Pommes mit Trüffeln, aber kein Schatten: Das neue Dolder-Wellenbad polarisiert
Prächtige Architektur, Pommes mit Trüffeln und Champagner – doch ein Badegast findet, das sanierte Dolder-Wellenbad sei eine «Katastrophe»
Die Stadt Zürich hat die Anlage am Zürichberg für 20 Millionen Franken saniert: ein Besuch in der wohl luxuriösesten Badi der Stadt Zürich.
13.07.2026, 00.05 Uhr
5 Leseminuten

Eleganter – aber auch komplizierter: Der sanierte Garderobenbereich im Freibad Dolder in Zürich.
Patrick Gutenberg
Die Dolder-Badi ist zurück – und wie: Rund 20 Millionen Franken hat die Stadt für die Sanierung gezahlt. Entstanden ist ein Bad, das eher an ein luxuriöses Ferienresort als an ein klassisches Zürcher Freibad erinnert. Im Restaurant gibt es Pommes mit Trüffeln und Champagner. Wenige Wochen nach der Wiedereröffnung gilt das Dolder-Wellenbad als die luxuriöseste Badi der Stadt. Eleganter ist sie definitiv geworden – aber auch komplizierter.
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Lange Wartezeiten und wenig Schatten
An einem heissen Nachmittag im Juli läuft ein Vater in Badehose und mit einem einzelnen Turnschuh am Fuss über die Liegewiese zu seiner Familie. In der Hand trägt er einen Sonnenschirm. Fünf Franken hat er dafür bezahlt. Und eigentlich hätte er an der Kasse auch noch einen Ausweis hinterlegen sollen – doch den hat er im Spind eingeschlossen. Also bleibt der Turnschuh als Pfand zurück.
Wenige Meter daneben haben sich zwei deutsche Touristen in die exklusive Champagner-Lounge verirrt. Sie wollen eigentlich zur Minigolfanlage, die auf dem Badi-Gelände ist.
Und eine Mutter sucht verzweifelt nach etwas Schatten für ihren kleinen Sohn. Sie findet ihn auf einer Breite von einem Meter zwischen rot-weissen Absperrbändern. Diese sollen verhindern, dass jemand in das Kinderbecken steigt, das wegen eines Defekts geschlossen ist, oder den Rasen betritt, der erst noch wachsen muss.
Bei einigen Gästen im Selbstbedienungsrestaurant ist die Stimmung an diesem sonnigen Tag getrübt. Es sei eine Katastrophe, sagt eine braungebrannte Frau, sie komme bereits seit 30 Jahren in die Dolder-Badi. Das Essen im Badi-Restaurant sei teuer und schmecke eklig.
17 Franken kostet ein Burger. Ohne Pommes frites. Ohne Ketchup.
Und die Frau ergänzt, am Samstag habe sie gar nichts essen können, die Schlange vor der Kasse habe bis zum Eingang geführt. 45 Minuten habe man anstehen müssen – auch für eine Glace. Ein Mann mischt sich ins Gespräch ein: Es seien sicher eineinhalb Stunden gewesen, sagt er.
Seit dem 19. Juni ist das Dolder-Wellenbad, wie es neu offiziell heisst, offen. Davor war es zwei Jahre lang saniert worden. Treppen, Duschen, Garderoben und die Gebäudehüllen, alles wurde erneuert.
20 Millionen Franken hat die Stadt investiert – und das, obwohl ihr das Bad gar nicht gehört. Eigentümer ist der Besitzer des Luxushotels Dolder Grand, Urs E. Schwarzenbach.

