Q&A Lithium - «Gibt es bei einer langfristigen Einnahme von Lithium Gefahren?»
Die nachfolgenden Aussagen und Empfehlungen ersetzen nicht die individuelle Abklärung oder Diagnose bei Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Chat-Protokoll
Ich kenne jemanden, der schon fast 20 Jahre Lithium wegen rezidivierenden Depressionen einnimmt. Gibt es bei einer so langfristigen Einnahme Gefahren?
Gregor Hasler: Lithium kann grundsätzlich lebenslang eingenommen werden. Regelmässige Blutuntersuchungen, etwa zur Nierenfunktion, helfen, mögliche schwere Nebenwirkungen früh zu erkennen und zu behandeln. Die Dosis ist ganz entscheidend. Fast alle schweren Nebenwirkungen sind eine Folge von Überdosierungen. Im Alter braucht es immer weniger Lithium, weil die Nieren weniger schnell arbeiten. Wenn jemand also bis ins hohe Alter im die gleiche Dosis nimmt, muss man sich fragen, ob die Kontrollen regelmässig durchgeführt werden und der behandelnde Arzt entsprechend die Dosis anpasst.
Wofür ist Lithium wirklich gut und warum schweigt die Medizinwelt darüber?
Gregor Hasler: Die Medizinwelt schweigt darüber nicht, es gibt sehr viele gute Publikationen zu Lithium. Die Behandlungsempfehlung richtet sich aber nicht nach den Studien an Tieren und Zell-Modellen, sondern an randomisierten, kontrollierten Studien am Menschen. Diese zeigen eine sehr gute Wirksamkeit bei schwerer Depression und der bipolaren Störung (auch nicht 100 Prozent!). Aber als Einnahme von Gesunden als Prävention von Hirn-Krankheiten sind die Studien eher negativ, das heisst keine klare Wirksamkeit. Vieles ist im Tiermodell sehr wirksam und plausibel, und doch beim Menschen nicht wirksam. Das ist immer eine grosse Enttäuschung, gerade auch für uns Ärzte!
Gibt es gesundheitliche Risiken wenn man Lithium bereits in jungen Jahren täglich einnimmt? Wie hoch ist die empfohlene Tagesdosis?
Gregor Hasler: Alles hängt von der Dosis ab. Aber ja, Lithium hat Nebenwirkungen (Niere, Schilddrüse etc.) und die Therapie mit therapeutischen Dosen rechtfertigt sich nur, weil man damit eine schwere psychiatrische Krankheit behandelt.
Ich habe einen tiefen Lithiumwert ( 0.1 mmol/l ) im Laborbefund. Wie aussagekräftig ist das ? Muss das therapiert werden ?
Eva-Maria Pichler: Für die Einordnung ist entscheidend, in welchem Zusammenhang der Wert gemessen wurde. Falls Sie Lithium als Medikament einnehmen, läge 0.1 mmol/l deutlich unter dem Bereich, in dem Lithium wirkt, das liegt etwa zwischen 0.6 und 1.0 mmol/l. Dann gehört der Wert unbedingt mit Ihrer behandelnden Ärztin besprochen, denn er würde bedeuten, dass die Behandlung so nicht schützt. Falls der Wert dagegen ohne Lithiumtherapie bestimmt wurde, etwa im Rahmen einer Mineralstoffanalyse: Es gibt keinen definierten Normbereich für Lithium im Blut und keinen anerkannten Lithiummangel. Solche Werte lassen sich derzeit nicht sinnvoll interpretieren und begründen keine Behandlung.
guten abend, wie kann ich eine gesunde dosis als prävention gegen demenz einnehmen? mit mineralwasser? welche empfehlen sie? viele grüsse
Anton Gietl: Danke für Ihre Frage. Aktuell gibt es keine gesicherte Dosis für die Prävention, da es noch keine gesicherten Daten zur Wirksamkeit und Verträglichkeit beim Menschen gibt. Ich würde aber davon ausgehen, dass sofern man nicht schwanger ist, das Trinken von lithiumhaltigen Mineralwasser nicht bedenklich ist.
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Lithium wird ja in kleinen Dosen für ademenzprophylaxe und bei Long Covid genutzt. Können Sie etwas zur unterschiedlichen Wirkungsweise bei Mikro- bzw Normaldosierung sagen? Danke.
Gregor Hasler: Bei Demenz-Prophylaxe spricht man aktuell nicht von «Normaldosis», womit Sie vermutlich die Dosis bei Bipolaren Störungen und schweren Depressionen meinen. Bei einer Prävention kommen nur tiefe Dosen in Frage. Alle Lithium-Medikamente, die es in der Schweiz gibt, sind Hoch-Dosen. Man muss also ein Supplement aus dem Ausland bestellen. Und dann weiss man nie genau, was drin ist.
Ich (Jg 1972,w) nehme seit 8 Wochen zur Behandlung einer bipolaren Störung Lithium. Mein Psychiater will nicht so richtig über Nebenwirkungen sprechen. Ich frage mich, ob ich mir bezüglich Spätschäden (welche?) tatsächlich keine Sorge machen muss.
Eva-Maria Pichler: Ihre Frage ist berechtigt, und Sie dürfen sie stellen. Lithium kann bei langjähriger Einnahme die Nierenfunktion beeinträchtigen, eine Unterfunktion der Schilddrüse auslösen und über die Nebenschilddrüse den Kalziumspiegel erhöhen. Deshalb gehören zur Lithiumbehandlung regelmässige Kontrollen von Lithiumspiegel, Nierenwerten, TSH und Kalzium. Diese Veränderungen zeigen sich in den Laborwerten, bevor Beschwerden entstehen, und lassen sich dann meist gut auffangen. Nach acht Wochen ist der richtige Zeitpunkt, sich den Kontrollplan zeigen zu lassen: welche Werte wann, und wie die bisherigen ausgefallen sind. Wichtig zu wissen ist auch, dass Flüssigkeitsmangel und gewisse Medikamente, etwa Entzündungshemmer oder Blutdruckmittel, den Lithiumspiegel beeinflussen können. Wenn Sie das Gefühl haben, mit Ihren Fragen nicht durchzudringen, sagen Sie das beim nächsten Termin direkt so. Nebenwirkungen offen zu besprechen gehört zur Behandlung.
Bitte um Anonymität. Ich nehme Lithium zur behandlung meiner Bipolaren Störung. Klärt die Leute doch auch über dieses Einsatzgebiet von Litium auf.
Gregor Hasler: Gute Idee. Eine Sendung zu Bipolaren Störungen würde ich sehr begrüssen.
Fragen zu Verwendung und möglichem Nutzen von Lithium Orotat, 0,05% wässrige Lösung: Laut gesetzlicher Angabe gemäss Verpackung ist diese nicht für die innere Einnahme zu verwenden. Stimmen Sie dem zu? Was kann für demente Person dann angewendet werden und in welcher Dosierung? Wie beurteilen Sie den Nutzen der Einnahme von Lithium bei schon vorhandener Demenz bzw. zur Vorbeugung?
Anton Gietl: Es gibt stand meines Wissens, bis anhin keine klare Datenlage zur Prävention von Demenz oder zum Nutzen bei schon vorhandener Demenz von Lithiumorotat. Lithium ist in der Schweiz generell nicht als Nahrungsergänzung zugelassen.
Guten Tag. Ich nehme seit 2008 Lithiumsalze, Quillonorm, eine halbe Tablette pro Tag. Bei mir ist die Reaktion trotz der sehr geringen Dosis sehr stark. Meine Frage ist: Wie viele Jahre kann man diese Lithiumsalze einnehmen, ohne dass die Nieren geschädigt werden? Gibt es ein anderes Medikament mit einer ähnlichen Wirkung, das die Nieren nicht beeinträchtigt? Wie sieht die Zukunft aus?
Michael Arand: Guten Abend, Bei der richtigen Einstellung, die individuell vorghenommen werden sollte, ist das Nutzen-Schaden-Verhältnis von Lithium klar sehr positiv. Wird bei Ihnen der Blutspiegel gelegentlich kontrolliert? Ideal wäre etwas unter 1 mmol. Bis zu dieser Konzentration sind Nierenprobleme unwahrscheinlich, aber nicht ganz ausschliessbar. Eine gelegentliche Nierenfunktionsprüfung wäre ebenfalls hilfreich. Zu Ihrer weiteren Frage: einen einfachen Ersatz für Lithium, bei dem der Mechanismus, über den es die klar dokumentierte Wirkung entfaltet, nicht eindeutig bekannt ist, gibt es nicht, da andere Antidepressiva andere Wirkqualitäten haben. Eine aktuelle Neuentwicklung auf dem Gebiet der Antidepressiva ist der Einsatz von Psychedelika, der allerdings kontrovers diskutiert wird.
