Putin verfolgt neue Strategie: Ukraine soll im Winter durch Dohnenoffensive zu Fall gebracht werden
Putin verfolgt neue Strategie: Ukraine soll noch diesen Winter fallen
Stand: 29.09.2026, 13:53 Uhr
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Kremlchef Wladimir Putin will die Ukraine bis zum Frühjahr 2027 zur Kapitulation zwingen. Deshalb ändert er seine bisherige Strategie im Krieg.
Moskau – Kremlchef Wladimir Putin verfolgt im Ukraine-Krieg offenbar einen neuen Plan: Da die Bodenoffensive stagniert, will Russland das Nachbarland nun durch massive Fernschläge bis Frühjahr 2027 zur Kapitulation zwingen. Das geht aus einer Analyse des US‑amerikanischen Instituts für Kriegsstudien (ISW) hervor.

Die neue Strategie ist ein stilles Eingeständnis: Russland hat in den vergangenen Monaten kaum Geländegewinne erzielt, wie auch die einflussreichen Militärblogger des Landes inzwischen unumwunden einräumen. So sprach der kremlnahe Telegram-Kanal Rybar am 27. September davon, dass die Ukraine-Front „statisch“ sei.
Putin setzt im Ukraine-Krieg verstärkt auf den Luftkampf
Stattdessen setzt Putin nun auf eine Eskalation aus der Luft. Seit Ende April 2026 intensiviert Russland den Einsatz strahlgetriebener Drohnen massiv. Von Juni bis August verachtfachte sich ihr Einsatz. Insgesamt hat Russland laut Euromaidan Press seitdem rund 7700 solcher Drohnen abgefeuert. Allein in der vergangenen Woche setzte Russland dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zufolge mehr als 2200 Langstreckendrohnen, 1650 Gleitbomben und 38 Raketen ein. Selenskyj bezifferte Russlands geplante Investitionen in die Drohnenproduktion dabei auf 12 Milliarden US-Dollar.
Die Strategie hat nach ISW-Angaben ein klares Ziel und einen klaren Zeitrahmen: Zum einen setzt er darauf, dass die Ukraine die strahlgetriebenen Drohnen aus Russland nicht abfangen kann; zum anderen rechnet er mit einem Mangel an Patriot-Abfangraketen im kommenden Winter. Zudem geht er davon aus, dass Energieversorgung und kritische Infrastruktur der Ukraine unter dem Dauerbeschuss zusammenbrechen. So erklärte Putin erst am 25. September, dass die Ukraine Russlands „Vergeltungsschläge“ „spüren“ müsse. Das ISW wertet dies als Signal für eine weitere Eskalation im Winter.
Gegenmaßnahmen im Ukraine-Krieg: Abfangdrohnen und „Freyja“-System gegen Putins Luftkampf
Die Ukraine bleibt unterdessen nicht untätig. So gab Selenskyj am 26. September bekannt, dass die ukrainische Luftverteidigung 55 Prozent der strahlgetriebenen Shahed-Drohnen abgeschossen habe. Von mehr als 2730 dieser Drohnen, die Russland im September 2026 abgefeuert hatte, wurden demnach mehr als 1500 abgefangen oder neutralisiert. Einen Tag später erklärte Kyrylo Budanov, Chef des ukrainischen Präsidialamtes, die Ukraine teste Prototypen von Abfangdrohnen bereits im Kampfeinsatz. Der Masseneinsatz von Drohnen, die russische Geran-Drohnen abschießen können, könnte in wenigen Monaten beginnen. Ob das Programm schnell genug skaliert werden kann, um Russlands Winterkampagne zu stören, bleibt jedoch offen.
Parallel dazu kündigte Selenskyj ein europäisches Anti-Raketen-System namens „Freyja“ an. Das System könnte innerhalb von zwölf Monaten einsatzbereit sein. Selenskyj warnte, die globale Bedrohung durch ballistische Raketen werde durch die militärische Zusammenarbeit zwischen Russland, Iran und Nordkorea weiter zunehmen. Russland ziele mit Raketenangriffen auf ukrainische Städte darauf ab, die Bevölkerung zu zermürben und die Verteidigungsfähigkeit des Landes zu zerstören.
Wie schlimm wird der kommende Winter in der Ukraine?
Tatsächlich macht sich die Furcht vor dem Winter auch auf den Straßen von Kiew bemerkbar. Im vergangenen Januar zerschoss Russland die Kiewer Energieversorgung. Hunderttausende Menschen saßen wochenlang bei strengem Frost fast im Dunkeln und froren. Die Stadtverwaltung meldet, das Heizsystem sei bereit. Kleine dezentrale Kraftwerke seien gebaut worden. Dieses Mal könnte es noch schlimmer kommen: Treffer auf Kraft- und Umspannwerke, kaum Möglichkeiten der Abwehr, dazu Probleme bei Benzin, Wasser, Lebensmitteln, Medikamenten? Vor einem „verheerenden Kriegswinter“ für die Zivilbevölkerung warnen auch Hilfswerke wie die deutsche Diakonie.
„Ich mag gar nicht darüber nachdenken“, zitierte die Deutsche Presse-Agentur zuletzt eine Händlerin auf dem Bücherbasar Petriwka. Zuversicht gibt ihr nur, dass sie und ihre ukrainischen Landsleute an Härten gewöhnt seien und improvisieren könnten. „Hier ist es eigentlich noch nie gut gewesen.“ Aufgeben will sie nicht, sehnt sich aber nach einem Ende des Krieges: „Es wäre gut, wenn die da oben sich schnell etwas einfallen lassen.“ (Quellen: ISW, Euromaidan Press, dpa) (cs)