Sikorski über Putin: „Klar fehlinformiert“ – Polen bereitet sich auf das Schlimmste vor

Polens Außenminister warnt vor Putin: „Kranker Mann mit einer Waffe ist immer noch ein Mann mit einer Waffe“

Stand: 29.07.2026, 14:08 Uhr

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Der polnische Außenminister Sikorski warnt: Ein geschwächter Putin wird nicht harmloser – sondern gefährlicher. Polen rüstet sich weiter für den Ernstfall.

Warschau – Polens Außenminister Radosław Sikorski warnt davor, den wachsenden Druck auf Russland als Zeichen nachlassender Gefahr zu interpretieren. Im Interview mit dem polnischen Portal TVP World sagte Sikorski, die russische Wirtschaft beginne zu leiden – doch ein geschwächter Putin könne dadurch erst recht zu riskanten Schritten verleitet werden. „Ein kranker Mann mit einer Waffe ist immer noch ein Mann mit einer Waffe“, sagte er. Moskau müsse sein „kriminelles Abenteuer“ – also den Ukraine-Krieg – beenden, „bevor es zu spät ist“, zitiert die Kyiv Post aus dem Gespräch.

Der polnische Außenminister Radosław Sikorski

Der polnische Außenminister Radosław Sikorski, warnt vor den nächsten Schritten Wladimir Putins. Obwohl die russische Wirtschaft geschwächt ist, sieht Sikorski weiter eine Gefahr für die EU. (Archivbild) © WOJTEK RADWANSKI/AFP

Sikorski betonte, Polen könne es sich nicht leisten, auf rationales Verhalten Putins zu vertrauen. Sollte Russland den Konflikt ausweiten, werde Warschau reagieren – „definitiv, aus eigener Kraft“. Die hohen Verteidigungsausgaben des Landes begründete er damit, Putin klarzumachen, dass ein Konflikt mit Polen ihn „noch teurer zu stehen käme als sein krimineller Krieg gegen die Ukraine“.

Sikorski warnt vor Putins Unberechenbarkeit im Ukraine-Krieg

Den russischen Präsidenten beschrieb Sikorski als „klar fehlinformiert“ und ohne realistisches Bild der geopolitischen Lage und Einblick in den aktuellen Ukraine-Krieg. Putins Fähigkeiten hätten sich als geringer erwiesen als erwartet – seine Absichten jedoch als aggressiver. „Die Frage ist, ob Putin bereit ist für einen Deal“, so Sikorski.

Und für einen Deal scheint der russische Präsident vorerst nicht bereit zu sein. Nennenswerte Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Ende des Ukraine-Kriegs gibt es nicht. Am Dienstag traf sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus. Dabei soll es laut Selenskyj auch um erneute diplomatische Bemühungen gegangen sein, den Ukraine-Krieg zu beenden. Der ukrainische Präsident äußerte sich vorsichtig optimistisch über mögliche erneute Verhandlungen auf X: „Wir haben auch über Diplomatie gesprochen – es ist wichtig, dass der diplomatische Prozess wiederbelebt wird. Unsere Teams werden die Einzelheiten ihrer weiteren Kommunikation klären. Ich bin den Vereinigten Staaten für ihre entschiedene Unterstützung dankbar.“

Friedensgespräche über Ende des Ukraine-Kriegs auf Eis – bisherige Versuche gescheitert

Die letzten direkten Gespräche zwischen ukrainischen und russischen Unterhändlern fanden im Juni vergangenen Jahres in Istanbul statt. Wie ARD-Korrespondentin Rebecca Barth im Deutschlandfunk berichtete, sei eine Waffenruhe auch damals während der Verhandlungen nicht einmal thematisiert worden – stattdessen hätten beide Seiten lediglich Forderungspapiere ausgetauscht. Im Mittelpunkt der Verhandlungen standen vor allem humanitäre Fragen: Beide Seiten einigten sich auf einen weiteren Gefangenenaustausch.

Bei einem Treffen zwischen dem US-Außenminister Marco Rubio und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow vergangene Woche, hieß es lediglich, die Gespräche seien „gut“ und „offen“ verlaufen. Rubio machte gleichzeitig deutlich, dass bisherige Friedensvorschläge gescheitert seien und neue Ideen gefragt seien. Russlands Außenministerium erklärte, Lawrow habe Unzufriedenheit über US-Waffenlieferungen an die Ukraine geäußert und Europas Verbündete der Ukraine einer destabilisierenden Politik bezichtigt, wie RadioFreeEurope berichtete.

Rubio betonte, Washington sei bereit, eine konstruktive Rolle zu spielen, dämpfte jedoch Erwartungen an schnelle Fortschritte: „Glauben Sie etwa, wir hätten den Krieg in der Ukraine in unseren 30 Minuten hier in Asien beigelegt? So läuft das nicht.“ Lawrow thematisierte zudem ein mögliches Treffen der Präsidenten Trump und Putin in Anchorage – ein Treffen, dessen Bedeutung Moskau und Washington gegensätzlich bewerten. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, Moskau sei „nicht übermäßig optimistisch“. (Quellen: TVP World/Kyiv Post/Deutschlandfunk/RadioFreeEurope/X) (sischr)