Guten Tag Ich bin überzeugt, dass Lithium in kleinen Dosen bis 5mg gegen Vergesslichkeit hilft. Ich war letztes Jahr am Anschlag durch Stress auf der Arbeit. Dann kam Vergesslichkeit hinzu, was zusätzlich ständig zu Kritik führte und die Spirale weiter anheizte. Ich habe meinen Arzt gefragt, ob er mir ein Rezept für Lithium Orothat ausstellen würde, das ich (Laborant) zuhause selbst verdünnen würde. Fehlanzeige, es würde die Indikation fehlen. Ich habe dann in einer Apotheke Lithiumsulfat Lösung erhalten. Ich habe das in kleinen Mengen eingenommen und habe mit damit bereits einen Effekt gespürt.. Wo bekomme ich Lithium Orothat legal? Freundliche Grüsse
Michael Arand: Guten Abend, Wenn Sie persönlich gute Erfahrungen gemacht haben können Sie dies weiterverfolgen. Da Sie als Laborant eigentlich über ausreichend Hintergrundwissen verfügen dürften würde ich empfehlen beim Lithiumsulfat zu bleiben, die Dosis aber auf maximal 1 mg Lithiumäquivalent zu beschränken. Damit ist die Wahrscheinlichkeit unerwünschter Wirkungen ausreichend gering. Entgegen mancher Behauptung kann man davon ausgehen, dass Lithiumcarbonat, Lithiumorotat oder eben auch Lithiumsulfat bei auf Lithium bezogen gleicher Dosierung die gleichen Lithium-vermittelten Wirkungen entfalten, da die Salze im Gastrointestinaltrakt komplett dissoziieren und das Lithium in dieser Form vom Körper sehr gut aufgenommen wird.
Ich habe Lithium als Antidepressivum verschrieben bekommen. Es ging mir dabei absolut gut. Die Nebenwirkungen waren aber auch nicht ohne: Zittern und völlig im Aus stehen. Lithium nur im akuten Notfall einwerfen!
Gregor Hasler: Hier frage ich mich, welche Dosis Sie erhalten haben. Die Einstellung auf Lithium braucht Zeit. Zittern ist eine typische Nebenwirkung, die man durch Dosis-Reduktion oft verbessern kann. Lithium als Notfall-Medikament hat sich leider nicht bewährt. Es scheint nur zu wirken, wenn man es über längere Zeit nimmt.
Hilft Lithium bei Post Covid oder ME / CFS und wenn ja: in welcher Dosis? Sind 5 mg pro Tag sinnvoll?
Eva-Maria Pichler: Bei Post Covid gibt es dazu eine randomisierte kontrollierte Studie. Sie prüfte Lithiumaspartat in niedriger Dosierung von 10 bis 15 mg täglich gegen Placebo und fand keinen Vorteil. Eine anschliessende kleine Dosisfindung mit lediglich drei Teilnehmenden deutete an, dass höhere Dosierungen um 40 mg möglicherweise wirken könnten, doch bei dieser Zahl lässt sich daraus nichts ableiten. Von 5 mg täglich, also noch unterhalb der bereits als unwirksam geprüften Dosis, ist demnach kein Effekt zu erwarten. Für ME/CFS fehlen belastbare Studien zu Lithium ganz. Ich kann Ihnen also keine sinnvolle Dosis nennen, weil es sie nach heutigem Wissensstand nicht gibt. Wenn Sie selbst betroffen sind: Die Erschöpfung ist real, auch wenn dieser Weg nicht weiterführt. Für die Behandlung ist eine spezialisierte Post-Covid-Sprechstunde die bessere Adresse.
Mir wurde Lithium als Medikament (Lithiofor 660 mg morgens und abends mit je 1,5 Einheiten) für meine Bipolarität verschrieben – mit wundersamer Wirkung. Man hört von Medikamenten-Engpässen. Ist Lithiofor davon betroffen? Gibt es Alternativen, welche Sie empfehlen? Danke + Gruss
Gregor Hasler: Die Alternative ist Quilonorm. Zum Glück hat eine Tablette Quilonorm ungefähr gleich viel reines Lithium wie eine Tablette Lithiofor. Ich würde aber nicht wechseln, sondern nur im Fall, dass das Medikament nicht verfügbar wäre (davon ist mir noch nichts bekannt). Am besten dann mit dem Arzt besprechen.
Ist bei der Einnahme von täglich 1mg Lithium mit Nebenwirkungen zu rechnen?
Gregor Hasler: Das Problem ist, was Sie genau meinen. 1mg reines Lithium, das wäre schon eher viel bei einer Supplementierung, würde ich nur 1x pro Woche nehmen, oder 1 mg Lithium-Orotat. Dann wäre das üblich und ich gehe davon aus, auch langfristig nicht schädlich.
Ich nehme seit 5 Monaten 1mg Lithium täglich – aufgelöst in Wasser für 5 Tage. Das Produkt heisst „KAAL Lithium Orotat 5mg“ . Auf der Dose steht bei den Infos jedoch „Lithium from Carbonate / Orotate“. Soll ich auf ein anderes Produkt wechseln?
Gregor Hasler: Das sind die unheimlichen und verwirrenden Beschriftungen, die ich auch nicht verstehe. Ich würde wechseln auf ein Produkt, das klar beschriftet ist und mit einem Arzt oder Apotheker besprechen. Nach der neusten Tierstudie ist ja nur Li-Orotat präventiv wirksam, aber ob das beim Menschen so ist, muss noch gezeigt werden.
Hallo, Warum ist der Verkauf von Lithium in geringen Mengen 1mg/Kapsel immer noch verboten, obgleich es eine Unzahl von Studien gibt, wonach es so viele positive Effekte hat? hemmt demnach Entzündungsprozesse, fördert den Energiestoffwechsel und die Nervenzellbildung beeinflusst und darüberhinaus positive gesellschaftliche Einflüsse auf die Gesellschaft hat. was die Trinkwasserstudien zu Suizidrate, Demenz und Krebsrisiko zeigen. Mit klarer Einordnung von Lithium kommt natürlich in Böden, Pflanzen und Trinkwasser vor. Aber die Verteilung in verschiedenen ist wie bei Jod nicht homogen auf der Erde verteilt. Es hemmt das Enzym GSK-3, das Entzündungen, Energiestoffwechsel und Nervenzellwachstum steuert. Dr. M. Nehls Lithium aktiviert Autophagie (zelleigenes Aufräumsystem) über einen eigenen, unabhängigen Weg. Trinkwasserstudien: Höheres natürliches Lithium korreliert mit niedrigeren Suizidraten und weniger Demenz. Harvard-Studie 2025 (Nature): Lithium ist im Gehirn bereits bei leichter kognitiver Beeinträchtigung vermindert. JAMA-Studie 2025: 71% niedrigeres Gesamtkrebsrisiko in Regionen mit höherem Lithium im Grundwasser. Petra Bracht: – Allgemein- und Ernährungsmedizinerin: Wissenschafter/innen und Ärzte/innen sprechen bereits von Lithium als ein potentiell essenzielles Spurenelement (offizielle Anerkennung steht noch aus). Individuelle ärztliche Abklärung bei Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme notwendig. Nehls M. Unified theory of Alzheimer's disease (UTAD): implications for prevention and curative therapy. Journal of Molecular Psychiatry. 2016;4:3. Terao T. Is lithium potentially a trace element? World Journal of Psychiatry. 2015;5(1):1–3. Forlenza OV et al. Disease-modifying properties of long-term lithium treatment for amnestic mild cognitive impairment. British Journal of Psychiatry. 2011.
Gregor Hasler: Was sie hier beschreiben, ist die biologische Plausibilität, dass ein Medikament wirkt. Die Erfahrung ist leider, dass unter 100 Substanzen, die eine solche Plausibilität haben, nur 1 dann im klinischen, doppelblinden, radomisierten Versuch tatsächlich wirkt. Bei Vitamin E ist die Plausibiltät, dass es gesundheitsfördernd ist, enorm hoch. Klinische Studien haben eher negative Effekte gefunden (mehr Herzkrankheiten, mehr Krebs). Deshalb stützen sich Beahandlungsempfehlungen ausschliesslich auf klinische Versuche am Menschen (RCTs). Diese fehlen noch bei Li-Orotat (bei Li-Carbonat als Demenzprophylaxe waren die Studien bisher eher enttäuschend).
