Promi Big Brother: Redo hat ein Buch geschrieben – der Inhalt ist völlig absurd
Promi Big Brother Redo hat ein Buch geschrieben – der Inhalt ist völlig absurd
Köln · Als Kandidat bei „Promi Big Brother“ erhält René „Redo“ Dost noch mehr Aufmerksamkeit als sonst. Unser Autor hat aus diesem Anlass „Das Redo Buch“ gelesen – und findet es bedenklich.
13.10.2026 , 20:03 Uhr
René Dost hat zweifellos Erfolg. Mit der Vermittlung seines Wissens klappt es aber in Buchform nicht gut.
Foto: Joyn
Er ist ein extrem erfolgreicher Gastronom, der mit immer neuen Restaurants durchgestartet ist. Außerdem ist René Dost eine Social-Media-Persönlichkeit und nun auch ein Kandidat bei „Promi Big Brother“ 2026. Auf Sat.1 werden ihn noch viel mehr Menschen kennenlernen als bisher. Einen verstörenden Eindruck davon, wer er eigentlich ist, gab es bereits im vergangenen Jahr. Denn der Mann, der sich selbst Redo nennt, hat ein Buch geschrieben, das seinesgleichen sucht.
Was erzählt das bekannte Gesicht aus „Promi Big Brother“ 2026?
René Dost möchte Lesern „die Werkzeuge und die Inspiration“ an die Hand geben, um in der Gastronomie erfolgreich zu sein. So schreibt er es selbst. Er geht das Thema an, mit dem er sich nachweislich auskennt. In dieser Branche ist er ohne Frage eine ganz große Nummer. Was aus diesem Vorhaben wird, ist umso ernüchternder.
Auch dafür kann Redo stehen: Reichtum, Ehrlichkeit, Disziplin und Optimismus. Diese vier Dinge braucht man laut René Dost, um in der Gastronomie erfolgreich zu sein.
Foto: TV/Robert Märländer
Herausgekommen ist eine Ansammlung von Anekdoten, die nur den völlig Ahnungslosen noch etwas verraten. Viel schlimmer ist aber: Gelegentlich sind seine Tipps geradezu gefährlich für leichtgläubige Geister.
„Das Redo Buch“ hat erstaunlich wenig Inhalt
Mehr als 300 Seiten hat dieses Werk mit dem Titel „Das Redo Buch“. Das klingt nach viel Inhalt, doch das Layout verschleiert nur notdürftig, was hier wirklich geschieht. Die Schriftgröße wirkt absurd riesig auf jeden Erwachsenen, der schon einmal ein Buch in der Hand hatte. Belanglose Fotos füllen großflächig weitere Seiten. Hin und wieder findet der Leser sogar ganze Seiten, auf denen Platz für Notizen sein soll. Jeder Trick ist recht, um einen akzeptablen Umfang vorzutäuschen. Von Anfang an ist klar, dass dieses Buchprojekt auf wackeligen Beinen steht.
Der Inhalt, der am Ende übrig bleibt, ist erstaunlich. Über allem hängt der Anspruch, Menschen Orientierung zu geben, wenn sie in der Gastronomie durchstarten wollen. Doch was genau René Dost sagen möchte, bleibt allzu oft schwammig. Denn am liebsten redet er über sich selbst.
René Dost hat einen guten Ansatz – danach geht vieles schief
An dieser Stelle muss man ihm eines lassen: Mit dem Schreiben über sein Leben hat er einen guten Einstiegspunkt gefunden. Denn seine Lebensgeschichte hat viel zu bieten. Offen schreibt der Gastronom über seine bescheidenen Anfänge mit einem Imbisswagen. Er berichtet über seine größten Fehlschläge, bei denen er nahe am Ruin war. Auch Momente, in denen sein Privatleben in Scherben lag, spart er nicht aus. Sein Werdegang könnte ideal sein für eine Sendung wie „Promi Big Brother“.
Er schildert aber vor allem ein Leben randvoll mit Schlüsselmomenten, in denen er angeblich immer und immer wieder gelernt hat, was wichtig ist. Und das Wichtige ist scheinbar nur: Hart arbeiten, immer weitermachen. Was der Autor in viele Worte verpackt, hätte auf zehn Seiten gepasst. Es ist nicht so, als sagt er überhaupt nichts. Nur die Fallhöhe der Tipps ist oft sehr überschaubar.
Hätten Sie gewusst, dass in der Gastronomie das Personal ein riesiger Kostenfaktor ist? Und wussten Sie, dass der Arbeitgeber für diese Leute auch noch Sozialabgaben zahlen muss? Oder haben Sie geahnt, dass man bei der Steuer viel Geld verlieren kann, wenn man sich nicht auskennt? Halten Sie sich gut fest: Banken wollen einem Unternehmer nur Geld geben, wenn sie dafür Sicherheiten haben.
Wo ist denn bloß das ganze tolle Redo-Wissen?
Es sind Weisheiten dieser Art, die „Das Redo Buch“ ausbreitet. Auf diesem banalen Niveau bleibt das Buch häufig stehen. Es ist ein gewaltiger Wortschwall, in dem sich teils absolute Banalitäten ausbreiten. Denn über allgemeine – und im Prinzip korrekte – Grundaussagen kommt René Dost über weite Strecken nicht hinaus. Als Leser fühlt sich das an, als steckte man immer und immer wieder für Dutzende Seiten in der Einleitung zu einem echten Sachbuch fest. Wer das Gefühl hat, dieses Machwerk enthält wertvolles Wissen, sollte sich noch einmal überlegen, ob Selbstständigkeit wirklich das Richtige ist.
