Puppentheater löst toxische Männlichkeit: Problematische Männer werden zu Weltraummüll

In der Schaubude fragt das Puppenensemble Lovefuckers nach dem Umgang mit toxischer Männlichkeit. Die Lösung? Ein Wettbewerb, bei dem die Gewinner ins All geschossen werden.

Drei Frauen stehen um eine Puppe herum, die einen Astronautenhelm trägt. Die zwei Frauen links und rechts von ihr drücken einen Kuss auf den Helm, die dritte Frau schaut lächelnd in die Kamera.
Das Ensemble „Lovefuckers“ sucht in „Galaxy Men“ mit Puppenspiel nach einer schnellen, effektiven Lösung für toxische Männlichkeit

Foto: Dorit Günter

Ann Toma-Toader

Die Männer müssen weg, da ist sich der Rat der hohen Tiere im Universum sicher. Die hohen Tiere, das sind Papagei, Hai, Wolf und drei Babys, allesamt Handpuppen im Theaterstück „Galaxy Men“ an der Schaubude Berlin, schauen auf die aktuelle Weltlage runter und müssen nicht lange überlegen. Schon klar, nicht alle Männer sind schuld am sich anbahnenden Weltuntergang, aber immerhin ist die eindeutige Mehrheit der Regierungsoberhäupter Männer, und sie führen die meisten Kriege und Konflikte an.

Wie kann man sich also um dieses doch so eindeutige Problem kümmern? Am besten – so erscheint es dem Rat – sollten die toxischen Männer ins All geschossen werden, wo sie einen langen, einsamen und qualvollen Tod sterben. Einfacher gesagt jedoch als getan, denn solche Männer tun nicht so gern, was man ihnen sagt; dann kommt den hohen Tieren die zündende Idee: Ein Wettbewerb muss her, bei dem sich zeigen soll, wer der Beste ist im Toxisch-männlich-Sein. Schließlich lieben Männer es, der Beste bei etwas zu sein, egal worum es sich dabei handelt.

Gespielt werden die Puppen vom Ensemble „Lovefuckers“, bestehend aus Anna Menzel, Ivana Sajević und Annemie Twardawa. Die drei sind auch auf einer Videoprojektion in jeder Umbauphase zu sehen; ein KI-generiertes Video zeigt sie immer wieder in hautengen Ganzkörperanzügen in Metallic-Optik, wie sie von Yachten ins Wasser springen, Hochhäuser erklimmen, durch Wüsten stolzieren und aus Hubschraubern springen.

Menzel, Sajević und Twardawa spielen auch die Moderatorinnen des Wettbewerbs, der wie eine Fernsehsendung gestaltet wird, komplett mit KI-generiertem Logo und KI-generierten Zwischentiteln. Das Stück gliedert sich in die Suche nach geeigneten Kandidaten und den eigentlichen Wettbewerb, der aus zwei Herausforderungen besteht: einem Parcours und einem Persönlichkeitstest. Der Wettbewerb punktet zwar durch humorvollen Dialog, verliert sich jedoch in der Repetition des immer gleichen Ausgangs und tendiert dazu, sich so in die Länge zu ziehen.

Auch die unproblematischen Männer finden einen Platz

Zwei Tanz- und Gesangeinlagen von Menzel, Sajević und Twardawa als Puppen-Boyband „Fake That“, mit ihrem Lied „Incel“, überzeugen mit präzise abgestimmter und dynamischer Choreografie. Dafür haben sie sich ab der Hüfte ihre Puppen umgeschnallt, sodass sie hinter den oberkörperfreien Boyband-Sängern verschwinden und es aussieht, als ob die Puppen Menschen wären, die von alleine geschmeidig zur Musik tanzen.

Als ob die Puppen Menschen wären, die von alleine geschmeidig zur Musik tanzen

Um die Kandidaten kennenzulernen, bekommt das Publikum durch kleine Szenen Einblicke in deren alltägliches Leben. Da gibt es zum Beispiel den kleinen Moe, der einsam und ziellos am Handy Looksmaxxing-Videos schaut, bis ihn Andrew Great, angelehnt an den rechten Manosphere-Influencer Andrew Tate, davon überzeugt, dass er nur genug Klimmzüge machen müsse, dann klappe das auch „mit den Bitches“.

Prince Andrew und seine Adelsfreunde gehen im Wald vom Aussterben bedrohtes Wild jagen und freuen sich darüber, dass der Adel sein Erbe nur über die männliche Linie erhalten kann. Drei Ken-Puppen lassen sich ihren lasziven Lifestyle von „Daddy“ finanzieren und verstecken ihre Queerness, aus Angst, enterbt zu werden. Alle Puppen sind nackt, ihre Körper lang, rund oder übertrieben durchtrainiert dargestellt.

Auch die unproblematischen Männer finden einen Platz. Als Nachzügler nimmt Berti am Wettbewerb teil; er arbeitet in der Reinigung für die Show und scheint am ganzen Macho-Gehabe nicht interessiert zu sein. Zum Glück verliert er und muss nicht ins All geschossen werden. Zusammen mit Moe bleibt er auf der Erde übrig. „Schöne Aussicht“, sagt Berti zum Abschluss und der Rat antwortet „Ja, schöne Aussichten.“

Mehr zum Thema

Eine Person hält ein Buch in den Händen

Reaktionen zum Literaturnobelpreis

„So schön gelenkig“

Die kanadische Lyrikerin Anne Carson gewinnt den Nobelpreis in Literatur. Auf der Frankfurter Buchmesse findet ihre Übersetzerin Marie Luise Knott lobende Worte für sie.

Von Marlene Thaler

Szenenbild einer Familie Flöz-Aufführung 2021

Auf St. Pauli tanzen die Puppen

„Lachen ist ein guter Türöffner“

Das Figurentheater „Familie Flöz“ ist eine Berliner Institution. Hajo Schüler, künstlerischer Leiter, über das erste Stück auf St. Pauli: „Wunder“.

Interview von Katrin Ullmann

Dieses von Red Bull zur Verfügung gestellte Foto zeigt Arda Saatçi bei seinem Lauf

Eine andere Form von Männlichkeit

Vielleicht brauchen junge Männer genau diese Geschichte

Kolumne Hamburger, aber halal von Hussam Al Zaher

Extremsportler Arda Saatçi wird nicht als „junger migrantischer Mann“, sondern als Deutscher wahrgenommen. Klingt banal, ist aber bemerkenswert.

Zu sehen sind vier Ausgaben der taz FUTURZWEI sowie eine aufgeschlagene Ausgabe mit einem Foto von Güner Balci. Zudem die Aboprämie "Was wäre, wenn wir mutig sind?" von Luisa Neubauer

taz FUTURZWEI im Abo entdecken

Endlich mal ein Magazin für Zukunft

taz FUTURZWEI ist unser Magazin für eine bessere Zukunft. Das Abo bietet jährlich vier Ausgaben für nur 38 Euro. Zudem erhalten Sie eine Ausgabe von Luisa Neubauers neuestem Buch „Was wäre, wenn wir mutig sind?“ (solange Vorrat reicht).

  • Jedes Quartal neu in Ihrem Briefkasten
  • Nur 38 Euro im Jahr
  • Als Prämie Luisa Neubauers „Was wäre, wenn wir mutig sind?“
  • Herausgegeben von Harald Welzer

Jetzt abonnieren

0 Kommentare