Liebe Frau Dr. Pichler zuerst einmal vielen Dank für Ihre Arbeit und dafür, dass Sie sich heute Abend den Fragen stellen. Ich beschäftige mich seit rund sechs Jahren intensiv mit Gesundheitsthemen, führe regelmässig Interviews mit Fachpersonen und versuche dabei vor allem, unterschiedliche Positionen wirklich zu verstehen. Bei Ihrer Schweizer Studie bin ich über einen Punkt gestolpert, bei dem ich Ihre Einschätzung sehr gerne verstehen würde: Der Median der Lithiumkonzentration lag bei lediglich **2,86 µg/L**, der Mittelwert bei **3,72 µg/L**. Gleichzeitig schreiben Sie in Ihrer Publikation selbst, dass die Schweizer Werte am unteren Ende international untersuchter Konzentrationen liegen und möglicherweise zu wenige Daten am oberen Ende vorhanden waren. In der Puls-Sendung sagen Sie jedoch sinngemäss, wenn „auch nur so ein bisschen was dran gewesen wäre“, hätte man es in Ihrer Studie gesehen. Frage: Wie lässt sich diese sehr eindeutige Aussage mit den Einschränkungen vereinbaren, die Sie in Ihrer eigenen Publikation beschreiben? Müsste die Schlussfolgerung nicht präziser lauten: «Innerhalb der in der Schweiz untersuchten, überwiegend niedrigen Trinkwasserkonzentrationen konnten wir keinen statistisch signifikanten Zusammenhang feststellen» – anstatt daraus grundsätzlich „kein Effekt“ abzuleiten? Danke Ihnen herzlich für die Einordnung.
Eva-Maria Pichler: Ihr Einwand ist berechtigt, und Ihre Formulierung ist präziser als meine in der Sendung. Was unsere Daten zeigen, ist genau das: Innerhalb des in der Schweiz beobachteten Konzentrationsbereichs besteht kein Zusammenhang mit den Suizidraten. Eine Aussage über deutlich höhere Konzentrationen erlaubt unser Datensatz nicht, und wir halten das in der Publikation auch so fest. Zwei Punkte relativieren die Einschränkung allerdings. Unser Bereich reicht bis 37 µg/L und überschneidet sich damit erheblich mit dem anderer Studien, es geht also nicht um ein reines Niedrigdosisfenster. Und innerhalb dieses Bereichs zeigt die geglättete Regressionslinie auch am oberen Ende keine Andeutung eines Effekts. Ein Zusammenhang in der Grössenordnung, wie ihn frühere Arbeiten berichteten, hätte sich dort abzeichnen müssen. Meine Aussage stützt sich zudem nicht auf unseren Befund allein, sondern auf das Gesamtbild: kleine Studien mit grossen Effekten, grosse Studien mit fast keinen, und ein statistisch nachweisbarer Publikationsbias. Daraus folgt nicht «Lithium wirkt nicht», sondern dass die Grundlage für eine Anreicherung des Trinkwassers derzeit nicht trägt.
Guten Tag Kann man Lithium mit SSRI und Wellbutrin kombinieren? oder sollte man das alleine nehmen?
Anton Gietl: Die Pharmakotherapie ist etwas sehr individuelles, daher bitte immer mit einem Arzt abstimmen. Die Kombination von Lithium mit verschiedenen Antidepressiva, darunter auch Wellbutrin und SSRI wird häufig gewählt, beispielsweise wenn der antidepressive Effekt durch Lithium verbessert (augmentiert) werden soll.
Ich trinke nur Hahnenwasser, habe ich richtig verstanden, dass im Trinkwasser Lithium zugefügt wird? Woher stammt das Lithium? Danke für ihre Antwort
Eva-Maria Pichler: Nein, dem Schweizer Trinkwasser wird kein Lithium zugesetzt. Lithium kommt natürlich im Gestein und im Boden vor und gelangt von dort ins Grund- und Quellwasser. Wie viel es ist, hängt von der Geologie der Region ab und schwankt entsprechend von Gemeinde zu Gemeinde. In unserer Untersuchung lagen die Schweizer Werte im Mittel bei rund 3.7 Mikrogramm pro Liter, also bei einem Tausendstel dessen, was in der Behandlung eingesetzt wird. Diskutiert wurde in der Sendung lediglich der Vorschlag einer künstlichen Anreicherung. Umgesetzt wird das nirgends. Sie können Ihr Hahnenwasser also unbesorgt weitertrinken.
Ist 20mg Lithiumorotat pro Tag eine ausreichende Dosis? Warum gibt es Lithium meistens nicht in gängigen Multivitaminpräparaten? Hilft Lithium wirklich bei Brainfog? Kann es Demenz vorbeugen? Und warum sagen so viele das es gut für das Gehirn ist?
Gregor Hasler: Dies wäre eher ein hohe Dosis. Lieber nur 5 mg Li-Orotat und man muss sicher sein, dass sich die mg nicht auf das reine Lithium bezieht. Dann wäre die Dosis deutlich zu hoch. In den Multivitamin-Präparaten gibt es kein Lithium, weil es in hoher Dosis giftig wird, was bei Vitaminen und Spurenelementen in den Präparaten nicht der Fall ist.
Ich würde gerne mehr darüber wissen. Meine Schwester die erst 63 wird hat die Diagnose Frphdemenz erhalten. Da dachte ich ob das Mittel helfen könnte? Leider kriegt sie auch psycho pharmaka.
Gregor Hasler: Bisher gibt es keine Wirksamkeitsstudie bei Frühdemenz, die eine klare positive Wirkung von Lithium gezeigt hätte. Lithium-Supplement könnte trotzdem eine Option sein, weil die Gefahren vermutlich gering sind. Ich würde es mit dem Arzt oder der Ärztin besprechen.
Lieber Herr Dr. Gietl vielen Dank, dass Sie Ihre Erfahrung aus der Alterspsychiatrie einbringen. Mich interessiert besonders die Frage der Prävention. Bei Lithium scheint mir häufig ein Problem zu sein, dass sehr unterschiedliche Fragestellungen zusammenkommen: die etablierte psychiatrische Behandlung einer Erkrankung einerseits und die mögliche Wirkung sehr niedriger Lithiumexposition über viele Jahre andererseits. Wie beurteilen Sie speziell die Forschung zu niedrig dosiertem Lithium im Zusammenhang mit Neuroprotektion, Demenz beziehungsweise Alzheimer? Und würden Sie sagen, dass die bisherige Evidenz bereits zeigt, dass niedrige Dosierungen nicht wirken – oder wäre die wissenschaftlich korrektere Aussage, dass sie derzeit nicht wissen, ob und in welcher Dosierung ein präventiver Effekt existiert? Vielen Dank für Ihre Einschätzung.
Anton Gietl: Sie haben das sehr gut zusammengefasst. Aktuell gibt es verschiedene wissenschaftliche Erkenntnisse, die aber nicht leicht unter einen Hut zu bringen sind. Lithium werden verschiedene günstige Effekte zugeschrieben, beispielsweise Schutz vor dem Untergang von Nervenzellen oder Beeinflussung von Entzündungsvorgängen im Gehirn oder wie jetzt in dem Nature Paper ein Effekt über die Beeinflussung der Glykogen Synthase Kinase. Die Evidenz aus Tierstudien ist sehr gut. Beim Menschen findet sich relativ gute Evidenz, die zeigt, dass bipolare Patienten, die mit Lithium behandelt werden, weniger Demenz bekommen und auch in Bezug auf verschiedene Hirnvolumenmessungen besser abschneiden als solche die anderweitig behandelt werden. Das ist aber eine besondere Gruppe. Studien zur Behandlung beim Menschen sind heterogen und interessanterweise zeigte gerade eine Studie mit einer sehr niedrigen Dosis einen positiven Effekt. Dort war es aber kein Orotat. Langer Rede – kurzer Sinn – wir wissen es erst, wenn wir lang dauernde Studien mit niedrigen Dosen beim Menschen durchführen würden. Ich habe einmal ein Register durchgesucht und eine solche Studie mit Lithiumorotat wird derzeit in den USA geplant. Hier wird aber erst einmal die Durchführbarkeit und Sicherheit getestet.
Wie wurden die Studien genau erhoben? Allerbeste Grüsse
Eva-Maria Pichler: Gerne, ich beziehe mich auf unsere Untersuchung zu Lithium im Trinkwasser und Suizidraten in der Schweiz, schreiben Sie, falls Sie eine andere meinen. Wir haben die Lithiumkonzentrationen im Trinkwasser von 1043 Gemeinden mit den dortigen Suizidraten verglichen. Die Lithiumwerte stammen aus Messungen des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit an Quellen, Reservoirs und Leitungsnetzen, die Suizidzahlen vom Bundesamt für Statistik. Anschliessend haben wir geprüft, ob Gemeinden mit höheren Werten tiefere Suizidraten aufweisen, und dabei Einkommen, Bevölkerungsdichte, Sozialhilfequote und ärztliche Versorgung berücksichtigt. Das ist eine sogenannte ökologische Studie: Sie vergleicht Regionen, nicht Personen. Damit lässt sich kein Ursache-Wirkungs-Zusammenhang belegen, und man weiss nicht, wie viel Wasser eine einzelne Person tatsächlich getrunken hat. Deshalb haben wir das Vorgehen vorab öffentlich festgelegt, bevor wir die Daten sahen.
