Popautor Joachim Lottmann leidet an Krebs: "Ich sterbe mit 97 Prozent"

Literatur

Popautor Joachim Lottmann leidet an Krebs: "Ich sterbe mit 97 Prozent"

Der in Wien lebende Deutsche verabschiedet sich seit Monaten von Freunden, macht Frieden mit ehemaligen Begleitern. Ein Gespräch über Literatur, Krankheit und Liebe

Interview

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Mia Eidlhuber Michael Wurmitzer

Ein älterer Mann sitzt in einem gepolsterten Sessel in einem Wohnzimmer. Er trägt einen gestreiften Pullover und blickt direkt in die Kamera. Im Hintergrund sind ein Bücherregal, eine Tür und eine Wand mit Fotos und Gegenständen zu sehen. Auf einem kleinen Tisch neben ihm stehen einige Alltagsgegenstände.
Joachim Lottmann in der Wohnung in Wien-Leopoldstadt, die zu verlassen immer beschwerlicher wird. Hier empfängt er zu "Abschiedsbesuchen".

Mit Mai, Juni, Juli hat Joachim Lottmann 1987 die Popliteratur (mit-)erfunden. Seit über einem Jahrzehnt lebt der Deutsche in Wien – und empfängt hier seit Monaten alte und ehemalige Freunde zu "Abschiedsbesuchen", denn er wird sterben.

STANDARD: Vor zweieinhalb Jahren haben Sie die Krebsdiagnose bekommen. Damals hat der Arzt Ihnen noch drei bis fünf Monate gegeben. Was war das für ein Gefühl?

Lottmann: Später wurde die Diagnose dann auf drei bis sechs Monate erweitert. Ich war mir ganz sicher, dass es nicht stimmt. Ich war mir dessen schon sicher, als wir in diese Döblinger Privatklinik reinkamen. Alles war denkmalgeschützt und so erhalten, wie es 1927 eingerichtet worden war, der Professor war auch seltsam, hat sich wie Sigmund Freud gestylt, sah aus wie ein Bestatter. Er hat 30 Minuten lang eine Predigt gehalten, dass man trotzdem nicht verzweifeln müsse. Ich wusste die ganze Zeit, dass es nicht stimmt. Es war mir ein bisschen peinlich für den Mann.

STANDARD: Woher wussten Sie das?

Lottmann: Ich dachte, der ist Theater, also stimmt alles andere auch nicht. Übrigens habe ich das heimlich aufgenommen. Ich habe das noch nie abgehört, aber daran kann man sehen, dass ich ein sehr gebrochenes Verhältnis zur Situation hatte, ein Künstlerverhältnis nach dem Motto, das muss ich festhalten, da schreibe ich mal was drüber.

STANDARD: Popliteratur und das Sterben passen auch wirklich überhaupt nicht zusammen.

Lottmann: Ich merke das auch daran, dass von meinen Freunden noch keiner gestorben ist.

STANDARD: Welche Vorstellung hatten Sie als junger Mann von Alter, Krankheit, Sterben?

Lottmann: Menschen, die in meiner Familie gestorben sind, haben mir vorgelebt, dass das auf jeden Fall zu vermeiden ist. Aufgabe Nummer eins im Leben ist es, sich selbst zu töten, damit das nicht passiert. Dieses Dahinsiechen gehört vermieden. Deswegen hatte ich keine Angst vor dem Alter und dem Tod, denn ich war mir sicher, ich würde mir das selbst ersparen.

STANDARD: Sie haben in einem Fernsehinterview den schönen Satz gesagt: "Ich sterbe fast als junger Mann".

Lottmann: Junger Mann ist nicht biologisch gemeint, aber ich bin eigentlich immer noch der, der ich mal als junger Mann war. Ich bin nicht schon auf drei Prozent runtergedimmt. Ich sterbe mit 97 Prozent.

STANDARD: Sie feiern heuer zum elften Mal den 60. Geburtstag. Ist das auch eine Todesverweigerung?

Lottmann: Nö, das ist ganz simpel. Ich lasse mir einfach von keinem sagen, wie alt ich bin. Ich werde jetzt am 6. Oktober 60. Das ist eine große Sache. Man wird nur einmal im Leben 60.

