Radverkehr in Tegernsee: Stadt will neues Miteinander testen
Stand: 07.08.2026, 06:30 Uhr
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Wie kann Tegernsee die große Schar an Radfahrern durch die Stadt lenken? Nach vielen ergebnislosen Debatten scheint nun eine Lösung gefunden. Jetzt müssen nur noch die Behörden mitspielen.
Tegernsee – Dass ausgerechnet der Bürgermeister, Johannes Hagn (CSU), kürzlich von einem rücksichtslosen Radfahrer auf dem Gehsteig angefahren wurde, als er einen Fuß vor das Rathaus setzte, passt ins Bild: In der Ortsmitte von Tegernsee zwischen Seesauna und Schlossplatz leben Verkehrsteilnehmer gefährlich. Radfahrer benutzen Gehwege, wo sie es nicht dürften, oder mischen sich auf der Bundesstraße unter die Blechlawine, die oft nur stockend vorankommt. Seit 2022 diskutiert der Stadtrat über ein Radwegekonzept für die Ortsmitte und sucht mit Vertretern des Landratsamts und des für die Bundesstraße zuständigen Staatlichen Bauamts Rosenheim nach Lösungen. Doch das alles stockt.
Obwohl im März 2025 folgender Antrag beim Landratsamt gestellt wurde: Zwischen Hochfeldstraße und Schlossplatz soll Tempo 30 eingeführt und eine Piktogrammkette aufgebracht werden. Die nördliche Verkehrsinsel soll als sichere Überführung für nach Norden fahrende Radler verlängert werden. Zugleich soll eine Machbarkeitsstudie aufzeigen, ob ein einspuriger Einrichtungsradweg zwischen Seesauna und Marina möglich wäre.
Im November 2025 schoben die Grünen einen Antrag für diesen Einrichtungsradweg hinterher. Im Januar dieses Jahres kam die Antwort des Landratsamts: Eine Gesamtbetrachtung aller Tal-Gemeinden zu Tempo 30, hieß es darin, werde gerade erarbeitet. Das Ergebnis sei offen. „Und der Sachbearbeiter hat Anfang August die Stelle gewechselt, sein Posten ist nicht besetzt“, fügte Bürgermeister Hagn den Ausführungen von Bauamtsleiterin Bettina Koch jetzt im Stadtrat hinzu.
Damit nicht genug: Im April kam vom Landratsamt eine ergänzende Mitteilung, in der auf Dienstbesprechungen – hausintern, mit der Polizei und dem Bauamt – verwiesen wurde, und auf „erste dienstliche Abstimmungen“ mit dem neuen Landrat. Erst kürzlich sei diese interne Prüfung erfolgt mit folgendem Resümee: Tempo 30 in Verbindung mit einem Schutzstreifen auf der Bundesstraße wäre möglich. Für einen eigenen Radweg hingegen (Regelbreite zwei Meter plus 0,50 Meter Sicherheitsraum) müsste die Bundesstraße Richtung Osten verschoben werden. Der Gehweg zwischen den Aufgängen zur Prinz-Karl-Allee würde damit entfallen. Eine zeitnahe Umsetzung sei nicht möglich – wegen der Baumaßnahme Alpbachbrücke, die eine Umleitung über die B307 erfordert, wegen des Baus der Wasserleitung in der Münchner Straße 2027 und der geplanten Sanierung der B307 zwischen St. Quirin und Hochfeldstraße. Problematisch, so Koch, wäre auch der Wegfall von Parkplätzen an der Seesauna. 90 sind es aktuell, 62 wären es bei Verwirklichung eines Einrichtungsradwegs.
Bereits am 30. September 2024 hatte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Stellung bezogen und dazu geraten, „die Führung des Radverkehrs im Mischverkehr bei gleichzeitiger zulässiger Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h zu erproben“. Sprich: ein Miteinander zu testen, ohne großen baulichen Aufwand.
Genau dies wurde in der ausführlichen Debatte am Ratstisch dann auch favorisiert. „Lasst es uns ausprobieren, wir müssen Radfahrer und Fußgänger trennen und eine einfache Lösung anbieten“, war Hagns Meinung. „Die einzig schnelle Lösung, weil Fußgänger auf dem Gehweg sich dann den Platz nicht teilen müssen“, fand Rudolf Gritsch (CSU). „Unbedingt testen“, riet Florian Riethmüller (Bürgerliste), der sogar ausgerechnet hatte, „dass man bei Tempo 30 auch nur anderthalb Minuten länger braucht, wenn’s läuft.“
Auch wenn Marcus Staudacher (Grüne) dennoch für eine eigene Radspur plädierte, befahrbar nur in Nord-Süd-Richtung, und auch eine Lenkung des Radverkehrs über die Hochfeldstraße in der Debatte auftauchte: Am Ende blieben die Einführung von Tempo 30 für Autos und ein Miteinander auf der Straße als einzige kurzfristige Lösung. Ein Beschluss dazu wurde nicht gefasst, denn es heißt erneut: abwarten, was das Landratsamt sagt.
gr