Lithium Guten Abend Lithium wird auch in der Psychiatrie verabrecht. Ist es korrekt, dass das zum Potenz-Verlust beim Mann führen kann? PS. Eines der grössten Probleme beim Mann! Freundliche Grüsse
Eva-Maria Pichler: Ja, sexuelle Funktionsstörungen können unter Lithium auftreten, und Sie haben recht, dass dieses Thema in Sprechstunden zu selten angesprochen wird. Unter Lithium allein ist das allerdings selten. Häufiger tritt es in Kombination mit anderen Medikamenten auf, etwa bestimmten Antidepressiva oder Antipsychotika. Zu berücksichtigen ist auch, dass die Grunderkrankung selbst, insbesondere eine Depression, Libido und Erektionsfähigkeit beeinträchtigen kann. Praktisch heisst das: Wenn Beschwerden auftreten, lohnt es sich, das anzusprechen, weil es meist Handlungsspielraum gibt, etwa über die Dosis, den Einnahmezeitpunkt oder die Kombination der Medikamente. Setzen Sie Lithium bitte nicht eigenmächtig ab, das Rückfallrisiko ist gross. Und falls Ihre Ärztin das Thema nicht von sich aus anspricht, dürfen Sie es tun.
Ich nehme seit 2 Jahren 5mg Lithium-Orothat/Tg. Wegen Longcovid. Meine kognitiven Einschränkungen, welche ich seit Corona im März 2020 hatte, haben sich im Sommer 2024 innert ca. 10 Tagen massiv verbessert.
Eva-Maria Pichler: Danke, dass Sie das schildern, und schön zu hören, dass es Ihnen deutlich besser geht. Zur Einordnung für alle Mitlesenden: In der einzigen mir bekannten randomisierten Studie zu Long Covid brachte Lithiumaspartat in einer Dosierung von 10 bis 15 mg täglich keinen Vorteil gegenüber Placebo. Ihre 5 mg liegen noch darunter. Die Studie war allerdings klein und lief nur drei Wochen, über längere Einnahme sagt sie nichts. Dazu kommt, dass Long Covid oft in Schüben verläuft und sich spontan bessert. Bei einer einzelnen Person lässt sich deshalb nicht klären, woran eine Veränderung lag. Für Sie ändert das nichts an dem, was Sie erlebt haben. Es heisst aber, dass sich daraus keine Empfehlung für andere ableiten lässt.
Ich nehme seit 20Jahren Lithium und habe viele Nebenwirkungen (Zittern, Stürze etc.) Ist es gefährlich, das Lithium abzusetzen? Könnte ich ein anderes Medikament nehmen?
Gregor Hasler: Wenn man älter wird, braucht man oft weniger Lithium, weil die Nieren Lithium weniger schnell ausscheiden. Vermutlich ist ihre Dosis zu hoch. Wichtig ist, dass sie regelmässig die Lithium-Konzentration im Blut messen lassen und alle Nebenwirkungen mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen, die/der sich mit Lithium auskennt.
Ich (16,w) spiele Basketball und mache das seit neuem als Leistungssport. Welche Nährungsergänzungsmittel können Sie mir empfehlen? Und was halten Sie von der Einnahme von Creatin? Lg
Eva-Maria Pichler: Da bin ich die falsche Ansprechperson, ich bin Fachärztin für Psychiatrie und heute Abend geht es um Lithium. Für Nahrungsergänzung im Nachwuchsleistungssport wäre eine sportmedizinische Beratung die richtige Adresse, mit 16 und im Wachstum gelten dort eigene Empfehlungen. Fragen Sie am besten in Ihrem Verein nach, viele haben eine sportmedizinische Anlaufstelle. Zum heutigen Thema nur so viel: Als Nahrungsergänzung zur Leistungssteigerung hat Lithium im Sport keine Grundlage, davon würde ich klar abraten. Das betrifft nicht Lithium als verordnetes Medikament, das ist etwas völlig anderes.
Mir wurde vor 3 Wochen die gesamte Schilddrüse entfernt. Darf ich Lithium einnehmen? Ich möchte es wegen meinem Brain Fog und zur Vorbeugung von Demenz einnehmen.
Gregor Hasler: Die Entfernung der Schilddrüse ist prinzipiell kein Argument für oder gegen die Lithium-Einnahme. Die Wirksamkeit bei Brain Fog ist nicht wissenschaftlich untersucht.
Meine Mutter hatte Alzheimer, mein Bruder, 2 Jahre älter hat auch, ist in einem Pflegeheim Was kann und soll ich machen ? Lithium nehmen ? Vielen Dank für ihre Antwort
Anton Gietl: Stand jetzt gibt es keine belastbaren Daten, dass man Lithium empfehlen kann. Es gibt viele Aspekte, die bei der Demenzprävention besser erforscht sind, beispielsweise die optimale Kontrolle von Herz-Kreislaufrisikofaktoren, sportliche Aktivität, soziale Aktivität, Frühzeitige Behandlung eines Hörverlustes und viele andere. Verschiedene Institutionen bieten hier auch Beratungen an. Spätestens, wenn Symptome bemerkt werden, empfehle ich eine Besprechung mit dem Hausarzt und gegebenenfalls eine Abklärung in einer Memoryklinik. Dort wird dann entweder Entwarnung gegeben oder man erhält eine Beratung zum optimalen Management. Eine frühzeitige Testung ist sinnvoll, weil einerseits Komplikationen vermieden werden können und es auch Medikamente gibt, die besonders in frühen Stadien eingesetzt werden. Auch wenn es einen unauffälligen Test gibt, hat man einmal die Resultate und kann diese dann auch Jahre später zum Vergleich verwenden.
Sind 5mg Lithium Orotat pro Tag bedenklich?
Gregor Hasler: Das ist schon eine übliche Dosierung in Supplements und gilt als sicher (wichtig ist, dass es nicht 5 mg reines Lithium ist; die Gefahr liegt nicht in dieser Dosierung, sondern in der mangelnden Kontrolle der Produkte).
Meine Mutter erkrankte ca. 1990 an einer bipolaren Störung, bzw. wurde manisch-depressiv. Sie hatte drei längere Episoden innerhalb von ca. 5 Jahren und nimmt seither ua. Lithium ein. Seit ca. 10 Jahren leidet sie an einem atypischen Parkinson. Ich vermute einen Zusammenhang. Ist das weit hergeholt oder wahrscheinlich? Danke für Ihre Ausführungen.
Gregor Hasler: Die Bipolare Störung erhöht leider das Risiko für die Parkinson-Krankheit. Lithium kann zwar Zittern als Nebenwirkung verursachen, das hat aber nichts mit Parkinson zu tun. Im Gegenteil, Lithium ist neuroprotektiv, sollte theoretisch das Parkinson-Risiko eher senken.
Guten Abend. Ich habe Parkinson und leide unter Stimmungsschwankungen im Tagesverlauf. Könnte Lithium dagegen helfen? Zudem habe ich Angst vor kognitiven Einschränkungen und Parkinson-Demenz. Kann Lithium da vorbeugend wirken? Ich nehme schon viele verschiedene Medikamente gegen Parkinson. Gibt es überhaupt Erfahrungen mit Lithium bei Parkinson? Herzlichen Dank für eine Antwort.
Gregor Hasler: Ich würde auf keinen Fall auf eigene Faust Lithium einnehmen, weil Lithium mit vielen anderen Medikamenten interagiert (das heisst ungünstige Wechselwirkungen haben kann). Auf jeden Fall mit dem behandelnden Neurologen oder der Neurologin besprechen.
Mein am 24.5.26 verstorbener Ehemann musste seit zirka 30 Jahren infolge Depressionen Lithium einnehmrn. Vor 10 Jahren wurde bei ihm Alzheimer diagnostiziert. Er durfte gemäss Ärzte ab sofort kein Lithium mehr einnwhmen. Was stimmt jetzt?
Anton Gietl: Danke für Ihre Frage. Wir setzen Lithium bei Alzheimer nicht ab, wenn es keine triftigen Gründe dafür gibt. Ich kann also nur spekulieren: Vielleicht hatte er einmal zu hohe Spiegel oder die Nierenfunktion war schlecht. Manchmal haben die Ärzte auch Sorgen, dass es zu einer zu hohen Dosis kommt, weil die Medikamente aufgrund von Vergessen zu häufig eingenommen werden.
Liebe Frau Dr. Pichler vielen Dank für Ihre offene und differenzierte Antwort – insbesondere dafür, dass Sie die Aussage aus der Sendung nochmals präzisieren. Das schätze ich sehr. Eine Nachfrage habe ich noch zu den von Ihnen erwähnten 37 µg/L: Der Maximalwert zeigt ja noch nicht, wie stark der obere Konzentrationsbereich tatsächlich vertreten war. **Wie viele der 1'043 untersuchten Gemeinden – bzw. noch aussagekräftiger: wie viele Einwohner – waren tatsächlich Konzentrationen von beispielsweise über 10, 20 oder 30 µg/L ausgesetzt?** Und würden Sie zustimmen, dass die Schlussfolgerung Ihrer Studie deshalb zunächst die in der Schweiz gemessenen Trinkwasserkonzentrationen und die Suizidrate betrifft – und daraus nicht automatisch geschlossen werden kann, dass niedrig dosiertes Lithium in anderen Dosierungsbereichen keine physiologische Wirkung haben kann? Vielen Dank – Ihre erste Antwort fand ich wirklich sehr hilfreich.