Ein älterer Mann sitzt in einem Sessel mit gemustertem Bezug und stützt seinen Kopf nachdenklich mit der Hand. Im Hintergrund ist ein unscharfes Schwarz-Weiß-Foto an der Wand sowie ein roter Gegenstand zu sehen.
In den 1980ern erfand Joachim Lottmann die deutschsprachige Popliteratur (mit).

STANDARD: Ist das Altern eine Zumutung?

Lottmann: Für die anderen, für die Menschen, die mit alten Leuten zu tun haben, klar.

STANDARD: Was hat sich für Sie durch die Krankheit verändert?

Lottmann: Ich mache seitdem dieses Programm, dass das Leben gut enden muss. Es muss geordnet werden, alle Schulden müssen bezahlt, alle Manuskripte geordnet sein, letzte Kontrakte geschlossen werden. Man muss sich mit allen versöhnen, mit denen man sich verkracht hat. Das ändert alles.

STANDARD: Sie haben in der Vergangenheit viele Freunde verärgert, sich zerstritten. Wer kommt zu diesen Abschiedsbesuchen?

Lottmann: Alle. Diese Besuche haben sich herumgesprochen und jetzt kommen immer mehr und immer frühere Bekanntschaften und Freunde. Zum Glück hab‘ ich meine Frau Christa, die dieses Chaos kanalisiert. Ich übertreibe immer gern, aber ich kann sagen, es kommen jeden Tag weitere Anfragen, so nach dem Motto: Ich bin der so und so, du wirst dich nicht mehr an mich erinnern, aber wir haben damals, 1988, weiß nicht wo, uns mal unglaublich gut unterhalten, das hab‘ ich nicht vergessen und ich möchte jetzt mit dir Kontakt haben. Bis auf eine Ausnahme habe ich mich nach jedem dieser Abschiedsgespräche stärker gefühlt als vorher.

STANDARD: War Rainald Goetz schon da?

Lottmann: Der nicht, aber ich habe jemanden getroffen, der es für mich arrangieren will.

STANDARD: Worüber würden Sie mit ihm reden?

Lottmann: Über dasselbe wie mit allen anderen auch: Wie hat es angefangen? Was war der Plan im Leben? Wie sahen die Rechnungen aus, die man mit sich selber, mit Gott und dem Leben gemacht hat? Wo sollte es hingehen? Wo war der Eisberg, auf dem die Titanic dann zerschellt ist? Welche Frau genau hat einen ruiniert? Wäre es verhinderbar gewesen? Ist man glücklich? Wie hat man Glück definiert, als man anfing? Die großen Fragen. Goetz würde sicherlich nach wenigen Minuten fuchsteufelswild aus der Wohnung stürzen.

Ein Mann mittleren Alters sitzt in einem gemusterten Sessel und stützt seinen Kopf nachdenklich mit einer Hand. Er trägt einen rot-schwarz-gestreiften Pullover. Im Hintergrund hängt ein gerahmtes Foto.
Joachim Lottmann wird demnächst 70, äh, 60.

STANDARD: Bereuen Sie die verbrannte Erde, die Sie hinterlassen haben? Oder sagen Sie, anders wäre es nicht gegangen, so zu schreiben, wie Sie schreiben wollten?

Lottmann: Man muss leider sagen, dass ich katastrophale Fehler gemacht habe.

STANDARD: Wenn Sie nicht ihre Frau Christa an ihrer Seite hätten …

Lottmann: Heute sind es 16 Jahre, 4 Monate und 7 Tage.

STANDARD: … was wäre dann?

Lottmann: Dann gäbe es mich seit zweieinhalb Jahren nicht mehr, denn dann hätte ich am 15. September 2024 Plan A umgesetzt. Ich hatte das schon vorbereitet. Was ich jetzt mache, ist Plan B. Meine Frau macht den entscheidenden Unterschied.

STANDARD: Die Erfahrung, auf jemanden angewiesen zu sein, damit alles noch läuft, damit man weitermachen kann, erschüttert Sie die?

