„Rattendrohne“ orientiert sich durch künstliche Schnurrhaare
Stand: 22.09.2026, 22:00 Uhr
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Forscher der TU Delft haben einen Tastsensor für Drohnen entwickelt. Damit können die Fluggeräte Hindernisse ertasten, Oberflächen folgen und selbst bei völliger Dunkelheit ihre Umgebung erkunden.
Delft – Sie sieht fast aus wie ein Tier: An der Vorderseite der kleinen Drohne sitzen zwei künstliche Schnurrhaare, die bei Berührungen Informationen über die Umgebung liefern. In Versuchen konnte das Fluggerät damit durch vollständig dunkle Bereiche navigieren und sogar einen Ausgang finden.
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Entwickelt wurde das System von Forschern der Technischen Universität Delft. Vorbild sind die Tasthaare von Nagetieren, mit denen sich etwa Ratten auch in dunklen und unübersichtlichen Umgebungen zurechtfinden. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht.

Gedacht ist die Technik insbesondere für sehr kleine Drohnen mit einem Gewicht von weniger als 100 Gramm. Bei ihnen sind Gewicht, Energieversorgung und verfügbare Rechenleistung stark begrenzt. Sensoren wie Kameras, LiDAR oder Entfernungsmesser können zudem in Umgebungen mit schlechter Sicht an ihre Grenzen kommen – beispielsweise in verrauchten Gebäuden oder Höhlen.
Eigene Luftströmung wird zur Herausforderung
Die beiden künstlichen Schnurrhaare sollen eine besonders kompakte Alternative bieten. An der Basis jedes Tasthaars befinden sich drei kleine Drucksensoren. Berührt ein Schnurrhaar eine Oberfläche und verbiegt sich dabei, registriert das System die Veränderungen des Drucks.
Daraus lassen sich räumliche Informationen über die Kontaktstelle und die Entfernung zur Oberfläche ableiten. Eine Herausforderung waren dabei die Luftströmungen der eigenen Propeller. Sie können die Messungen der empfindlichen Sensoren verfälschen.
Forscher entwickelten deshalb eine Verarbeitungstechnik, die solche Störungen herausfiltert und die Berührungen in Echtzeit auswertet. Nach Angaben des Teams benötigt die Verarbeitung lediglich 34 Kilobyte Speicher. Die Berechnungen laufen direkt auf einem Mikrocontroller an Bord. Externe Rechner oder Positionierungssysteme sind für die Navigation demnach nicht erforderlich.
In Experimenten folgte die Drohne sowohl festen als auch weichen Oberflächen allein mithilfe ihrer Tastsensoren. Durch wiederholte Berührungen konnte sie zudem unbekannte Bereiche erfassen und daraus taktile Karten erstellen.
Die Forscher wollen damit zeigen, dass Berührung auch für sehr kleine autonome Fluggeräte als eigenständige Form der Wahrnehmung funktionieren kann. Gerade dort, wo Kameras wegen Dunkelheit, Staub oder Rauch wenig sehen, könnten künstliche Schnurrhaare der Drohne weiterhin Informationen über ihre unmittelbare Umgebung liefern.