Eva-Maria Pichler: Die Zahl der Gemeinden oberhalb bestimmter Schwellen habe ich nicht im Kopf, und ich möchte Ihnen keine Zahl aus dem Gedächtnis nennen. Die Verteilung sehen Sie aber in Abbildung 3A unserer Publikation, das Histogramm über der Grafik zeigt sie direkt: Der Schwerpunkt liegt tief, der obere Bereich ist dünn besetzt. Die Rohdaten dürfen wir nicht selbst publizieren, sie sind aber beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen und beim Bundesamt für Statistik für Forschungszwecke erhältlich. Ihrem zweiten Punkt stimme ich Ihnen zu. Unsere Studie betrifft den Zusammenhang zwischen den in der Schweiz gemessenen Konzentrationen und den Suizidraten. Ob niedrig dosiertes Lithium physiologische Effekte hat, ist eine andere Frage, und sie lässt sich mit einem ökologischen Design gar nicht beantworten. Dazu bräuchte es kontrollierte Studien mit definierter Dosis und gemessenen Blutspiegeln. Dazu gibt es bislang nur vereinzelte kleine Arbeiten, aussagekräftig ist keine davon. Und ehrlich gesagt hätte ich mir gewünscht, dass wir etwas finden. Eine so einfache und günstige Massnahme wäre in unserm Fachgebiet ein Geschenk gewesen.
ich habe Schilddrüsenunterfuktion und nehme täglich 0,1 mg Eltroxin. Kann ich 1 mg Lithium Orotat täglich einnehmen?
Gregor Hasler: Wie in der Sendung gesagt: Es fehlen gute Studien dazu. Meine persönliche Meinung: ja, das sollte kein Problem sein.
Mein Mann vergisst vieles. Darf ich ihm das Cilitium geben? LG
Gregor Hasler: Nein, auf keinen Fall. Er müsste dies schon selber wollen und entscheiden. Gegen Vergesslichkeit gibt es viel wirksamere Sachen. Mit Hausarzt oder Hausärztin besprechen.
Weshalb wird selten in die Forschung von Microdosierungrn von Lithium investiert?
Gregor Hasler: Ein Grund ist schon, dass unser System davon ausgeht, dass Firmen die Initiative ergreifen, was bei einem billigen Salz nicht der Fall ist. Ich will doch auch an dieser Stelle nicht verschweigen, dass es auch die Behörden es in der Schweiz immer schwieriger machen, dass zum Beispiel Universitäten solche Versuche durchführen (etwa, dass mich persönlich und andere Forschenden in Schweiz sehr frustriert). Dies Art von Forschung sollte viel einfacher sein und mit staatlichen Programmen unterstützt werden.
Hallo. Ich nehme seit 2 Jahren Lithium (Litiofor 660mg morgens und abends) wegen chron. Depressionen, Borderline, Suizidalität, nachdem von 12 getesteten Antidepressiva keines anschlug. Anfangs hatte ich das Gefühl, dass es meine Stimmung etwas stabilisiert, heute bin ich mir da nicht mehr so sicher. Kann es sein, dass ich eine Toleranz entwickelt habe? Der Spiegel wird alle 3-6 Monate gemessen und ist stabil. Ausserdem habe ich gehört, dass man die Lithiumbehandlung «nicht absetzen darf», weil sie «vielleicht nur einmal wirkt». Das macht mir Angst, ist das so? Vielen Dank für die Aufklärung zu dem wertvollen und wichtigen Thema.
Eva-Maria Pichler: Vielen Dank für Ihre Offenheit. Nach zwölf erfolglosen Behandlungsversuchen ist die Sorge, das Wirksame könnte verloren gehen, ganz gut nachvollziehbar. Eine Toleranz im eigentlichen Sinn ist bei Lithium nicht belegt. Wenn die Wirkung nachzulassen scheint, stecken meist andere Gründe dahinter und die lassen sich anschauen. Es lohnt sich, mit Ihrer Ärztin nicht nur den Spiegelwert zu besprechen, sondern was sich seit dem ersten Jahr verändert hat. Zum Absetzen: Etwas Wahres steckt drin, aber nicht so, wie Sie es vielleicht gehört haben. Belegt ist, dass abruptes Absetzen das Rückfallrisiko erhöht, am besten untersucht bei bipolaren Störungen. Deshalb gilt bei Lithium generell: langsam ausschleichen, nie plötzlich. Sie sind also nicht gefangen. Dass Sie nicht mehr sicher sind, ob es Ihnen noch hilft, ist ein guter Grund für ein Gespräch mit Ihrer Ärztin darüber.
seit 28 Jahren nehme ich Lithium unter ¨ arztlicher Kontrolle gegen bipolare Störungen. Diesen Sommer war ich gesundheitlich sehr schlecht dran. Alle Stunden Wasser lassen, in der Nach3 – 4 mal aufs Clo zum Wasser lassen. Stechen der Haut. <Manchmal übel.Die Werte werden geprüft. Sie waren einmal zu hoch in dieser Zeit. >Ich selber habe gefragt um die <Menge abzubauen. 1/4 und jetzt geht es mir nach 3 Wochen deutlich besser, Es war ein fürchterlicher <zustand. <ich war sehr agressiv, mochte kaum mehr raus. Quilionorm retard (carbonas) Auch sonst seien alle Werte ausser Colestrin leicht erhöhjt, gut.
Anton Gietl: Wenn ich richtig verstehe, geht es Ihnen bereits wieder besser. Der Sommer war für viele Menschen eine Belastung und gerade Lithium reagiert sensibel auf Änderungen im Flüssigkeits- und Salzhaushalt. Sie könnten mit Ihrem Arzt besprechen, ob man den Lithiumspiegel nach der Verringerung der Dosis nochmals kontrolliert, ob dieser noch im gewünschten Bereich liegt.
Seit vielen Jahren nehme ich morgens alternierend 1/2 und 1 Eltroxin 0.05. Ich leide unter Schilddrüsenunterfunktion und Hashimoto. Schon seit meiner Kindheit bin ich vergesslich. Kann ich täglich 1 mg oder 5 mg Lithium orotat nehmen? Falls ja, in welchem Abstand zu Eltroxin. Im Winter bin ich oft lustlos und wäre froh um einen Stimmungsaufheller.
Gregor Hasler: Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein Lithium-Supplement bei ihnen eine Stimmungsaufhellung bewirkt. Dafür gibt es viel wirksamere Massanahmen, zum Beispiel eine bessere Einstellung der Schilddrüsen-Unterfunktion. Eltroxin ist nicht optimal geeignet, die Stimmung aufzuhellen, in der Psychiatrie benützen wir Novotyhral, eine Kombination von Schilddrüsenhormonen. Ich empfehle, das Problem mit dem Endokrinologen zu besprechen.
ich leide an Hashimoto. Ist dies eine Kontraindikation für Low Dose Lithium?
Eva-Maria Pichler: Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis ist die Schilddrüse ohnehin schon angegriffen, und Lithium wirkt auf die Schilddrüse hemmend. Das Risiko für eine Unterfunktion ist damit erhöht. In der psychiatrischen Behandlung ist Hashimoto trotzdem keine absolute Kontraindikation, sondern ein Grund für engmaschigere Kontrollen, wenn der Nutzen den Einsatz rechtfertigt. Als Nahrungsergänzung liegt der Fall anders. Ob Kleinstdosen die Schilddrüse überhaupt beeinflussen, ist nicht systematisch untersucht, und ein Nutzen ist nicht belegt. Bei einer vorbestehenden Schilddrüsenerkrankung würde ich deshalb davon abraten.
Guten Abend Ich bin weiblich, 73 Jahre alt und bemerke, dass mein Kurzzeitgedächtnis und meine Konzentrationsfähigkeit viel schlechter geworden sind. Das macht mir Sorgen. Da meine Mutter, meine Tanten und Onkel, also die Geschwister meiner Mutter, an Demenz erkrankten, möchte ich wissen ob eine Einnahme des Lithiums Orodate für mich sinnvoll wäre oder wenigstens ein Versuch wert wäre. Verschreibt dies der Hausarzt oder eher Naturheilärzte. Wenn nicht, was würden Sie mir raten? Vielen Dank
Anton Gietl: Wenn Sie solche Symptome bemerken, empfehle ich zuerst einmal eine Besprechung mit dem Hausarzt und dann gegebenenfalls eine Abklärung in einer Memoryklinik. Oft gibt es auch behandelbare Ursache von Gedächtnisstörungen und Konzentrationsstörungen, beispielsweise eine Schilddrüsenfunktionsstörung oder ein Vitaminmangel von B12 oder Folsäure. Je nach Abklärungsergebnis wird dann entweder die Therapie festgelegt oder sie können zu anderen etablierten präventiven Massnahmen beraten werden. Verschiedene Institutionen bieten auch spezielle Angebote zur Prävention an.
