Isar Aerospace erreicht den Weltraum: Neue Ära für deutsche Raumfahrt
Es ist für den Industrie- und Technologiestandort Deutschland ein Signal der Hoffnung: Die erste hierzulande entwickelte und gebaute Rakete hat am Samstagabend den Weltraum erreicht. Das Münchner Raumfahrtunternehmen Isar Aerospace hat sich trotz der vier fehlgeschlagenen Versuche in diesem Jahr nicht entmutigen lassen und kann sich nun über einen erfolgreichen Testflug freuen. Als Erfolg kann auch gewertet werden, dass unter anderem fünf wissenschaftliche Satelliten in Umlauf gebracht wurden.
Deutschland kann Raumfahrt, wie es Dorothee Bär, die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, in Reaktion darauf formulierte. Für Bundeskanzler Friedrich Merz bricht sogar eine neue Ära an. Zweifelsfrei hat Isar Aerospace ein wichtiges Signal für die deutsche und europäische Raumfahrt gesetzt. Doch darf das nicht über den enorm großen Nachholbedarf Europas hinwegtäuschen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Im vergangenen Jahr gab es in den Vereinigten Staaten 198 Raketenstarts und im Rest der Welt 124, hauptsächlich in China und Russland. Europa hingegen kam nur auf acht Raketenstarts.
Abhängigkeit verringern
Doch der Weltraum ist zu wichtig, als dass es sich Deutschland und Europa erlauben können, ihre Satelliten weiterhin über SpaceX, das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, ins All befördern zu lassen. Souveränität und Sicherheit setzen in Zukunft eine eigene Infrastruktur im Weltraum voraus. Das hat auch Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius verstanden, der bis zum Jahr 2030 in die Sicherheitsarchitektur im All 35 Milliarden Euro investieren will. Satelliten sind für die Verteidigung zwingend erforderlich, aber auch für Kommunikation, Navigation und Transport.
Es ist gut, wenn Deutschland hier schnell eigene Kapazitäten aufbaut. Dazu zählen vor allem eigene Raketenstartplätze. In Europa gibt es mit Andøya in Norwegen und Saxavord auf den schottischen Shetlandinseln nur zwei. Hier ist schnelles Handeln erforderlich. Denn der Abstand zu den USA oder zu China darf in der Raumfahrt nicht noch größer werden. Wollen Deutschland und Europa in Zukunft in der Weltpolitik eine wichtige Rolle spielen, müssen sie im Weltraum präsent sein.