Präsentationsprüfungen mit KI vorbereiten

KI-Tipp

Aus der Praxis : Präsentationsprüfungen mit KI vorbereiten

Wie können Schülerinnen und Schüler eine Präsentationsprüfung selbstständig vorbereiten, ohne mit ihren vielen Fragen allein zu bleiben? Mathematiklehrer Christoph Koböke berichtet, wie ein KI-Tutor seine 9. Klasse bei der Themenfindung, Strukturierung und Medienwahl unterstützte und wo sein persönliches Feedback unverzichtbar blieb. In unserer Serie „KI-Tipp“ kommen Lehrkräfte zu Wort, die positive Erfahrungen mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) im Unterricht oder bei der Unterrichtsvorbereitung gemacht haben.

  1. August 2026

Illustration einer jungen und einer erwachsenen Person, die an einem Tisch mit Tablet sitzen. Vor der jungen Person liegen Schreibmaterialien.

Wie lässt sich künstliche Intelligenz im Unterricht niederschwellig nutzen?

©Pia Bublies

Was war die Ausgangslage?

„Eine Präsentationsprüfung in Mathematik – das kann ich mir ja gar nicht vorstellen!“ So reagierten viele Schülerinnen und Schüler meiner 9. Klasse bei meinem Vorschlag, eine von zwei Klassenarbeiten im zweiten Halbjahr durch eine Präsentation mit anschließendem Fachgespräch zu ersetzen. Die Prüfungsordnung für die Sekundarstufe 1 in Nordrhein-Westfalen ermöglicht ein solches alternatives Prüfungsformat, und zwar einmal pro Schuljahr und Fach. Im gemeinsamen Gespräch legten wir die Rahmenbedingungen für die Prüfung fest. Eine zeitgemäße Präsentationsprüfung ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, eigene Schwerpunkte zu setzen. Gleichzeitig braucht es verbindliche und vergleichbare Kriterien für die Leistungsbewertung.

Für meine Schülerinnen und Schüler standen nun fünf Wochen an, in denen sie sich selbstorganisiert Inhalte zum Thema „Volumen und Oberflächeninhalt geometrischer Körper“ erarbeiten sollten. Darüber hinaus bereiteten sie eine Präsentation mit einer selbst gewählten problembasierten Fragestellung samt Lösung vor. Für einige Jugendliche türmte sich ein Berg an Fragen auf: Wie finde ich eine passende Problemstellung? Wie strukturiere ich mich? Welche Medien nutze ich für die Präsentation?

Wie hat künstliche Intelligenz dabei geholfen?

Angesichts der vielen Fragen wurde schnell klar, dass die größte Herausforderung für mich als Lehrkraft darin bestehen würde, alle Lernenden konstruktiv zu unterstützen. Aufgrund der begrenzten zeitlichen Ressourcen entschied ich mich zu kurzen „Stehtischgesprächen“ mit den Schülerinnen und Schülern, um ihnen zum inhaltlichen Kompetenzerwerb regelmäßig Feedback zu geben. Einmal pro Woche sprachen wir unterstützt von Impulskarten über die Inhalte, die sie bisher erarbeitet hatten.

Das Finden einer geeigneten Problemfrage, der Aufbau der Präsentation oder die Wahl der Medien erfolgte hingegen im Austausch mit einem KI-Tutor. Diesen erstellte ich mithilfe eines KI-Assistenten der Plattform „fobizz“. Im Megaprompt legte ich die Bewertungskriterien der Präsentationsprüfung und eine unterstützende Schrittfolge zum Strukturieren des Vorbereitungsprozesses fest.

Im Verlauf der Unterrichtsreihe fiel mir auf, dass viele Schülerinnen und Schüler die Stehtischgespräche auch nutzten, um mit mir über die Ergebnisse ihrer KI-Chats zur Präsentationsvorbereitung zu sprechen. Der KI-Tutor unterstützte zwar bei der Erstellung von Präsentationsfolien oder bei der Modellierung von Gegenständen durch geometrische Körper, lieferte aber für einige zentrale Fragestellungen oft keine eindeutigen Antworten. Zum Beispiel:

  • Ist die Problemfrage wirklich relevant für mich beziehungsweise gibt es Menschen, die ein berechtigtes Interesse an ihrer Lösung haben?
  • Wie gut bildet das mathematische Modell, das zur Problemlösung herangezogen wird, die Realität ab?
  • Wenn das Modell nur eine Näherung ist: Welche Konsequenzen hat das für das Ergebnis?

In der Wahrnehmung der Lernenden blieb der KI-Tutor hier häufig zu oberflächlich. Zugleich verfügten viele Schülerinnen und Schüler noch nicht über die nötigen Kompetenzen, um durch gezieltes Nachfragen tiefergehende Antworten zu erhalten.

Was sollte man bei der Umsetzung beachten?

Wenn eine Lerngruppe noch wenig Erfahrung mit der Erstellung von Präsentationen im Fach Mathematik hat, sollte zunächst die Struktur der Vorbereitung an einem Beispiel besprochen werden. So entwickelte ich in meinem Unterricht zusammen mit meinen Schülerinnen und Schülern mögliche Fragestellungen zu Fotos von einem realen Gegenstand und hielt sie in einem Flussdiagramm fest (siehe Bild). Im nächsten Schritt tauschten sich die Schülerinnen und Schüler mit der KI über die Fragen aus dem Flussdiagramm aus. Auf diese Weise bekamen sie einen Eindruck davon, welche Möglichkeiten die KI für eine ko-konstruktive Arbeit an einer Präsentation bietet. Mit diesen Erfahrungen im Gepäck konnten sie sich mit ihren selbst gewählten Gegenständen beschäftigen.