Ich war der Meinung in Puplitation in Natur sei denMäusen sehr niedrig dosiertes Lithium-Carbonat gegeben worden. Stimmt das nicht? Besten Dank für Ihre Antwort
Gregor Hasler: Die Studie hat Lithium-Carbonat und Lithium-Orotat verglichen. Es war aber nur das Orotat wirksam, und nicht das Carbonat (das in den Studien verwendet wird). Entscheidend sind nun Studien mit Lithium-Orotat als Demenz-Vorbeugung. Aber diese gibt es noch nicht. Und leider ist es so, dass viele Substanzen, die im Tierversuch wirksam sind, beim Menschen nicht wirksam sind. Das hat auch damit zu tun, dass die Demenz der Mäuse eine künstlich erzeugte ist, ein Krankheitsmodell, und anders als die Demenz beim Menschen (die ja auch ganz unterschiedliche Ursachen haben kann).
Eine Mitteilung. Lithium hätte mich beinahe umgebracht. Lithium Vergiftung.
Eva-Maria Pichler: Danke, dass Sie das hier mitteilen. Eine Lithiumintoxikation ist lebensbedrohlich, und ich kann mir vorstellen, dass diese Erfahrung nachwirkt, auch im Vertrauen in Behandlungen. Ich hoffe sehr, dass es Ihnen heute besser geht. Es ist wichtig, dass das hier steht, danke. Lithium hat ein enges therapeutisches Fenster, der Abstand zwischen wirksamer und schädlicher Konzentration ist klein. Ausgelöst wird eine Intoxikation oft durch Flüssigkeitsmangel, etwa bei Fieber, Durchfall oder Hitze, oder durch Medikamente, welche die Ausscheidung über die Nieren beeinflussen. Regelmässige Spiegelkontrollen und eine gute Aufklärung gehören deshalb unbedingt zur Behandlung. Für alle, die Lithium einnehmen: Bei Erbrechen, Zittern, Verwirrtheit oder starker Müdigkeit sofort ärztliche Hilfe suchen und den Spiegel bestimmen lassen.
Guten Abend ich 69 habe eine bipolare Störung, gut eingestellt mit Quentiapin 50 mg, Cipralex 10 mg und Wellbutrin 300mg. Lithiumcarbonat habe ich ausprobiert, aber unter starken NW geleidet. Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme auch sind Nierenschäden bekannt. Durch Studien von Dr. Nehls und verschieden Literatur habe ich mich entschlossen mit meinem Psychiater Lithiumorotat 5 mg reines Lithium pro Tag einzunehmen ich lasse das in Deutschland auf Rezept herstellen. Die Idee ist es auf Lithiumorotat 10 mg reines Lithium zu steigern und Antidepressiva und Neuroleptikta langsam abzusetzen. Sind ihnen Studien bekannt das Lithiumorothat (nicht als Nahrungsergänzungsmittel) einen Einfluss auf meine Erkrankung hat? Würden sie mir empfehlen die Lithiumwerte zu messen? Wie hoch kann der Lithiumwert sein um eine Wirkung zu entfalten? Danke für die Sendung und ihre Antwort
Gregor Hasler: Ich rate ihnen von hohen Dosen Lithium-Orotat klar ab. Es gibt keine Erfahrungen dazu. Es mag für Sie sinnvoll sein, wieder einen Versuch mit Lihtium-Carbonat zu machen. Dies aber nur unter ärztlicher Überwachung mit regelmässigen Laborkontrollen etc. Ob es wirkt und ob sie die anderen Medikamente absetzen können, würde sich dann zeigen. Lithium wirkt nicht bei allen. Es gibt Patienten, die überhaupt keine positive Wirkung von Lithium haben. Die sollten es auch nicht nehmen.
(mein mann hat seit 5 jahren alzheimer demenz) ich bin 73 , gesund (meine mutter hatte mit 90 demenz…. ) ich bin interessiert, lithium präventiv einzunehmen. was raten Sie mir? soll ich? wenn ja, welche dosis? welches produkt?
Anton Gietl: Stand jetzt gibt es keine klaren Daten Lithium zu empfehlen. Einer der grössten Risikofaktoren an Demenz zu erkranken ist das zunehmende Alter. Hier ist es aber dann selten eine reine Alzheimer Krankheit sondern im Laufe des Lebens sammelt das Gehirn verschiedene Aspekte auf, die das Hirn beeinflussen. Wenn jemand Angehörige hat, die erst mit 90 erkranken, besteht wahrscheinlich weniger ein Risiko wirklich an Alzheimer zu erkranken als wenn Angehörige schon sehr viel früher erkranken. Ich empfehle allgemein einen demenzpräventiven Lebensstil: Nicht Rauchen, sehr wenig Alkohol, optimale Kontrolle von Herz-Kreislauferkrankungen. Viel Bewegung an der frischen Luft. Soziale Kontakte. Frühzeitige Behandlung von Schwerhörigkeit und Sehproblemen. Geistige Aktivität bis ins hohe Lebensalter.
1. Seit 2010 nehme ich Lithiofor wegen Bipolarer Störung. Heute 1 Tab/Tag. Seit Pensionierung 2014 kein Stress mehr. Kann ich die Einname beenden? 2. Wegen Gürtelrose wurde mir Tramadol verschrieben. Starke Nebenwirkungen. Wegen Sturzverletzungen Ibuprofen genommen. Erst später festgestellt, dass beide nicht zu Lithium genommen werden dürfen. Welches Schmerzmittel ist verträglich?
Gregor Hasler: Leider können alle Schmerzmittel mit Lithium Wechselwirkungen haben. Das heisst aber noch nicht, dass sie diese Medikamente gar nicht nehmen dürfen. Man muss Wirkung und Dosis überwachen und anpassen. Wichtig ist, dass der Arzt oder die Ärztin, welche die Lithium-Therapie leitet, auch die Schmerzmittel verschreibt und überwacht.
Ich komme direkt zur Sache, auch nach drei Monaten Lithium ist meine Depression kein Stück besser geworden. Gelegentlich fühlt es sich sogar noch schlimmer an! Mein Psychater sagt, dass ich ein Non-Responder sei. Dem glaube ich so aber nicht weil ich eigentlich alle Medikamente vertrage. Wie überzeuge ich ihm von dieser Wunderwaffe gegen meine Beschwerden?
Gregor Hasler: Eventuell hat ihr Psychiater recht. Ein Versuch mit Lithium in der richtigen Dosierung, gemessen im Blut (zum Beispiel 0.6 mmol/l Konzentration; wurden diese Labortests gemacht?) über drei Monate ohne antidepressiven Effekt: das spricht für Non-Response. Dann würde ich kein Lithium nehmen (das heisst nicht, dass man es später wieder probieren kann; aber die Chancen auf Response sind gering).
Guten Abend die Lithiumstudien im Trinkwasser in der Schweiz und Suizidraten sind interessant Schade dass kein internationaler Vergleich zur Sprache kommt. Ich habe von Studien in Japan gehört wo höhere Lithiumspuren in der Erde und im Wasser vorkommen, die Suizidrate deutlich niedriger ist. Was ist ihre Meinung dazu? danke für die Sendung und ihre Antwort
Eva-Maria Pichler: Danke für den Hinweis, den internationalen Vergleich haben wir tatsächlich angestellt, er hat es nur nicht in die Sendung geschafft. Aus Japan gibt es mehrere Untersuchungen mit unterschiedlichem Ergebnis. Eine landesweite Studie über alle Regionen fand einen Zusammenhang erst nach Berücksichtigung zahlreicher weiterer Faktoren, im unbereinigten Modell nicht. Eine andere japanische Arbeit fand gar keinen. Ländervergleiche sind ohnehin heikel, weil Suizidraten stark von anderem abhängen: Zugang zu Behandlung, wirtschaftliche Lage, kulturelle Faktoren. Über alle Studien hinweg zeigt sich ein Muster: Kleine Studien berichten grosse Effekte, grosse Studien fast keine. Rechnet man die vermutlich unveröffentlichten Studien ein, ist der Zusammenhang nicht mehr statistisch signifikant. Unser Schweizer Nullbefund steht also nicht allein.
