Kasparow warnt vor Eskalation an der NATO-Grenze: „Mindestens 50 Prozent Wahrscheinlichkeit“

Stand: 04.09.2026, 18:30 Uhr

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Kasparow warnt im Interview vor russischen Übergriffen und wirft dem Westen Feigheit vor.

Moskau – Der frühere Schachweltmeister und Kreml-Kritiker Garri Kasparow warnt in einem Interview vor einer möglichen direkten Eskalation Russlands an der NATO‑Grenze. Besonders Estland und Lettland könnten aus seiner Sicht betroffen sein. Zugleich fordert er eine deutlich härtere Abschreckung des Westens – bis hin zu amerikanischen Raketen mit Atomsprengköpfen an Polens Grenze.

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Die Gefahr eines russischen Grenzübertritts sei inzwischen real, sagte Kasparow in einem Anfang der Woche veröffentlichten Interview mit dem Exilmedium Forum Freies Russland. „Das Risiko einer militärischen Konfrontation, selbst wenn sie begrenzt bleibt, ist real“, erklärte er.

„Mindestens 50 % Wahrscheinlichkeit“: Putin-Kritiker warnt vor Eskalation an der NATO-Grenze

Kasparow warnt im Interview vor russischen Übergriffen und wirft dem Westen Feigheit vor. © © IMAGO / ZUMA Press Wire / Archivbild

Noch vor einem Jahr seien solche Warnungen kaum ernst genommen worden. Inzwischen sei das Thema dagegen „Mainstream“. Kasparow verwies auf Diskussionen in den USA und Europa. Auch in Deutschland werde das Szenario seiner Darstellung nach intensiv besprochen.

Kasparow sieht Risiko einer begrenzten Konfrontation

Die Wahrscheinlichkeit eines solchen „kritischen Eskalationssprungs“ werde inzwischen auf „mindestens 50 Prozent“ geschätzt. Eine konkrete Quelle für diese Zahl nannte er im Interview nicht. Er verwies auf private Gespräche und Medienberichte. Als mögliches Warnsignal wertete Kasparow auch die Reise von CIA-Direktor John Ratcliffe nach Moskau.

Ratcliffe war Ende August in die russische Hauptstadt gereist und hatte auf dem Rückweg in Riga Station gemacht. Dieser Zwischenstopp habe seiner Einschätzung nach mit den Gesprächen in Moskau zusammengehangen. Kasparow hielt es für möglich, dass Washington habe ausloten wollen, wie weit Präsident Wladimir Putin gehen werde.

Zweifel an westlicher Abschreckung

Kasparow kritisierte auch, dass die NATO bislang nicht Artikel 4 genutzt habe, der Beratungen bei einer Bedrohung eines Mitgliedstaats vorsieht. „Artikel 4 der NATO hätte schon längst angewendet werden können“, sagte er und nannte das Ausbleiben eines solchen Schritts „politische Feigheit“.

Daraus leitete Kasparow seine Forderung nach wesentlich stärkerem militärischen Druck ab. Politische Gespräche mit Moskau hätten aus seiner Sicht nur dann Gewicht, wenn Russland mit einer glaubhaften militärischen Drohkulisse konfrontiert werde.

„Dann kann man reden“

Dabei brachte Kasparow ausdrücklich Atomwaffen ins Spiel. „Amerikanische Raketen mit Atomsprengköpfen an der polnischen Grenze. Dann kann man reden“, sagte er. Erst unter solchen Bedingungen beginne für ihn ein ernsthafter politischer Dialog.

Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit

Der russische Präsident Wladimir Putin. © Kristina Solovyova/AP/dpa

Seine Prognose fiel entsprechend deutlich aus: „Alles, was wir darüber wissen, was derzeit in Russland geschieht, deutet darauf hin, dass die Eskalation unvermeidlich ist.“ Russland sei vollständig auf Kriegskurs umgeschwenkt. Putin werde nach Kasparows Einschätzung keine Zugeständnisse machen.

Kasparow – vom Schachweltmeister zum Oppositionellen

Kasparow war von 1985 bis 2000 Schachweltmeister und zählt heute zu den prominentesten Kritikern von Russlands Präsident Wladimir Putin. Nach seinem Rückzug vom Profischach 2005 engagierte er sich zunehmend politisch und lebt seit 2013 im Ausland, unter anderem in New York.

2024 setzte Russland ihn auf die Liste der „Terroristen und Extremisten“. Kasparow fordert seit Jahren einen harten Kurs gegen den Kreml und eine weitreichende Unterstützung der Ukraine. Quellen: Forum Freies Russland, nif/red.