Die anschließende anonyme Evaluation zeigte: Der KI-Tutor führte bei etwa 70 Prozent der Lernenden zu weniger Unsicherheit bei der Prüfungsvorbereitung. Nur etwa 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler hatten das Gefühl, die KI habe ihnen das Denken abgenommen. Eine Schülerin beschrieb ihre Erfahrung so: „Die KI gibt einem so viele Ideen, das nimmt den Druck. Aber man nimmt das alles auch erst mal so hin. Wenn man dann die Präsentation übt, merkt man, dass man es eben noch nicht verstanden hat, und will es für das Fachgespräch lernen. Sonst wird’s unangenehm.“

Megaprompt zum Loslegen

Für das Erstellen des Megaprompts orientierte ich mich am sechsstufigen Prompt-Aufbau von Rob Lennon. Das Konzept gilt zwar teilweise als überholt, liefert im Zusammenhang mit dem KI-Assistenten der Plattform „fobizz“ aber immer noch gute Ergebnisse.

Wer?
Du bist ein freundlicher und ermutigender Tutor, der Schülerinnen und Schülern einer 9. Klasse in NRW bei der Vorbereitung einer Präsentationsprüfung unterstützt.

Was?
Das ist die vorbereitende Aufgabe für die Schülerinnen und Schüler:

  • Suche dir ein Objekt, das durch mindestens von einem der folgenden Körper beschrieben werden kann: Pyramide, Kegel, Kugel.
  • Stelle eine oder mehrere sinnvolle Fragen zu dem Objekt, die sich mithilfe von Mathematik beantworten lassen.
  • Die dazu benötigten Daten kannst du selbst erheben oder recherchieren.
  • Bereite eine Präsentation von circa fünf Minuten Dauer vor, in der du deine Frage(n) und deine Antwort(en) präsentierst.

Wie?
Du nimmst als Tutor eine unterstützende Beratungsfunktion ein. Der Schüler oder die Schülerin soll die eigenen Ideen gemeinsam mit dir weiterentwickeln. Unterstütze ihn oder sie auch dabei, zu prüfen, ob er oder sie für die Fragen, die er oder sie bearbeiten möchte, das nötige Wissen hat.

Kontext?
Das sind die Bewertungskriterien für die Präsentation:

  • Darstellung: klare Gliederung, Aufbau und Nachvollziehbarkeit, fachlich sinnvolle Darstellung.
  • Konkret: Wird deutlich, warum und wie ich die Frage(n) bearbeite? Wird die Bedeutung der Mathematik für meine Frage(n) deutlich
  • Performanz: freies, flüssiges Sprechen und Einhaltung des Zeitrahmens, fachsprachliche Präzision. Konkret: Habe ich Begriffe erklärt? Werden Missverständnisse vermieden? Kann ich in ca. fünf Minuten die Antwort(en) auf meine Frage(n) präsentieren?
  • Kontextualisierung und Reflexion: Fachkompetenz, Abstrahierung der Ergebnisse und Eigenständigkeit. Konkret: Können meine Ergebnisse stimmen? Welche Bedeutung hat das Ergebnis?

Ziel?
Beende das Gespräch, wenn der Schüler oder die Schülerin die folgenden Schritte durchlaufen hat:

  • eigenständig einen realen Gegenstand finden (zum Beispiel: weltgrößte Discokugel)
  • Mathematik identifizieren (zum Beispiel: Oberfläche oder Volumen berechnen)
  • Relevanz erzeugen (zum Beispiel: Wie viele Spiegelplatten? Wie lange dauert das Aufpumpen?)
  • Modell reflektieren (zum Beispiel: Passung des Modells zur Realität einschätzen und daraus Konsequenzen ableiten)
  • fokussieren/reduzieren (fünf Minuten Präsentationszeit berücksichtigen)

Format?
Schreibe kurze Nachrichten mit maximal 50 Wörtern und verwende eine Fachsprache, die für die 9. Klasse eines Gymnasiums angemessen ist.

Zur Person

Christoph Koböke ist Lehrer für Mathematik und Physik am Gymnasium Schloß Neuhaus im nordrhein-westfälischen Paderborn. Darüber hinaus ist er als Fachleiter für Mathematik am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) Detmold in der Lehrkräfteausbildung tätig und Mitgründer des Mathematik-Podcasts „Dreisatz“.

Porträtfoto von Christoph Koböke.

Christoph Koböke

©privat

Bei den „KI-Tipps“ handelt es sich um Empfehlungen von Lehrkräften für Lehrkräfte. Das Deutsche Schulportal hat die aufgeführte KI-Anwendung nicht mit Blick auf die aktuellen Richtlinien der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) geprüft. Wenn Sie diese KI-Anwendung an Ihrer Schule einsetzen möchten, wenden Sie sich am besten an die zuständige Schulbehörde für eine datenschutzrechtliche Beurteilung.

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