Eine kurze Frage an ChatGPT kann zu jedem Thema mehr Informationen bieten als „Das Redo Buch“. Im Grunde sagt das sogar das Gastronomie-Mastermind selbst gegen Ende seines Werkes.
Vielleicht hat sich René Dost mit seinen Ambitionen übernommen, könnte man denken. Vielleicht hätte er damit werben sollen, dass er einfach aus seinem Leben erzählt. Denn ehrlich gesagt hätte das super funktionieren können. Der Gesprächsstoff geht ihm nach all den Jahrzehnten mit seinen Restaurants, Cafés und Imbissen nicht aus. Sein ungewöhnlicher Weg ist fast von alleine interessant.
Doch der Autor wollte wohl etwas anderes. Die Erfolgsformel aus 40 Jahren Gastronomie-Erfahrung bietet er angeblich an. So erklärt es zumindest sein eigener Klappentext.
Was er stattdessen auftischt, ist ein Blick in seinen Alltag und in seine seltsame Gedankenwelt. An manchen Stellen muss man sich Sorgen um ihn machen.
René Dost verbreitet äußerst bedenkliche Botschaften
Was René Dost verkündet, macht sprachlos. „Gesundheit ist eine Entscheidung. Eine Haltung. Ein Mindset“, schreibt er. Man kann nicht nachdrücklich genug sagen, dass er diese Worte uneingeschränkt ernst meint. „Also wenn du mich fragst, warum ich nie krank bin? Weil ich gar nicht auf die Idee komme, krank zu sein. Weil mein Körper mir nicht vorschreibt, was ich tun kann – sondern mein Geist“, heißt es kurz darauf. Wie tief solche Glaubenssätze gehen, zeigt sich in noch viel wilderen Aussagen.
Der Autor hat irgendwann eine Erleuchtung gehabt, die scheinbar alles gelingen lässt. In seinen eigenen Worten klingt das so: „Ich fing klein an: Ich wünschte mir einen Parkplatz, wenn ich in die Stadt fuhr – und er war da. Ich hatte eine große Veranstaltung und es war Regen angesagt – aber ich wünschte mir Sonne. Und die Sonne kam. Das war der Moment, in dem ich erkannte: Das Universum hört zu.“
Schriftgröße: Bilderbuch. Auch so kann eine Publikation auf einen Umfang von mehr als 300 Seiten kommen.
Foto: TV/Robert Märländer
Selbst in Momenten, in denen er geerdete Dinge schreibt, kommt der verhängnisvolle Twist direkt hinterher. So warnt René Dost zwischendurch vor den vielen Süchten, die in der Gastronomie grassieren – Alkohol, Drogen, Zigaretten. Davon solle man sich fernhalten. Er habe schon gesehen, wie andere Menschen dadurch in Schwierigkeiten geraten seien. Wie aber zu erwarten war, ist die Sache bei ihm persönlich ganz anders. „Rauchen ist meine Sucht“, stellt er fest. „Aber ich bin diszipliniert genug, um damit umzugehen – ich steuere meine Sucht.“
Der Mann, der absolut alles kann
Er ist der Süchtige, der die Sucht kontrolliert. Er ist der Heiler, der seinem Körper die Krankheit verboten hat. Er ist der Mann, der die Sonne mit seiner Vorstellungskraft zum Scheinen bringt.
Beinahe wäre es an der Zeit für einen Chuck-Norris-Witz. Doch dafür ist die Angelegenheit zu ernst. Nichts deutet darauf hin, dass der heutige „Promi Big Brother“-Kandidat solche Gedanken als Scherz in sein Buch geschrieben hat.
Man kann froh sein, wenn er dann endlich wieder zu seinen Anekdoten über das Berufsleben zurückkehrt. Immerhin lässt sich darin erahnen, dass der erfolgreiche Gastronom doch sehr viel Kontakt zur Realität hat.
Das Buch zeichnet einen Mann, der außer der Arbeit keine Prioritäten in seinem Leben kennt. Zwar predigt der Autor, das Privatleben sei extrem wichtig. Doch er kennt dafür nur immer wieder einen einzigen Grund: Wer privat nicht runterkommt, kann auch in der Karriere nicht durchstarten. Für etwas anderes ist bei ihm kein Platz. Schließlich ist er 18 Stunden pro Tag „am Start“.
„Wenn ich mich mit meiner Freundin nicht mehr verstehe, sage ich einfach: ‚Du, das war’s‘“, schreibt er einmal. Was im Privatleben nicht passt, wird abgestoßen. Egal, worum es geht. Das gilt ausdrücklich auch für Menschen, angeblich ohne jede Reue.
Ein Buch, das nichts zu bieten hat
„Das Redo Buch“ ist als Ratgeber eine völlige Luftnummer. Es ist streckenweise eine schlimme Schwurbelei. In manchen Momenten ist es aber auch traurig, ohne dass René Dost es beabsichtigt hätte.
„Das Redo Buch“ kostet 19.90 Euro. Erhältlich ist es ausschließlich über den eigenen Onlineshop des Autors. Erschienen ist es im Reho-Verlag. Und ja, der Verlag heißt tatsächlich Reho und nicht Redo. Einen Hinweis darauf, wo ein solches Unternehmen tatsächlich existiert, liefert weder das Innere des Buches noch eine Recherche im Internet. Aber das ist wirklich die geringste Sorge bei diesem Stück Altpapier.