Grüezi, ich nehme seit einem Jahr täglich 1mg Lithium in Form von Lithiumorothat. Das Pärparat hat mir ein Arzt verschrieben. Ich spüre sehr positive Veränderungen auf meine Gesundheit (weniger Ängste). Mein Blutspiegel hat mein Arzt zweimal nachgemessen und dieser lag bei 8 resp. 10 mcg/l. Ich nehme ebenfalls einen Blutdrucksenker (Lercanidipin, Calciumkanalagonisten) ein. Mein Arzt bestätigte mir, dass es keine Interaktion mit dem essentiellen Lithium gibt. Muss ich mir um meine Nieren- und Schilddrüsenfunktion langfristig Sorgen machen? Vielen Dank und beste Grüsse
Anton Gietl: Ich denke es ist gut wenn Sie Ihrem Arzt hier vertrauen. In der Therapie bei Patienten mit bipolarer Erkrankung setzen wir sehr viel höhere Dosen von Lithiumsulfat oder Lithiumcarbonat ein und das teilweise über das gesamte Leben. Auch wenn es zu Lithiumorotat strenggenommen keine Studien zur langfristigen Sicherheit am Menschen gibt, würde ich mir daher keine grossen Sorgen machen – aber das basiert nur auf meiner Einschätzung ohne gesicherte Daten.
Über den Winter nehme ich immer Jarsin ein um Stimmungsschwankungen/Depressionen zu verhindern... Kann ich das mit einem Liter Zurzacher, Thermalquellenwasser ergänzen oder ersetzen?
Eva-Maria Pichler: Ersetzen lässt sich das nicht, und ergänzen bringt Ihnen nichts. Auch das lithiumreichste Mineralwasser liegt weit unter jeder wirksamen Dosis. Bleiben Sie ruhig bei dem, was Ihnen hilft. Nur für den Fall: Johanniskraut kann die Wirkung anderer Medikamente abschwächen, etwa hormoneller Verhütung. Nehmen Sie sonst nichts ein, spielt das für Sie keine Rolle.
Guten Abend Meine Grosstante (dritten grades) erreichte vorgestern das stolze Alter von 91. Seit rund einer Woche kommt sie mir im Gespräch aber etwas unaufmerksam vor. Als ich ihr von meinem selbst geschriebenen Roman über Kamele in der Steinzeit berichtete schweifte sie immer wieder ab. Könnten das schon Zeichen für Frühdemenz sein und hilft auch da eventuell Lithium?
Anton Gietl: Ich kann da leider keine Einschätzung abgeben. Wenn Sie oder andere Angehörige eine klare Änderung bei der Grosstante bemerken, empfehle ich einen Arzt aufzusuchen. Manchmal gibt es auch Veränderungen aufgrund eines unerkannten Infektes wie ein leichtes Delirium. Hier wären Änderungen in der Aufmerksamkeit möglich. Gerade ältere Menschen sind hier empfindlich. Ich empfehle aber mit anderen Angehörigen zu sprechen ob diese ähnliches bemerken und ob das eher rasch aufgetreten ist.
Lamictal macht müde. Was ist der Unterschied zum Lithium? Macht es müde? Warum ist es gefährlich?
Eva-Maria Pichler: Beide werden bei bipolaren Störungen eingesetzt, wirken aber unterschiedlich. Lamotrigin schützt vor allem vor erneuten depressiven Episoden, Lithium schützt vor beiden, sowohl vor manischen als auch vor depressiven Phasen. Müdigkeit ist unter Lithium möglich, aber nicht typisch. Häufiger sind ein feines Zittern der Hände, vermehrter Durst oder Harndrang. Und weil Sie nach der Gefährlichkeit fragen: So würde ich es nicht nennen. Lithium hat ein enges therapeutisches Fenster, der Abstand zwischen wirksamer und zu hoher Konzentration ist klein. Deshalb wird der Spiegel regelmässig gemessen. Aufpassen muss man vor allem bei Flüssigkeitsmangel, etwa bei Fieber, Durchfall oder Hitze, und bei bestimmten Medikamenten wie Entzündungshemmern. Mit diesen Kontrollen wird Lithium seit Jahrzehnten sicher eingesetzt. Falls Sie über einen Wechsel nachdenken: Welches Mittel passt, hängt stark davon ab, wie Ihre Erkrankung verläuft. Das lohnt sich in Ruhe mit Ihrer Ärztin durchzugehen.
In den Publikationen von Prof. Guttuso, Neurologe an der University of Buffalo, werden auch Human Stuidien im Bereich Alzheimer und Parkison referenziert (sowohl kleinere RCT's wie auch Oberservational Studies), sie haben aber keine Aussagen dazu gemacht sondern der Eindruck entstand, dass es erst Tierstudien geben würde. Was ist der Grund ?
Gregor Hasler: Es gibt Studien beim Menschen, doch wenn man alle zusammennimmt, sieht das Resultat nicht gut aus: Lithium in kleinen Dosierungen scheint nicht vor Demenz zu schützen und auch keine andere positive Wirkung zu haben. Dies habe ich in der Sendung aber nicht so betont, weil diese Studien noch zu wenig gut sind, um zu sagen: Es macht keinen Sinn mehr, neue Studien aufzusetzen. Gerade bei Lithium-Orotat sollten neue Studien durchgeführt werden. Ferner wissen wir auch, dass kleine Studien oft unzuverlässig sind, deshalb macht es meines Erachtens keinen Sinn, diese öffentlich breit zu diskutieren, auch wenn ein einmal eine Wirkung zeigen sollte. Für Empfehlungen führen wir Meta-Analysen durch, die alle vorhandenen Studien zusammenfassen.
Mein Sohn 11 J. nimmt, vom Arzt (Mikronährstoffexperte)) verschrieben 2mg/ Tag Lithium orotat monohydrat 25.95mg (enthält 1mg reines Lithium) steht da pro Kapsel von einer Apotheke Magistralrezeptur) – er nimmt 2x1mg Kapsel) zur Verbesserung von Konzentration und Stimmung in der Schule. Muss ich mir da Sorgen machen, wenn er das über Jahre nimmt? Herzlichen Dank für Ihre Antwort. Ps: Ich selbst nehme 5mg/Tag.
Gregor Hasler: 1 mg reines Lithium ist schon recht viel, deutlich mehr als in den meisten Supplements (ca. 5x mehr) und die Wirkung ist unklar. Ich würde dies meinen Sohn nicht erlauben. Wichtig ist, Nierenfunktion und Schilddrüsen-Hormone beim Hausarzt bestimmen zu lassen, so dass man einen Ausgangswert hat und früh Organschäden feststellen könnte.
Lieber Herr Prof. Arand vielen Dank, dass Sie als Toxikologe heute dabei sind. Gerade Ihre Einschätzung interessiert mich sehr, weil ich in der Sendung Schwierigkeiten hatte, die sehr unterschiedlichen Lithium-Dosierungen einzuordnen. Das eindrückliche Beispiel einer Lithiumvergiftung entstand – soweit ich die Sendung richtig verstanden habe – im Zusammenhang mit einer medizinischen Lithiumbehandlung bzw. einem Medikations-/Dosierungsfehler. Wie lässt sich dieses Vergiftungsrisiko toxikologisch auf die wesentlich niedrigeren Mengen übertragen, über die bei Mikrodosierung bzw. Lithiumorotat gesprochen wird? Könnten Sie die Grössenordnungen einmal gegenüberstellen: natürliche Aufnahme – Mikrodosierung – therapeutische psychiatrische Dosierung – toxischer Bereich? Mir würde diese Einordnung sehr helfen, weil ansonsten sehr unterschiedliche Expositionen unter demselben Begriff „Lithium“ zusammenfallen. Herzlichen Dank!
Michael Arand: Herzlichen Dank für Ihre sehr gute Frage! Die therapeutische Tagesdosierung von Lithium liegt bei ± 200 mg Lithium (2 Tabletten à jeweils 450 mg Lithiumcarbonat, bei dem Lithium einen Gewichtsanteil von ca. 20 Prozent hat). Die angebotenen Lithiumpräparate zur «Mikrodosierung» sind diesbezüglich schwieriger zu beurteilen, da die Angaben oft nicht eindeutig sind. Oft findet man Angaben wie «Lithiumorotat, 5 mg», ohne dass zu erkennen wäre ob die 5 mg den Lithiumgehalt oder den Lithiumorotatgehalt bezeichnen. Da der Gewichtsanteil von Lithium im Orotatsalz nur 5 Prozent beträgt macht das einen Unterschied von einem Faktor 20. Im Extremfall hätte man 5 mg Lithium, diese Dosierung fände ich für ein Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr ausreichend unbedenklich, da ich unerwünschte Langzeitwirkung nicht ausreichend sicher ausschliessen könnte. Wesentlich wahrscheinlicher liegt der Gehalt eines solchen Mittels jedoch bei 250 µg, das würde ich als komplett unbedenklich ansehen. Im Klartext: man sollte nur Präparate für die Mikrodosierung in Erwägung ziehen, bei denen der Lithiumgehalt eindeutig ausgewiesen ist. Pro Tag würde ich die zusätzliche Lithiumzunahme auf 1 mg begrenzen, dann ist man aus meiner Sicht auf der sicheren Seite.