Lottmann: Ich hatte nicht damit gerechnet, dass Christa diesen Turbo zünden könnte, diese Reserven an Kraft, an Nervenstärke und an Emotionen hat. Als dieser Knallkopf mir die Diagnose gab, hat sie gesagt, jetzt heiraten wir. Ich habe ihr schon am Tag, als wir uns kennenlernten, einen Heiratsantrag gemacht. Den hat sie 15 Jahre lang abgelehnt.

STANDARD: Auf Instagram und Facebook teilen Sie Ihre Krankengeschichte in einem "Langweiligen Tagebuch". Warum haben Sie damit angefangen?

Lottman: Ich glaube, das war genauso unbewusst wie die Entscheidung, jeden Tag eine kleine Zeitung herauszubringen, als ich fünf Jahre alt war. Bis ich in der Schule schreiben lernte, habe ich sie meinem Bruder diktiert. Als die Kindheit endete, habe ich nahtlos mit einem Tagebuch weitergemacht. Damit, handgeschrieben, habe ich nie aufgehört. Dann habe ich bei Instagram entdeckt, dass man 2200 Zeichen als Bildunterschrift hat. Damit habe ich im Jänner angefangen. Ich habe einfach geschrieben, was ich in den vergangenen 24 Stunden erlebt habe, da kamen das Krankenhaus, die Ärzte, der Krebs natürlich vor. Das hat sich wie ein Schneeballsystem weiterentwickelt. Ich habe Leute immer verachtet, die eine Million Follower haben, weil sie irgendetwas ins Netz stellen. Ich fand das immer schlimmer als die "Bild"-Zeitung, aber jetzt sehe ich das völlig anders.

STANDARD: Hat die Popliteratur die sozialen Medien vorweggenommen?

Lottmann: Die sozialen Medien sind ja schrecklich. Aber mein Leben hat sich schon vor 15 Jahren so dermaßen durch sie bereichert, dass ich gerne in Anspruch nehme, dass die Popliteratur der Vorreiter war. Diese freie Aussprache ist was Tolles.

STANDARD: Sie haben sich Ihr ganzes Leben lang aus Schwächen herausgeschrieben. Tun Sie das weiterhin?

Lottmann: Schwächen ist untertrieben, ich habe mich aus der Erstickungsohnmacht herausgeschrieben. Immer wenn es absolut nicht mehr weiterging, war der letzte Ausweg das Schreiben. Das macht großen Spaß und bringt mir sehr viel Kraft. Oft ist es so, dass ich so um die Tagesmitte herum einen extremen Tiefpunkt habe und nicht mehr denken kann. Das ist für mich das Schlimmste. Dann mache ich die Augen zu, wenn ich wieder aufwache, fällt mir nach ein paar Minuten echter Verzweiflung ein: Hey, ich habe das Tagebuch heute noch gar nicht geschrieben. Danach fühle ich mich total erfrischt.

Ein älterer Mann sitzt in einem gemusterten Sessel in einem Zimmer mit hellem Tageslicht. Er hält ein Buch mit dem Titel „Port Stanley ist gefallen“ von Joachim Lottmann in der Hand. Auf einem Beistelltisch ist eine Cola-Flasche sichtbar.
Joachim Lottmann mit seinem um vier Jahrzehnte verspätet erscheinenden Roman "Port Stanley ist gefallen".

STANDARD: Mit "Port Stanley ist gefallen" erscheint dieser Tage ein neues altes Buch von Ihnen, das Sie noch vor Ihrem Debüt "Mai, Juni, Juli" geschrieben haben.

Lottmann: Ich habe das 1982 geschrieben, da war ich noch in Hamburg. Es ist eine ganz dramatische Liebesgeschichte, Mitte Januar wurde ich von meiner damaligen Freundin verlassen und bin in einen totalen Kontrollverlust geraten. Ich konnte nicht mehr schlafen, nicht mehr arbeiten, die Miete nicht bezahlen. Am selben Tag begann der Falkland-Krieg. In diesem Jahr habe ich mit allem, was ich konnte, versucht, diese Frau zurückzuerobern. Am Ende ist es, mithilfe meiner Freunde, gelungen. So wie die Briten die Falkland-Inseln zurückerobert haben. Ich habe damals manisch geschrieben, um den nächsten Tag zu erreichen. Mit meiner Rückeroberung enden auch die Aufzeichnungen. Das ist dieses Buch.

