru Rukidi IV. gewählt. Dieser war Ende August im Alter von 34 Jahren an Krebs gestorben. Laut ugandischen Medien stimmten 15 der 18 anwesenden Mitglieder für Kamurasi.
Kamurasi ist königlichen Bluts
Oyo war ab 1995 König von Tooro. Bei seiner Krönung war er erst 3 Jahre alt und damit offiziell der jüngste regierende Monarch der Welt. Er konnte aber erst ab Erreichen der Volljährigkeit die Führung des Königreichs übernehmen. Doch wie kommt nun ein unbekannter Mann aus England ins Gespräch für den Thron in Uganda?
Kamurasi ist ein Cousin des verstorbenen Oyo und ein Enkel von Sir George David Matthew Kamurasi Rukidi III., der von 1928 bis 1965 König von Tooro war. Oyo war unverheiratet. Ob er Kinder hatte, ist bislang unklar. Laut seinem Premierminister hatte der verstorbene König einen Sohn, bestätigt ist das allerdings nicht. Deshalb könnte aus dem Londoner Amateurgoalie Kamurasi nun ein afrikanischer König werden. Sofern er will.
Der 36-jährige Kamurasi wurde in Uganda geboren, hat aber einen Grossteil seines Lebens in Grossbritannien verbracht. Dort steht er in London beim Amateurverein South East Dons in Bexleyheath im Tor. Der Verein wurde erst 2014 gegründet und spielt in der neunten englischen Liga. Bekannt wurde er durch seine Videos auf den sozialen Netzwerken. Sowohl auf Instagram als auch auf Youtube folgen dem Verein mehr als 100 000 Personen. Auch Kamurasi, den im Verein alle nur «Big G» nennen, ist in zahlreichen Clips zu sehen.
Kamurasi ist Captain des Teams. Vor den Spielen hält er oft leidenschaftliche Ansprachen an seine Mitspieler. Viele davon sind gespickt mit Fluchworten und vorgetragen in starkem Londoner Akzent. Anfang September zog der Verein erstmals in die zweite Qualifikationsrunde des FA Cups, des englischen Pokalwettbewerbs, ein.
Mit 14 Jahren sass er im Gefängnis
In Uganda stiess der mögliche neue König auf gemischte Reaktionen. In den sozialen Netzwerken überwog die Ablehnung. Viele Nutzer schrieben, falls König Oyo einen Erben hinterlassen habe, solle dieser den Thron übernehmen.
Andere störten sich daran, dass Kamurasi in England lebt. Ein König, der sein Reich aus einem anderen Land regiert? Für manche kommt das nicht infrage. Zumal Kamurasi keine Frau aus dem königlichen Clan der Babiito und auch keine Uganderin geheiratet hat. Seine Frau ist eine «Muzungu», wie in Uganda weisse Menschen genannt werden. Für manche Traditionalisten reicht das bereits als Grund für Ablehnung.
Auch Kamurasis Vergangenheit haben Ugander genauer unter die Lupe genommen. In den sozialen Netzwerken kursieren Videos, in denen er offen über sein früheres Leben spricht. Und das war alles andere als royal.
Nachdem seine Mutter gestorben war, geriet Kamurasi auf die schiefe Bahn. Mit 14 Jahren kam er ins Gefängnis. Weswegen und wie lange er dort sass, ist nicht bekannt. In einem Video sagt Kamurasi: «Ich war wütend, habe falsche Entscheidungen getroffen, bin in die falschen Kreise geraten und im Gefängnis gelandet.» In der Zelle sei ihm klargeworden, dass er falsche Dinge getan habe und allein dafür verantwortlich sei. «Ab diesem Punkt habe ich Verantwortung übernommen», sagt Kamurasi. Der Fussball habe ihn zurück auf den richtigen Weg gebracht.
Kulturelle Symbolfigur statt politische Macht
Tooro liegt im Südwesten von Uganda nahe den Rwenzori-Bergen. Es gehörte einst zu den vier Königreichen Ugandas. 1967 schaffte der Staat die Monarchien ab, 1993 liess er sie als kulturelle Institutionen wieder zu. Der König von Tooro besitzt keine politische Macht. Für die Menschen des Königreichs bleibt er dennoch eine wichtige Symbolfigur.
Für George Desmond Kamurasi hätte sich mit einer Krönung vieles geändert. Er hätte sein Leben in London hinter sich lassen und Verantwortung für ein Königreich, in dem Tradition und Kultur eine grosse Rolle spielen, übernehmen müssen.
In einem Beitrag zu seiner Hochzeit Anfang August schrieb Kamurasi: «Der Moment, als Gott mich mit meiner Zukunft gesegnet hat.» Damals wusste er noch nicht, dass er sich wenige Wochen später zwischen dem einfachen Leben in London und einem Königreich in Uganda würde entscheiden müssen.
Fussball statt König?
Einen Entscheid hat Kamurasi nun offenbar gefällt. Wie die BBC berichtet, hat er seine Berufung zum Thronfolger abgelehnt. Er wolle lieber in der Nähe seiner Frau und seines Sohnes bleiben. Während sich Mitglieder von Königsfamilien oft jahrelang auf den Thron vorbereiten, lebte Kamurasi weitgehend abseits des Rampenlichts rund um die Tooro-Monarchie.
Kamurasi ist inzwischen für die Beerdigung seines Cousins nach Uganda gereist. Nach der Beisetzung von Oyo wird am Wochenende ein neuer Monarch für das Königreich Tooro gekrönt. Als Nachfolger hat das Komitee laut der BBC nun Prinz Edward Rukidi Kijanangoma erkoren. Er stammt aus der königlichen Familie und ist Nachrichtensprecher. Doch laut ugandischen Medienberichten lehnt auch er die Ernennung ab – aus Respekt vor dem verstorbenen König und dessen Wunsch. Oyo habe vor seinem Tod seinen zehnjährigen Sohn als Nachfolger genannt, heisst es. Damit herrscht vorerst Unklarheit darüber, wer das Königreich künftig führen wird.
Unklar ist auch, ob George Desmond Kamurasi am 19. September wieder auf dem Fussballplatz in London stehen wird. Dann spielt SE Dons in der zweiten Qualifikationsrunde des FA Cups. Das Team wird seinen Captain brauchen, muss sich aber vorerst wohl etwas gedulden. Kamurasi hat sich für sein einfaches Leben entschieden. Und für den Fussball, der ihn einst zurück auf den richtigen Weg gebracht hat.