Puppen, Teddys, Kuscheltiere: Puppenkliniken sind nicht kaputtzukriegen

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Reparatur von Puppen und Teddybären Puppenkliniken sind nicht kaputtzukriegen

Teddybären und Puppen überleben oft ihre Besitzer, denn viele werden von Generation zu Generation weitergegeben. Tendenz steigend, sagen Betreiberinnen von Puppenkliniken. Statt Ex-und-hopp gilt hier: Die Liebe bleibt.

Eine mehr als 100 Jahre alte Puppe mit Porzellan-Kopf liegt in einer Puppenklinik auf dem Tisch

Puppe Mercedes ist mehr als 100 Jahre alt und braucht neue Gummizüge. In Ellens Puppenstube wird sie repariert. Bild © hessenschau.de

Mercedes ist in etwa Jahrgang 1915 und muss jetzt in die Klinik. Diagnose: Ihre Gummibänder sind über die Jahrzehnte ausgeleiert. Mercedes ist eine Puppe mit Porzellan-Kopf aus der französischen Jumeau-Manufaktur. Sie gehört Sieglinde Melchin, die mit ihren 90 Jahren kaum jünger als Mercedes ist.

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02:05 Min.|Veda Giesecke

Bild © hessenschau.de| zur Audio-Einzelseite

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1989 hat Melchin die Puppe für 4.000 D-Mark gekauft. Sie hat das Sammlerstück Mercedes getauft, weil es so teuer war, erzählt Melchin und lacht. Doch der sentimentale Wert für sie ist gar nicht zu beziffern.

Auf der Flucht aus Ostpreußen konnte Sieglinde Melchin ihre eigenen Puppen nicht mitnehmen. "Da fehlte mir etwas", erzählt sie. Als Erinnerung habe sie sich dann als Erwachsene Mercedes gekauft.

Eine ältere Frau sitzt vor einem Regal und schaut lächelnd zur Seite

Sieglinde Melchin ist mit ihren 90 Jahren immer noch Puppenmutti. Ihre Puppe Mercedes erinnert sie an die Puppen ihrer Kindheit, die sie damals auf der Flucht verloren hatte. Bild © hessenschau.de

Ellen Hinz ist Anlaufstelle für Nordhessens Puppenmütter

Diese Erinnerung trägt Melchin nun in Ellens Puppenstube in Frielendorf (Schwalm-Eder-Kreis). Die Puppen- und Bärenklinik von Ellen Hinz ist in Nordhessen seit 35 Jahren erste Anlaufstelle für ältere und jüngere Puppenmuttis gleichermaßen. Sechs Tage die Woche hat Hinz jeweils zwei Stunden am Vormittag geöffnet.

Meist kommen Kinder mit kaputten Stofftieren, seltener kommen Erwachsene mit wertvollen Sammlerstücken. Puppen-Sammlerin ist auch Hinz selbst. Anfang der Neunziger Jahre fing sie damit an: "Da früher die kaputten Puppen günstiger waren als die heilen, habe ich oft kaputte Puppen gekauft und die mir selber repariert. So hat das alles angefangen."

Puppenklinik-Chefin Ellen Hinz in ihrer Reparaturwerkstatt in Frielendorf

Puppenklinik-Chefin Ellen Hinz in ihrer Reparaturwerkstatt in Frielendorf Bild © hessenschau.de

Geringer Umsatz, hoher sentimentaler Wert

Zwischen 30 und 50 Patienten behandelt Hinz im Jahr. Mit 27 Euro wird die Rechnung für Mercedes recht hoch ausfallen. Neue Augen für einen Teddy kosten um die 10 Euro; Arbeitszeit berechnet sie meist nicht: "Sonst wären die Reparaturen unverhältnismäßig teuer."

Der Bedarf ist jedoch groß, denn mit Puppen und Plüsch gehen Menschen offenbar besonders sorgsam um. 2025 wurden in Deutschland rund 180 Millionen Euro Umsatz mit neuen Puppen und Plüschtieren gemacht. Das sind nicht einmal fünf Prozent der 4,5 Milliarden Euro, die insgesamt für Spielwaren ausgegeben werden.

Nachhaltigkeit scheint bei Kuschel-Spielzeug eine besonders große Rolle zu spielen, möglicherweise auch wegen des hohen sentimentalen Werts.

Ersatzteile und Know-how übernommen

Neben Frielendorf gibt es weitere Puppenkliniken in Hessen, und die halten sich teilweise schon seit Jahrzehnten: in Frankfurt, Friedberg oder Gelnhausen etwa.

Gabriele Riexinger hat ihr Geschäft 1991 in Hungen-Rodheim bei Gießen eröffnet, als die Puppenklinik in Wetzlar schließen musste. Sie übernahm kistenweise Ersatzteile sowie wichtige Lieferantenadressen und viel Know-how.

Puppen und Ersatzteile in Gabi Riexingers Puppenklinik in Hungen-Rodheim bei Gießen

Puppen und Ersatzteile in Gabi Riexingers Puppenklinik in Hungen-Rodheim bei Gießen Bild © Privat

In den Sommermonaten hat Riexinger im Wechsel zwei- oder dreimal die Woche geöffnet, für jeweils fünf Stunden. "Die Puppenklinik läuft sehr gut, ich bin zufrieden," sagt sie und beobachtet, dass immer mehr Mütter ihre alten Puppen an die Kinder weitergeben. "Das hat es vor zehn Jahren noch nicht gegeben."

Puppen und Teddybären werden immer älter

Leben können beide "Klinikbetreiberinnen" allerdings nicht von ihrer Kunst. Gabriele Riexinger betreibt in ihrer "Klinik" auch ein Café und bietet selbstgebackenen Kuchen an, Ellen Hinz verkauft zusätzlich im Internet und macht den Großteil ihres Umsatzes dort.

Dennoch liegt Hinz die Puppen-Reparatur am Herzen: "Mir macht das Reparieren Spaß und ich freue mich, wenn die Kunden zufrieden sind," sagt sie. Die Puppen-Doktorin empfiehlt: "Nicht immer schnell was Neues kaufen. Vieles lässt sich reparieren. Nicht alles, aber vieles."