STANDARD: "Mai, Juni, Juli" liest sich immer noch unheimlich frisch.

Lottmann: Viele behaupten, dass die Sachen, die ich vor "Mai, Juni, Juli" geschrieben habe, noch einen Tick besser sind. Die ersten Alben der Beatles sind auch besser. Ich könnte noch einige frühe Titel nennen, die nicht herausgekommen sind. Nächstes Jahr kommt bei KiWi noch ein großes Buch, es geht darin um die Zeit, als ich mit Kippenberger in Köln im selben Hotel gewohnt habe.

STANDARD: Sie gelten als Erfinder der Popliteratur. Wie fühlt es sich an, Teil der Literaturgeschichte zu sein?

Lottmann: Es wurde jahrelang gesagt, der "selbsternannte" oder "sogenannte" Erfinder der Popliteratur. Ich hoffe, dass ich jetzt endlich mal tatsächlich nachhaltig anerkannt werde. Ich war immer ein Liebling der Medien, der Feind war immer in der Literaturbranche. Dass sich jetzt alle darauf einigen, dass das schon Qualität hat, richtige Literatur ist, hat sicher mit dem Krebs zu tun.

STANDARD: Ein Krankheitsgewinn?

Lottmann: Ein extremer. So mancher Autor würde gern mit mir tauschen, wenn er dafür in die Literaturgeschichte einginge.

STANDARD: Gerade wurde mit "Endlich Kokain" erstmals eines Ihrer Bücher ins Englische übersetzt. Denken Sie sich manchmal, wenn sowas vor 30 Jahren geschehen wäre, wer weiß, was dann aus Ihnen geworden wäre?

Lottmann: Das wäre natürlich toll gewesen. Wenn nicht nur Helge Malchow als einsamer Rufer bei KiWi mich gemocht hätte. Ich war wirklich der Außenseiter.

Ein Mann in einem gestreiften roten Pullover sitzt nachdenklich in einem Sessel und hält eine kleine Dose in der Hand. Im Hintergrund ist ein gerahmtes Foto eines Kindes zu sehen.
Aufmerksam, vergnügt, gewitzt: Joachim Lottmann im Gespräch.

STANDARD: 2017 in "Alles Lüge" ging es um die Migrationsbewegung und das Erstarken Rechter, 2021 in "Sterben war gestern" um Klimakrise und Identitätspolitik. Haben Sie heute noch Kapazitäten, sich mit der Welt zu befassen?

Lottmann: Ich muss jetzt mit aller Deutlichkeit eine schöne, positive Antwort geben. Die "Süddeutsche Zeitung" schenkt mir ein Mitarbeiterabo und die haben eine Kampagne gegen Merz. Jeden Tag ist er auf der Titelseite oder steht auf der Seite drei eine riesige Geschichte, was Merz wieder alles falsch gemacht und wer alles gegen ihn intern Stellung bezogen hat. Die verdonnern die halbe Redaktion, jeden Tag bei Politikern anzurufen und drum zu betteln, dass sie was gegen Merz sagen. Und ich lese das für mein Leben gern. Das ist mein größter Spaß.

STANDARD: Wenn die österreichischen Medien jetzt jeden Tag spekulieren, ob Andreas Babler Geschichte an der Spitze der SPÖ ist, freut Sie das ähnlich oder ist die österreichische Politik für Sie viel weniger interessant?

Lottmann: Ich habe die österreichische Politik früher mal viel, noch viel lieber gehabt als die deutsche.

STANDARD: Als nur wir diesen Showeffekt einer sehr rechten Partei im Parlament aufbieten konnten?

