RAM-Produktion für 2027 ist bereits komplett ausverkauft › Macerkopf
- Aug. 2026 | 19:33 Uhr | 0 Kommentare
Die weltweite Speicherkrise zieht sich länger hin als befürchtet. Laut Branchenquellen von DigiTimes haben die drei großen Hersteller von DRAM- und HBM-Speicher ihre gesamte Produktionskapazität für das Jahr 2027 bereits verkauft. Auch bei NAND-Flash sind die Kapazitäten fast vollständig vergeben. Spätestens Ende August sollen die letzten Verträge stehen. Für Apple und dessen Kunden bedeutet das, dass die ohnehin gestiegenen Gerätepreise weiter klettern werden.

Fotocredit: Apple
Rechenzentren verdrängen Smartphone-Hersteller
Auslöser der Knappheit ist der massive Ausbau von KI-Rechenzentren. Cloud-Anbieter zahlen für Speicherchips deutlich mehr als Smartphone- und PC-Hersteller und werden deshalb bevorzugt beliefert. Weil der Bau neuer Fabriken international rund drei Jahre dauert, in den USA sogar etwa fünf, lässt sich die Produktion nicht kurzfristig ausweiten. Einige Quellen rechnen damit, dass 2027 das härteste Jahr der gesamten Krise wird.
Die Hersteller selbst machen wenig Hoffnung auf Besserung. Micron-Chef Sanjay Mehrotra erklärte zuletzt, dass trotz aller Bemühungen nicht absehbar ist, wann das Angebot die Nachfrage wieder einholt. Samsung erwartet, dass sich die Engpässe 2027 gegenüber 2026 noch verschärfen und mindestens bis 2028 anhalten. SK-Hynix-Chef Kwak Noh-jung geht sogar davon aus, dass die Nachfrage bis über das Jahr 2030 hinaus über den verfügbaren Kapazitäten liegen wird. Alle drei Unternehmen fahren derzeit Rekordgewinne ein und verlangen von ihren Kunden Vorauszahlungen, unabhängig von bestehenden Langzeitverträgen.
Apple bezieht seinen Speicher von genau diesen drei Lieferanten und bekommt die Entwicklung entsprechend zu spüren. Tim Cook bezeichnete die Lage am Speichermarkt im jüngsten Earnings Call als Ausnahmezustand. Dem Bericht zufolge prüft Apple deshalb auch den Einkauf beim chinesischen Hersteller CXMT, der mit einem Weltmarktanteil von rund elf Prozent die Nummer vier der Branche ist. Das Pentagon stuft das Unternehmen allerdings wegen mutmaßlicher Verbindungen zum chinesischen Militär als Sicherheitsrisiko ein. Der Einkauf würde Apple lukrative Aufträge der US-Regierung kosten, weshalb Cook beim US-Präsidenten um eine Ausnahmegenehmigung wirbt. Angesichts des Widerstands im Kongress gelten die Chancen dafür als gering.
Für Kunden heißt das konkret, dass die iPhone-Preise im Herbst erneut steigen dürften. Laut Branchenexperten wäre ein Aufschlag in Höhe von 200 Dollar beim iPhone 18 Pro durchaus realistisch, nachdem Apple bereits in diesem Jahr bei mehreren Produkten die Preise angehoben hat. Mit einer Entspannung rechnet die Branche frühestens 2028, bei den Endkundenpreisen womöglich noch später.