Einst hiess das Dolder-Freibad «Wellen- und Sonnenbad», aufgenommen bei einem Tiefflug aus der Vogelperspektive im August 1954.
Friedli, Werner / ETH-Bildarchiv
Die Stadt hat das Bad 2024 im Baurecht übernommen. Und nun erneuert, um «den Fortbestand des einzigen Freibads im Quartier» zu sichern, so die Begründung. Die 1934 erbaute Anlage habe sich «in einem schlechten baulichen Zustand» befunden.
Eine Badi für alle soll sie nun sein. 8 Franken kostet der Eintritt, so viel wie in allen öffentlichen Zürcher Badis.
Doch für wen ist sie tatsächlich, diese Badi hoch oben am Zürichberg? Eingeklemmt zwischen Driving Range und dem Luxushotel mit demselben Namen: Dolder.
Wo sind die Wellen des Wellenbads?
An einem Montag vor den Sommerferien ist die Badi tatsächlich ein Ort für alle, so wie die Stadt ihn sich wünscht – zumindest auf den ersten Blick. Eine ältere Dame macht Wassergymnastik, Teenager liegen kichernd auf dem Kinderspielplatz herum, ein Vater versucht hilflos, seinem Sohn ein enges, nasses Badeshirt auszuziehen. Eine junge Frau nippt in der Lounge an einem Champagner.
Doch vielen scheint etwas zu fehlen.
Ein Mädchen mit Nuggi im Mund steht neben seiner Mutter und fragt nach der Rutschbahn. «Die gibt es nicht mehr», sagt die Mutter. «Aber ich will.» «Nächstes Mal gehen wir wieder woanders hin», antwortet die Mutter.
Ein Teenager ärgert sich, dass es kein Sprungbrett hat und auch kein Wellenbad, obwohl dieses im Namen vorkommt. Er sagt, der «Vibe» sei entspannt, aber die Badi eher etwas für Erwachsene.
Den Stammgästen fehlen Spiegel und Haken in den Kabinen, die sie für 200 Franken im Jahr gemietet haben. Andere trauern dem Frühschwimmen um 7 Uhr nach. Das Dolder-Wellenbad öffnet von Dienstag bis Sonntag um 10 Uhr. Am Montag sogar erst um 11 Uhr 30.
Die Champagner-Lounge hat in den ersten Tagen nach der Eröffnung in den Kommentarspalten der Medien und der sozialen Netzwerke für Kontroversen gesorgt. Zutritt gibt es nur für jene, die mindestens ein Cüpli für 16 Franken kaufen. Das passe doch gut an den Zürichberg, fanden die einen, das passe nicht in eine Badi, die anderen.
Für das gastronomische Angebot in der Badi ist das Fünfsternehotel Dolder verantwortlich. Offenbar wurde auch die Stadt von der Pop-up-Champagner-Lounge überrascht. Man werde das Gespräch mit dem Betreiber suchen, heisst es von offizieller Seite des Sportamts, und das Gastronomieangebot besprechen. Passiert ist das bisher allerdings noch nicht – wegen Ferienabwesenheiten, wie das «Dolder» mitteilt.
Kritik wird ernst genommen
Beim verantwortlichen Grand-Hotel zeigt man sich mit dem Neustart der Badi derweil sehr zufrieden. «Wir erhalten viele positive Rückmeldungen, was uns sehr freut», sagt der Kommunikationschef Joachim Schweier.
Die Wartezeiten im Selbstbedienungsrestaurant seien ein «Spiegelbild der hohen Nachfrage» und zugleich «das Los einer täglich wechselnden, frischen Küche». Trotzdem nehme man die Kritik ernst und habe bereits Massnahmen eingeleitet, um die Wartezeiten zu verkürzen. So werde etwa der «Kids Corner» zu einem eigenständigen Kiosk umgebaut.

Den Stammgästen fehlen Spiegel und Haken in den Kabinen, die sie für 200 Franken im Jahr gemietet haben.
Patrick Gutenberg
Auch auf weitere Kritikpunkte reagiert das «Dolder». Die abgesperrten Kinderplanschbecken seien durch die Unwetter der vergangenen Wochen beschädigt worden und würden nun so rasch wie möglich wieder freigegeben. Eine Rutschbahn werde kommende Woche montiert, das Wellenbad soll im nächsten Frühling folgen.
Beim Thema Schatten verteidigt das «Dolder» den gewählten Ansatz. Man habe sich bewusst für einen Kompromiss zwischen offenen Liegeflächen und schattenspendenden Bäumen entschieden, damit «beliebte Veranstaltungen wie beispielsweise das Dolder-Wellenkino weiterhin möglich» seien.
Zudem werde derzeit geprüft, die Öffnungszeiten für die Sommersaison 2027 anzupassen.
Insgesamt zieht Schweier eine positive Bilanz. Rückblickend sei man mit der Eröffnung zufrieden und würde nichts anders machen. Ziel sei es gewesen, den Gästen von Beginn an ein positives Erlebnis zu bieten – «trotz nicht vorhersehbaren baulichen Verzögerungen».
Und auch die meisten Badegäste zeigen sich am Ende versöhnlich. Eine Frau sagt: «Wir sind froh, ist die Badi wieder offen. Letztes Jahr mussten wir mit unseren Taschen und Sonnenschirmen ins Tram.» Dass man beim Dolder-Wellenbad direkt vor der Türe parkieren könne – das sei für sie wahrer Luxus.

Noch passt der Name nicht ganz zum Freibad Dolder: Die Wellen des «Wellenbads» sollen nächsten Frühling folgen.
Patrick Gutenberg
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