Lottmann: Ich war ganz frisch in Österreich, da trat H.-C. Strache am Stephansplatz auf. Ich bin mit Christa hingefahren. Sie ist der Grund, warum ich hier bin. Ich war nur für eine Lesung in Wien, lernte sie kennen und bin gleich geblieben. Seitdem sind wir zusammen. Ein paar Tage später hat sie mich eben mitgenommen zu dieser Veranstaltung und ich war total baff. Eine Menge von Menschen, wie ich sie nur aus der UFA-Wochenschau kannte, Hitler spricht im Sportpalast oder sowas. Sowas kannte ich wirklich nur aus dem Geschichtsunterricht. Und ich dachte, wow, hier kann man noch eine Zeitreise unternehmen. Später habe ich mich mit Sebastian Kurz angefreundet oder er sich mit mir, wie man will. Damals war er noch Staatssekretär für Integration. Für mich war es das Paradies auf Erden, wirklich mal da zu sein, wo mein Vater immer hinwollte. Mein Vater hat ja dreimal für den Bundestag kandidiert, ist aber immer durchgefallen. Er hat der Familie unmenschliche Opfer abverlangt, alles umsonst. Und auf einmal sitze ich im Bundeskanzleramt.

STANDARD: Was hat Sebastian Kurz an Ihnen gefunden?

Lottmann: Ich war ein Schriftsteller, der in Österreich im ersten Jahr große Erfolge gefeiert hat. Also, es war kein so großes Gefälle zwischen uns.

STANDARD: Sie wirken tatsächlich sehr vergnügt. Könnte es nicht sein, dass Sie sich doch noch einmal erholen?

Lottmann: Dann werden meine Professoren wahrscheinlich die Wohnung hier stürmen und mich lynchen. Es gibt ja ganze Aktenordner an Befunden.

Ein Mann sitzt in einem Raum mit einem retro-dekorierten Hintergrund und hält eine Zeitung in die Kamera. Die Zeitung enthält Artikel mit den Überschriften „Sterben war gestern“ und „Ein Videospiel­film.“ Im Hintergrund ist ein gerahmtes Porträt sowie Möbelstücke zu sehen.
Joachim Lottmann hat in letzter Zeit Nachrufe auf sich quasi bestellt. Und zeigt sie amüsiert her.

STANDARD: Sie haben dem Professor damals ja auch nicht geglaubt.

Lottmann: Letztens ging es mir eine Woche lang unglaublich gut. Da hatte ich zum ersten Mal den Gedanken, vielleicht ist es ja so, dass ich mich stabilisiere. Ich habe keine Schmerzen und finde mich manchmal wirklich in Ordnung. Aber das mit den Blutkörperchen scheint ein nicht mehr lösbares Problem zu sein. Anämie. In immer kürzeren Abständen muss ich ins Krankenhaus und Bluttransfusionen bekommen. Dann entlassen sie mich, ohne, dass es besser geworden ist. Nach ein paar Tagen kommt auf einmal die Kraft zurück, Glück gehabt. Aber wenn das immer öfter passiert, kann man sich ausrechnen, wo es endet. Theoretisch ist es aber möglich, dass diese Selbstheilungskräfte des Körpers stärker werden.

STANDARD: Man wird in den vergangenen Jahren vermehrt Zeuge öffentlichen Sterbens. Einer der Ersten, der das dokumentiert hat, war Wolfgang Herrndorf.

Lottmann: Herrndorf habe ich natürlich eins zu eins mitverfolgt. Ich kannte ihn sehr lange und viele Jahre davon als den, der immer schreibt, aber nichts veröffentlicht. Wir alle wussten, was für eine Wahnsinnsqualität das hat, aber er hatte einfach so eine Blockade. Dann bekam er die Krebsdiagnose und auf einmal haute er diese ganzen Sachen raus. Das fand ich gut. Aber diese Preise, die er dann bekommen hat und diese wahnsinnige Wertschätzung ... ich habe mich da auch lustig machend über ihn geäußert. Jetzt wiederholt sich das praktisch mit mir.

STANDARD: Was passiert zum großen Geburtstag nächste Woche?

Lottmann: Da werden die "60 Jahre"-Servietten aufgelegt, die mit dem Goldrahmen. Und dann werden ich, Christa und der Hausfreund in die Berge fahren. Der hat so ein schickes Auto, einen Tesla. Nur wir drei. Völlig stressfrei. Die Servietten nehmen wir mit. (Mia Eidlhuber, Michael Wurmitzer, 3.10.2026)

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