Warum löst Lithium bei Verordnung von Bipolaren Störungen srarken Tremor in den Händen aus?
Eva-Maria Pichler: Der feine Tremor ist eine der häufigsten Nebenwirkungen und gehört zur Wirkung von Lithium auf das zentrale Nervensystem. Ganz genau verstanden ist der Mechanismus meines Wissens nicht, beteiligt sind vermutlich Einflüsse auf die Signalübertragung in Kleinhirn und Basalganglien, also den Regionen, die feine Bewegungen steuern. Praktisch wichtiger ist die Unterscheidung: Ein feines, gleichmässiges Zittern ist häufig und meist harmlos. Es nimmt oft zu bei Koffein, Stress oder in Kombi mit anderen Medikamenten, und es lässt sich durch Dosisanpassung oder eine andere Verteilung über den Tag häufig verbessern. Ein grobschlägiges, deutlich stärkeres Zittern ist dagegen ein Warnzeichen für einen zu hohen Spiegel und gehört rasch abgeklärt.
Guten Abend Die Frage, ob eine wässige Lithium Orotat Lösung 0,05%, die nicht zur Einnahme empfohlen wird, schädlich ist, haben Sie nicht beantwortet. Solche Lösungen können nämlich bei Supplement-Anbietern bestellt werden. Die Versuchung diese Lösung einzunehmen ist doch gross. Wofür sind diese Lösungen denn sonst. Wenn man in der Schweiz so zurückhaltend bleibt, ist es ja klar, dass man sich im Dschungel des Internets was bestellt und dann falsch dosiert!
Michael Arand: Bei dieser Lösung wird in der Regel von 0.05 Gewichtsprozent Lithium gesprochen, das sind 0.5 mg/ml, als wässrige Lösung. Bei Einnahme von 1 ml pro Tag ist man aus meiner Sicht im unbedenklichen Bereich. Die therapeutische Lithiumdosierung, bei der man aufgrund der bewiesenen antidepressiven Wirkung deutliche Nebenwirkungen in Kauf nimmt, da die Nutzen-Schaden-Relation klar positiv ist, liegt bei circa 200 mg Lithium pro Tag, also etwa 200x höher.
Kann Lithium auch nach einer Hirnverletzung mit Hirnblutung helfen
Eva-Maria Pichler: Dazu gibt es keine belastbaren Studien, Lithium ist keine Behandlung für die Folgen einer Hirnverletzung oder Hirnblutung. Wenn nach einer solchen Verletzung psychische Beschwerden auftreten, gehört das in die gemeinsame Beurteilung von Neurologie und Psychiatrie. Das lässt sich aus der Ferne leider nicht beantworten, und ich vermute, hinter Ihrer Frage steht mehr als reine Neugier.
Welche Schweizer Mineralwasser enthalten wieviel Lithium? Welches am Meisten und wieviel?
Eva-Maria Pichler: Eine verlässliche Übersicht habe ich nicht, die Analysenwerte stehen auf den Etiketten und in den Datenblättern der Abfüller. Ich nenne hier bewusst keine Rangliste, weil sie leicht als Dosierungsanleitung gelesen wird. Wichtiger scheint mir: Auch das lithiumreichste Mineralwasser liegt weit unter jeder therapeutischen Dosis.
Liebe «Experten» Ich forsche schon seit Jahren an einer sehr guten alternativen Lösung für Übermässiges Schwitzen. Meine Forschungsreihe (n=4) zeigt eindeutig, dass Lithium hier helfen kann. Wie erklären sie sich das in der klassischen Medizin?
Anton Gietl: Herzlichen Dank für Ihren Beitrag – mir ist aktuell keine plausible Erklärung bekannt. Zudem müsste ich Ihr Studiendesign noch besser verstehen. Ohne Dosis, Zielgruppe, Verblindung, Behandlungsdauer und Effektmass, kann ich keine Einschätzung abgeben.
Leide an Makula, bekomme regelmässig ins rechte Augespritze. Das linke Auge ist nicht mehr therapierbar. Ich habe Physio Neuropathie. Eine leichtere Form bis jetzt. Ich bin am abklären, Rückenbeschwerden im unteren wirbeln Und Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht und laufen. Leichte Vergesslichkeit.1939 Jahrgang
Eva-Maria Pichler: Danke, dass Sie schreiben. Das ist einiges, was da zusammenkommt, und ich kann mir vorstellen, dass es Sie im Alltag stark beschäftigt. Zum heutigen Thema kann ich Ihnen sagen: Für Lithium gibt es bei diesen Beschwerden keine Grundlage. Bei einer leichten Vergesslichkeit im höheren Alter lohnt sich aber ein Gespräch mit Ihrer Hausärztin, weil dahinter oft Behandelbares steckt. Der Punkt, der mich am meisten beschäftigt,sind Ihre Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht und dem Gehen. In Kombination mit dem eingeschränkten Sehen und der Polyneuropathie erhöht das Ihr Sturzrisiko. Dafür gibt es wirksame Hilfen: Physiotherapie mit Gleichgewichtstraining, eine Überprüfung Ihrer Medikamente und eine Abklärung der Sturzgefahr zu Hause. Das würde ich bei Ihrer nächsten Konsultation ansprechen.
Nach einem ARDS leide ich an kognitiven Einschränkungen. Arbeitsgedächtnis und Aufmerksamkeitsspanne sind stark eingeschränkt. Ich weiss oft plötzlich nicht, wo ich bin, kann das @ nicht finden oder weiss nicht, wie ein neues Mail öffnen- Dinge die im vollen Arbeitsleben funktioniert haben. Fatigue ist ein Thema. Kann es hier helfen/unterstützen?
Michael Arand: Bisher gibt es leider keine Befunde, die eine günstige Wirkung von Lithium auf ARDS beziehungsweise dessen Folgeerscheinungen zeigen. Im Gegenteil besteht der Verdacht, dass eine Lithiumüberdosierung ein ARDS auslösen kann.
Was ist der unterschied zwischen lithium orotat und kolloidalem lithium? Wie wäre die dosierung als supplement? Gibt es einnahmeempfehlungen z.b. auf leeren magen oder negative interaktionen mit anderen nährstoffen oder Lebensmitteln? Danke
Gregor Hasler: Von kolloidalem Lithium rate ich klar ab. Es ist kein wissenschaftlicher Begriff und es ist nicht klar, wie viel Lithium drinsteckt. Lithium-Orotat ist ein offizieller chemischer Begriff.
Ich möchte mich für die Doku bedanken und einfach nur sagen, dass ich selbst eine bipolare Störung habe und sehr froh bin dass ich Lithiofor habe. Mir geht es sehr viel besser damit! Wichtig finde ich noch zu sagen, dass es leider nicht bei allen auch gegen Depressionen wirkt. Ich brauche zusätzlich ein SSRI um weder Manie noch Depression zu haben.
Anton Gietl: Ich möchte mich auch bei Ihnen für Ihre Nachricht und Ihre wichtige Ergänzung bedanken. Solch positive Aussagen geben Zuversicht. Häufig braucht es eine Kombination um die Erkrankung wirklich optimal zu behandeln.
Ich habe mir ein Lithium-Produkt bestellt. Es handels sich dabei um Kolloidales Lithium mit 100 mg Lithium auf 1 Liter Wasser. Er ist aber nicht ausgewiesen, ob es sich um Lithium Orotat oder Karbonat handelt. Ist dies bei geringer Dosierung relevant?
Michael Arand: Leider muss ich sagen, dass ich mit dem Begriff «Kolloidales Lithium» wenig anzufangen vermag: reines Lithium selbst ist ein mit Wasser hochreaktives Metall, das man nicht als Kolloid in Wasser suspendieren kann, da es sofort heftig mit dem Wasser chemisch reagieren würde; die üblichen Lithiumsalze, in denen das Lithium als nicht mehr reaktives Kation vorliegt, lösen sich alle mühelos in Wasser. Ich weiss schlichtweg nicht, in welcher Form Lithium als Kolloid in Wasser vorliegen könnte und halte die Bezeichnung – vielleicht aus Unwissenheit – für einen «Werbetrick».
Von Naturärztin Lithium als Demenzproohylaxeemofohlen bekommen Medi wird in Apotheke hergestellt mit folgender Dosierung: LH Lithium 3mg (77.85 mg Lithiumorotat) Wie muss ich das verstehen Überdosiert wenn ich eine Tbl pro Tag nehme? Danke
Anton Gietl: Man muss zwischen dem Lithiumion und dem Orotation unterscheiden. Orotat ist als Ion relativ gross und daher schwerer. Die von Ihnen angegebene Menge wenn ich es korrekt verstehe enthält 3 mg Lithiumionen.