Russland: Putins Partei gewinnt Duma-Wahl – Experte warnt vor Folgen für Ukraine-Krieg
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Wie erwartet ist die Partei von Präsident Wladimir Putin nach ersten Teilergebnissen als klare Siegerin aus der russischen Parlamentswahl hervorgegangen. Nach Auszählung von gut 90 Prozent der Stimmen kommt die Regierungspartei Geeintes Russland demnach auf 57,86 Prozent, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf die Wahlleitung meldete. Die ebenfalls kremltreue Kommunistische Partei liegt bei rund 14 Prozent, die nationalistische LDPR bei 8,9 Prozent.
Die bei liberalen Großstädtern populäre Partei Nowyje Ljudi (auf Deutsch: Neue Leute) erreichte demnach 7,94 Prozent. Die Partei Gerechtes Russland scheiterte laut den nicht endgültigen Ergebnissen knapp an der Fünf-Prozent-Hürde, nachdem sie am Abend und in der Nacht noch darüber gelegen hatte (4,95 Prozent). Bisher gehörte sie zu den fünf Parteien in der Duma.
Regierende Partei kann Zahl ihrer Sitze in der Duma ausbauen
Bei der vorherigen Wahl hatten die Kommunisten laut Wahlkommission 18,9 Prozent der Stimmen geholt, die LDPR 7,5 Prozent, Gerechtes Russland 7,4 Prozent und Nowyje Ljudi 5,3 Prozent.
Laut Daten der zentralen Wahlkommission in Moskau kommt die seit mehr als 20 Jahren regierende Partei wohl auf mindestens 338 Mandate – gut ein Dutzend Sitze mehr als bisher, wie die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete. Wahlleiterin Ella Pamfilowa will am Vormittag das vorläufige Endergebnis verkünden. Nach bisherigem Stand sind in der Duma nur noch vier - und nicht mehr fünf Parteien vertreten.
Putins Partei siegt erneut – Opposition bleibt von Wahl ausgeschlossen
Prognosen hatten die seit mehr als 20 Jahren regierende Partei Putins bei unter 50 Prozent gesehen. Bei der Duma-Abstimmung 2021 waren ihr von der zentralen Wahlkommission 49,8 Prozent der Stimmen zugesprochen worden. Putin dürfte die Wahl, zu der nur linientreue Parteien zugelassen wurden, als klares Signal für die Fortsetzung der Vollinvasion in der Ukraine werten.
Seit 2003 hat Putins Partei alle Parlamentswahlen gewonnen, neben ihr waren stets nur andere Kreml-treue Parteien zur Wahl zugelassen. Die Anti-Kriegspartei Jabloko war im vergangenen Monat von dem Urnengang ausgeschlossen worden.
Kremlgegner bezeichneten die Abstimmung als Farce. Unabhängige Experten, die Opposition im Exil und selbst die kremlnahen Kommunisten unter ihrem Chef Gennadi Sjuganow warfen der russischen Wahlleitung vor, die Ergebnisse zu fälschen. Wegen des Ausschlusses einer echten Opposition und fehlender Presse- und Meinungsfreiheit wurden die Wahlen – wie schon jene in früheren Jahren – als weder demokratisch noch fair kritisiert.

Eine Wählerin hält ihren Stimmzettel vor der Stimmabgabe bei den Parlamentswahlen in der Hand. © Uncredited/AP/dpa | Uncredited
Alle Parteien unterstützen Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine
Alle Parteien sind linientreu und unterstützen den Krieg von Kremlchef Wladimir Putin gegen die Ukraine. Die Anti-Kriegspartei Jabloko und andere Oppositionskräfte waren nicht zugelassen. Für die Regierungspartei ziehen nun auch Kriegsveteranen in das Parlament ein. Trotz einer massiven Wirtschaftskrise, Kriegsmüdigkeit und Unzufriedenheit der Menschen mit der Lage im Land erreichte die Wahlbeteiligung den höchsten Wert seit 15 Jahren – mit mehr als 56 Prozent.
Die Wahlleitung will an diesem Montag um 11 Uhr Ortszeit (10.00 Uhr MESZ) das vorläufige Endergebnis bekanntgeben. Aufgerufen waren von Freitag bis Sonntag mehr als 110 Millionen Russinnen und Russen zur Wahl der Abgeordneten für die neue Staatsduma in Moskau.
Medwedew feiert Wahlsieg: Kommt jetzt die große Mobilmachung?
In Moskau feierte der Chef der Kremlpartei, Ex-Präsident Dmitri Medwedew, das Ergebnis als großen Erfolg. Der Gegner habe versucht, die Wahlen zu sabotieren, sei aber gescheitert, sagte er mit Blick darauf, dass die Wahlleitung Cyberattacken auf die Online-Stimmabgabe gemeldet hatte und es auch am Wahlwochenende ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ziele mit Toten und Verletzten gab.
Letztlich hätten die Attacken die Menschen nur zusätzlich angespornt, ihre Stimme auch unter schwierigen Umständen abzugeben, sagte Medwedew. „Das ist das wohl wichtigste Ergebnis“, sagte Putins Gefolgsmann, der auch Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates ist.
Nun könne die Regierungspartei „die komplexesten und dringendsten Entscheidungen umsetzen“, sagte Medwedew. Details nannte er nicht. Seit Monaten wird über eine neue Mobilmachung in Russland spekuliert. Medwedew und Putin hatten solche Befürchtungen kategorisch zurückgewiesen.
Experte: Neues Parlament wird „Duma des Krieges“
Der kremlkritische Politologe Alexander Morosow meint, dass Putin sich mit der Wahl in Krisenzeiten als „Anführer einer Kriegsbürokratie“ behaupte. Er erwartet, dass die Repressionen in Russland zunehmen werden – und Putin das Ergebnis auch als Legitimation werten dürfte, um bei der Präsidentenwahl 2030 wieder anzutreten. Dafür müsse der Präsident aber vorher einen Sieg im Krieg gegen die Ukraine vorweisen können, meint der Experte.
Das neue Parlament sei eine „Staatsduma des Krieges“, gar „eine blutrünstige Duma“, sagte Morosow. „Der Kreml formiert nun eine Duma zur endgültigen Zerstörung der Ukraine.“ Bisher habe das Parlament etwa ein Fünftel an Hardlinern gehabt, „die schlimmsten Gegner der Ukraine und des Westens“ – künftig machten Kriegstreiber die Hälfte aus. Dabei sei für die Russen eigentlich wichtig, dass der Krieg ende, ihre Lebensumstände nicht noch schlechter würden und auch Institutionen wie etwa Banken weiter zuverlässig arbeiteten.
Die von der Wahl ausgeschlossene Antikriegspartei Jabloko wie auch die Oppositionellen vom Team des im Straflager zu Tode gequälten Putin-Gegners Alexej Nawalny beklagten, dass den vielen Russen, die Friedensverhandlungen mit der Ukraine befürworten, die Stimmen gestohlen worden seien. „Ganz gleich, wie sehr die Wahlen manipuliert werden – wir wissen: Es gibt sehr viele Russen, die gegen den Krieg sind und sich gegen Putin und seine Partei aussprechen“, teilte das Nawalny-Team mit.
pcl/dpa/afp