Quartier mit Ex-Bayerischen-Hof: Investor legt drei Modelle vor - Jury soll beraten, doch es gibt Kritik

Stand: 03.10.2026, 18:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Penzberg - Drei Varianten hat der Projektträger für eine Bebauung des Quartiers mit den Gebäuden des ehemaligen Bayerischen Hofs und des Café Ahammer vorgeschlagen. Die Modelle wurden diese Woche im Bauausschuss gezeigt. Zur Orientierung: Jeweils rechts ist der Stadtplatz, rechts unten das Rathaus zu sehen. 9/2026

Drei Varianten hat der Projektträger für eine Bebauung des Quartiers mit den Gebäuden des ehemaligen Bayerischen Hofs und des Café Ahammer vorgeschlagen. Die Modelle wurden diese Woche im Bauausschuss gezeigt. Zur Orientierung: Jeweils rechts ist der Stadtplatz und rechts unten das Rathaus zu sehen. © Wolfgang Schörner

Für eine Bebauung des Quartiers mit dem ehemaligen Bayerischen Hof und dem Café Ahammer in der Penzberger Innenstadt liegen jetzt drei Varianten vor. Eine Jury soll darüber beraten. Im Stadtrat gab es massive Kritik.

Penzberg – Gut eine Stunde debattierte der Penzberger Stadtrat diese Woche über das weitere Vorgehen bei der Bebauung des Innenstadt-Quartiers mit dem ehemaligen Bayerischen Hof und dem Café Ahammer. Dabei ging es um eine künftige Jury, die über drei Varianten beraten soll, die der Projektträger vorgelegt hat. Die Varianten selbst wurden inhaltlich nicht besprochen. Sie standen aber in Form von Modellen – quasi als „stumme Zeugen“ – auf einem Tisch im Sitzungssaal.

Penzberg - Ecke von Bahnhofstraße und Friedrich-Ebert-Straße - ehemaliger Bayerischer Hof - Für das Innenstadt-Areal mit dem ehemaligen Bayerischen Hof hat ein Projektträger bei der Stadt Penzberg eine Planung eingereicht, nach der dort ein Neubau entstehen würde. 10/2025

Das Innenstadt-Areal mit dem ehemaligen Bayerischen Hof will ein Projektträger neu bebauen. © Wolfgang Schörner

Bei den drei Modellen handelte es sich um Massenmodelle, die stark vereinfacht die Form, das Volumen und die Einbettung der geplanten Gebäude zeigen. Zur besseren Einschätzung sind auch der Stadtplatz und das Rathaus zu sehen. In einem Fall sind es drei parallel stehende Häuser, in den beiden anderen Fällen zwei Baukörper, einmal mit einem Gebäude in U-Form und Innenhof, das andere Mal mit einem fast rechteckigen Bau. Sie alle überragen das Rathaus. Angaben zu Höhe, Geschosszahl, Nutzung oder Fassaden fehlen. Nicht genannt wurde, welche Variante der Projektträger bevorzugt. Alle Modelle sehen aber den vom Stadtrat geforderten Durchgang von der Friedrich-Ebert-Straße zum Stadtplatz vor.

In der Stadtratssitzung ging es nicht um die Modelle selbst, sondern um das weitere Vorgehen. Das Stadtbauamt schlug vor, als nächsten Schritt eine Jury einzusetzen, die über die Varianten und die stadtplanerischen Kriterien berät. Es empfahl zudem, dass der Jury Vertreter der Fraktionen, Bürgermeister, Stadtbaumeister, Professor Martin Schirmer, der bereits Jury-Vorsitzender für das Investorenverfahren am „Park & Ride“-Areal neben dem Penzberger Bahnhof ist, und der Penzberger Architekt Thomas Grubert angehören.

Kritik an Fokus auf drei Modelle

Wohl war einem Großteil des Stadtrats aber nicht. Benno Arnstadt (SPD) riet für „dieses epochale Projekt“ zu einer „Supervision“, also einem Blick von oben, und „mehr Input“. SPD-Fraktionschefin Elke Zehetner empfahl, einen anderen Weg als die Auswahl unter drei Modellen zu finden, „ohne den Investor zu vergraulen“. Stadtbaumeister Justus Klement antwortete, dass zum Beispiel ein Architektenwettbewerb „ein erhebliches Maß an Input“ bedeuten würde, wozu aber die Stadt – so fügte er sinngemäß hinzu – finanziell nicht in der Lage ist und was das Projekt um Jahre verzögern würde. Er erinnerte auch daran, dass das Stadtbauamt vor einigen Jahren eine Planwerkstatt vorgeschlagen hatte, diese aber vom Stadtrat aus finanziellen Gründen abgesagt wurde.

Alexander Holm (PM), selbst Jurist für Stadtplanung und Baurecht, erklärte, dass seine Fraktion das Bauprojekt kritisch sehe. Er habe die Sorge, dass man sich auf eine der drei Varianten festnageln lasse. Holm plädierte für einen städtebaulichen Wettbewerb. „Es geht hier nicht um Schnelligkeit, sondern um Qualität und Nachhaltigkeit für folgende Generationen.“ Der Kritik schlossen sich die Grünen an. Es sei ein prägender Standort, sagte Kerstin Engel. „Deshalb sollten wir uns Zeit nehmen und davon wegkommen, dass Investoren unser Stadtbild bestimmen.“ Man müsse sich „proaktiv damit auseinandersetzen, was wir wollen, und den Investoren klare Vorgaben machen“. Falsch sei, wenn eine Jury „zwischen schrecklich, schrecklicher und am schrecklichsten entscheidet“.

BfP-Fraktionschef Armin Jabs warnte dagegen, dass man Investoren auch abschrecken könne. Es gebe schon jetzt kaum noch Investoren, die in Kleinstädten Geld in die Hand nehmen. „Wir können einen riesigen Anforderungskatalog vorlegen, aber dann sitzen wir in zehn Jahren so da wie heute, nur dass ein Geschäft nach dem anderen aufgibt und wir durch eine leere Innenstadt laufen.“

Warnung: Investoren nicht abschrecken

CSU-Fraktionschef Aleksandar Trifunovic sagte, man sollte froh sein, dass ein Investor in Penzberg bauen wolle. „Das ist natürlich kein Blankoscheck.“ Aber es sei legitim, ihn zu fragen, was er will und was für ihn wirtschaftlich funktioniert. „Dann können wir sagen, ob wir es gut oder schlecht finden, und gemeinsam mit ihm das Projekt entwickeln.“ Jack Eberl (SPD), Miteigentümer des ehemaligen Bayerischen Hofs, fügte an, man müsse sich auch die Außenwirkung vorstellen. „Machst Du was in Penzberg, wird Dir nicht die Hand gereicht, sondern draufgehauen.“

Am Ende einigte sich der Stadtrat dennoch darauf, die Jury einzusetzen. ließ aber die Besetzung offen. Ergänzt wurde der Beschluss damit, dass die Juryberatung über die drei Varianten „mit Überarbeitungsempfehlungen“ erfolgt. Die Entscheidung fiel einstimmig.