Präsidentschaftswahl Frankreich: Raphaël Glucksmann gewinnt Vorwahl bei den Sozialdemokraten

Raphaël Glucksmann gewinnt die Vorwahl der französischen Sozialdemokraten

Frankreichs gemässigte Linke hat ihren Präsidentschaftskandidaten für 2027. Der Sozialdemokrat muss sich gegen starke Konkurrenz von rechts und links behaupten.

11.10.2026, 22.36 Uhr

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Raphaël Glucksmann nach seinem Sieg bei der Vorwahl der französischen Sozialdemokraten am Sonntagabend

Raphaël Glucksmann nach seinem Sieg bei der Vorwahl der französischen Sozialdemokraten am Sonntagabend

Mohammed Badra / EPA

Raphaël Glucksmann hat die Vorwahl der französischen Sozialdemokraten mit grossem Vorsprung gewonnen. Der 46-jährige Europaabgeordnete und Chef der Partei Place publique erhielt am Sonntag 66,2 Prozent der Stimmen und setzte sich damit bereits im ersten Wahlgang durch. Er wird nun für die Sozialisten und ihre Verbündeten bei der Präsidentschaftswahl im April 2027 antreten.

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Absage an Mélenchon

Für Olivier Faure, den Vorsitzenden des Parti socialiste (PS), bedeutet das Ergebnis eine schwere Niederlage. Er kam lediglich auf 14,5 Prozent. Die übrigen Bewerber, die frühere Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal und die Abgeordneten Emmanuel Maurel und Jérôme Guedj, landeten abgeschlagen dahinter. Gut 120 000 Parteimitglieder und registrierte Sympathisanten hatten sich an der Abstimmung beteiligt, die durch einen Cyberangriff beeinträchtigt worden war.

Glucksmanns Erfolg ist vor allem eine Richtungsentscheidung. Der Journalist und Dokumentarfilmer hatte sich gegen jegliche Zusammenarbeit mit der linksradikalen Partei La France insoumise (LFI) von Jean-Luc Mélenchon ausgesprochen. Faure dagegen wollte sich die Möglichkeit eines erneuten Linksbündnisses offenhalten.

«Es geht uns nicht darum, die Machtkämpfe innerhalb der Linken für uns zu entscheiden. Wir wollen die Präsidentschaftswahl gewinnen», erklärte Glucksmann am Sonntagabend. Er kündigte einen Bruch mit der Politik von Präsident Emmanuel Macron an und bezeichnete das rechtsnationale Rassemblement national (RN) von Marine Le Pen als seinen politischen Hauptgegner.

Glucksmann, Sohn des französischen Philosophen André Glucksmann, beriet früher den georgischen Präsidenten Micheil Saakaschwili. Seit 2019 sitzt er im Europaparlament. Seinen bisher grössten Wahlerfolg erzielte er 2024, als seine gemeinsame Liste mit den Sozialisten knapp 14 Prozent erreichte und stärkste Kraft der Linken wurde. Politisch vertritt er einen proeuropäischen Kurs und setzt sich entschieden für die Ukraine ein. Nach Macrons Auflösung des Parlaments unterstützte er das breite Linksbündnis Nouveau Front populaire, um einen Wahlsieg des RN zu verhindern. Inzwischen hat er sich von Mélenchon losgesagt, den er als «Le Pen der Linken» bezeichnete.

In den Umfragen weit zurück

Für den Einzug in die Stichwahl müsste Glucksmann über das sozialdemokratische Lager hinaus Wähler gewinnen, etwa bei den Grünen. Doch deren Vorsitzende Marine Tondelier wirft ihm vor, mit seiner Absage an ein Bündnis mit Mélenchon die Spaltung der Linken zu vertiefen. Zudem hält sich auch der frühere Präsident François Hollande noch immer eine eigene Kandidatur offen.

In den aktuellen Umfragen liegt Glucksmann deutlich hinter seinen wichtigsten Konkurrenten. Eine Anfang Oktober veröffentlichte Erhebung des Instituts Ifop sieht ihn bei elf Prozent, gegenüber 16 Prozent für Jean-Luc Mélenchon, 21 Prozent für den früheren Premierminister Édouard Philippe und 33 Prozent für Marine Le Pen.

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