„Dito“ ist „Spiel des Jahres“ 2026

Das Brettspiel „Dito“ vom indonesischen Spieleautor Martin Ang ist am Sonntag in Berlin mit dem Preis für das „Spiel des Jahres“ ausgezeichnet worden. „Leute, wir haben gewonnen“, sagte der sichtlich aufgelöste Autor Ang. „Dito“, erschienen bei Game Factory, setzte sich vor „Cozy Stickerville“ (Unexpected Games) sowie „Morty Sorty Magic Shop“ (Schmidt Spiele) durch.

„Dito“ ist ein kompetitives Wortassoziationsspiel. Es war das erste Spiel überhaupt aus Indonesien, das für den weltweit wichtigsten Preis der Spielebranche nominiert war. Der „rote Pöppel“, den der Sieger auf den Karton gedruckt bekommt, vervielfacht den Produktabsatz. Verliehen wird das „Spiel des Jahres“ seit 1979. 2001 kam das „Kinderspiel des Jahres“ hinzu. Seit 2011 wird ein Preis an das „Kennerspiel des Jahres“ vergeben: ein Spiel, das etwas mehr Regeln hat und für Spieler ist, die etwas tiefer einsteigen wollen.

In der Kategorie „Kennerspiel des Jahres“ siegte das Spiel „Rebirth“ (Frosted Games / Mighty Boards) von Rainer Knizia vor „Boss Fighters QR“ von Michael Palm und Lukas Zach (Pegasus Spiele) und „Moon Colony Bloodbath“ von Donald X. Vaccarino (Alea).

Das „Kinderspiel des Jahres“ ging an „Die Insel der Mookies“ (Kosmos) von Autor Florian Sirieix. Weiter nominiert waren „Buh Party“ (Loki), ebenfalls von Sireix zusammen mit Benoit Turpin, sowie „Verflixt verzaubert“ von Thomas Dagenais-Lespérance (Game Factory).

Rainer Knizia erster Autor, der alle drei Preise der Jury gewonnen hat

Rainer Knizia ist indes der erste Autor, der alle drei Preise der Jury gewonnen hat. Er gewann 2008 sowohl das „Spiel des Jahres“ mit „Keltis“ als auch das „Kinderspiel des Jahres“ mit „Wer war’s?“. Knizia gehört mit mehr als 600 veröffentlichten Spielen zu den produktivsten Spieleautoren der Branche. „Mein Ziel ist es immer, den Zugang einfach, aber den Spieler lange beim Spiel zu halten“, sagte Knizia. In „Rebirth“ geht es darum, Schottland nach einer Apokalypse wieder aufzubauen.

Der Sieger des Kinderspielpreises berichtete: „Mein Sohn hat mich gebeten, ein Fünf-Minuten-Spiel vor der Schule zu spielen.“ Er habe keines gehabt, also habe er sich selbst dran gesetzt. In dem Spiel geht es darum, zauberhafte Fabelwesen zu sammeln und passende Symbole zu finden. „Der Jahrgang war sehr kreativ und strotzte vor vielen Ideen“, sagte Christoph Schlewinski, in der Jury für die Kinderspiele zuständig.

Jury musste aus 571 Neuerscheinungen wählen

Die Jury hatte bei der Nominierung Qualitätsmängel bei vielen eigentlich starken Spielen kritisiert. Sie schrieb sogar, dass noch nie so viele Spiele aus dem besten Zehntel des Jahrgangs von Mängeln betroffen gewesen seien. Konkret wurden lückenhafte, uneindeutige und widersprüchliche Spielregeln sowie fehlende Regelübersichten genannt. Außerdem wurden falsche Altersangaben auf den Schachteln und sprachliche Inkonsistenz kritisiert: wichtige Teile auf Deutsch, ergänzende Elemente aber nur auf Englisch – und mangelhaftes Spielmaterial, das bei schlechtem Licht oder schon nach wenigen Partien nicht mehr gut funktioniert.

Die Branche überbietet sich seit einigen Jahren mit der Zahl an Neuheiten. Zur „Spiel“ in Essen, der weltgrößten Publikumsmesse für Brettspiele, sind im vergangenen Jahr rund 1700 Neuheiten erschienen. Im Jahr davor waren es 1500. Die Jury musste aus 571 Neuerscheinungen ihre Entscheidung treffen, da Erweiterungen und Neuauflagen.

„Das war ein Plus von 50 Prozent in den vergangenen drei Jahren“, sagte der Jury-Vorsitzende Harald Schrapers. Ein Trend sei bei der Bandbreite nicht zu beobachten.„Wir wollen Menschen an den Spieltisch bringen“, erklärte Schrapers das Leitmotiv der Jury. Seit 2012 seien zudem mehr als 1000 Projekte in Kindergärten, Schulen, Bibliotheken gefördert worden. Es gebe Stellen an Universitäten, die geschaffen wurden, um die Forschung zum analogen Spiel voranzutreiben. „Da gibt es noch einiges zu tun“.

Zudem seien 370 Spielepakete im Rahmen des Projekts „Spielend für Toleranz“ verschickt worden. „Wir wollen mit Spielen ein Zeichen gegen Hass, Hetze, Rassismus und Antisemitismus setzen“, sagte Schrapers. Spiele würden Menschen zusammenbringen und schließen niemanden aus.