Reaktionen auf Wahl in Sachsen-Anhalt: AfD-Chefs sehen "klaren Regierungsauftrag"
Stand: 06.09.2026 • 20:47 Uhr
Die AfD feiert ihren Wahlsieg in Sachsen-Anhalt überschwänglich. Die Parteichefs Weidel und Chrupalla sehen in Spitzenkandidat Siegmund den nächsten Ministerpräsidenten. Die CDU lehnt eine Koalition mit der AfD weiter ab.
Jubelschreie auf der AfD-Wahlparty um 18 Uhr: Die Partei hat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen historischen Sieg errungen. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund lag sich hinter den Kulissen der ARD-Wahlsendung mit den AfD-Parteichefs Alice Weidel und Tino Chrupalla in den Armen.
Vor laufenden Kameras sagte er dann: "Wir haben genau das geschafft, was wir schaffen wollten: Wir haben in diesem Land Geschichte geschrieben". Es brauche eine grundsätzliche politische Wende - und das Ergebnis sei auch "ein Zeichen in Richtung Berlin".
Ausgelassene Stimmung auf der Wahlparty der AfD: "Wir haben Geschichte geschrieben."
Ob die AfD eine absolute Mehrheit der Mandate im Landtag erreicht, ist derzeit noch unklar. Siegmund hatte vor der Wahl deutlich gemacht, dass er nur regieren wolle, wenn es für eine Alleinregierung der AfD reiche. Nach der Prognose erklärte er nun, er werde "immer allen Kräften die Hand ausstrecken, die mit uns eine grundsätzliche politische Kehrtwende in diesem Land herbeiführen möchten". Grundpositionen würde seine Partei dafür aber nicht aufgeben. "Es gibt Themen, die sind nicht verhandelbar."
AfD-Bundessprecherin Weidel wurde deutlicher: Sie sieht für ihre Partei einen klaren Regierungsauftrag in Sachsen-Anhalt. Die stärkste Partei habe immer den Auftrag, eine Regierung zu bilden, sagte Weidel. Und auch sie betonte: Die AfD sei gesprächsbereit, was Partner angehe.
Co-Chef Chrupalla sagte: "Ulrich Siegmund wird neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt." Er zeigte sich auch für eine Minderheitsregierung der AfD in Sachsen-Anhalt offen - eine solche Lösung lehnte Siegmund im ZDF aber ab.
CDU steht für keine Koalition mit AfD bereit
Im ZDF sagte Weidel, bei einer Zusammenarbeit denke sie "natürlich zuvorderst an die CDU oder Teile der CDU". Die Christdemokraten erteilten einer Koalition mit der AfD aber auch nach der Wahl eine klare Absage. CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann sagte: "Wir arbeiten nicht mit Extremen und vor allem nicht mit Rechtsextremen zusammen." Man arbeite mit niemandem zusammen, der "Institutionen, unser Land und unsere Bevölkerung" diffamiere.
Die AfD in Sachsen-Anhalt ist vom dortigen Verfassungsschutz seit 2023 als gesichert rechtsextrem eingestuft. Dagegen klagt der Landesverband, das Verfahren ist derzeit ausgesetzt. Spekulationen darüber, ob möglicherweise CDU-Abgeordnete auf die Seite der AfD wechseln könnten, wies Hoppermann zurück.
Könnte sich für die AfD eine Option der Zusammenarbeit mit dem BSW ergeben, wenn es die Fünf-Prozent-Hürde überwindet und in den Landtag einzieht? Spitzenkandidatin Claudia Wittig zeigte sich nach der Wahl offen für eine Zusammenarbeit in Sachfragen mit der AfD. Es wäre angesichts des Wahlerfolgs der AfD aus ihrer Sicht "völlig undemokratisch, sie nicht in irgendeiner Weise an der Regierung zu beteiligen", sagte sie in der ARD. BSW-Co-Parteichefin Amira Mohamed Ali erklärte - ähnlich wie Wittig -, das BSW werde weder Siegmund noch CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze zu einer Mehrheit als Ministerpräsident verhelfen.
Ministerpräsident Schulze: "Das ist Demokratie"
Mohamed Ali nannte das Ergebnis in Sachsen-Anhalt einen "herben Schlag ins Gesicht von Friedrich Merz". CDU-Generalsekretärin Hoppermann bezeichnete es als "Niederlage insgesamt für die Christdemokraten". Die CDU litt in Sachsen-Anhalt besonders unter der schlechter Bewertung der Bundespolitik, der ARD-Hochrechnung zufolge hat sich ihr Ergebnis im Vergleich zu 2021 etwa halbiert.
Als CDU-Spitzenkandidat Schulze die Niederlage am Abend einräumte, klagte er ebenfalls über die Folgen der Politik der Bundesregierung und des Kanzlers: "Wir hatten oft Gegenwind und das war nicht immer ganz einfach." Zudem verwies Schulze auf die deutlich gestiegene Wahlbeteiligung und den damit dennoch verbundenen klaren Sieg der AfD. "Ich sage, das ist Demokratie." Die Menschen hätten ein Zeichen gesetzt und damit müsse nun umgegangen werden - auch über Sachsen-Anhalt hinaus.
Hoppermann will keine Diskussion über Merz als Kanzler
Aber CDU-Generalsekretärin Hoppermann betonte, es beginne jetzt "keine Diskussion" über Friedrich Merz als Kanzler. Bundesregierung und Bundestag seien für vier Jahre gewählt. Der Staatsminister für Bund-Länder-Zusammenarbeit, CDU-Politiker Philipp Amthor, wies die Frage nach einer Verantwortung von Kanzler Merz zurück und warf Siegmund vor, nicht nur den Kanzler, sondern auch die Institutionen in Deutschland verächtlich gemacht zu haben. Mit einer solchen Partei könne die CDU nicht zusammenarbeiten.
Wie bedeutend das Ergebnis aber für die Bundesregierung ist, war schon am Nachmittagsprogramm des Kanzlers zu erkennen: Statt die Landtagswahl - wie sonst üblich - am Montag nachzubesprechen, kam das CDU-Präsidium schon heute ab 16 Uhr im Konrad-Adenauer-Haus zusammen.
Folgen für Reformkurs im Bund?
Kanzleramtsministerin Nina Warken sprach am Abend von einer "Zäsur" für die CDU. Der für den Herbst angekündigte Reformkurs der schwarz-roten Koalition wird laut Warken dennoch entschlossen angegangen. "Unser Land steht vor großen Herausforderungen." Die Bundesregierung habe wichtige Reformen anzugehen. Die positiven Auswirkungen würden aber erst noch spürbar werden.
SPD-Co-Chef Lars Klingbeil wertete die Zahlen aus Sachsen-Anhalt als "Signal an Berlin". Die Menschen seien unzufrieden mit dem Reformkurs. Das Ergebnis sei ein Grund, über die Politik der Bundesregierung nachzudenken.
Von Angern zur Wahl eines CDU-Ministerpräsidenten bereit
Der amtierende Ministerpräsident Schulze ließ nach der Wahl noch offen, wie es mit der CDU im Land weitergeht. Für die mögliche Wahl eines CDU-Ministerpräsidenten würden auch Stimmen der Linken gebraucht. Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern betonte, dass sie dazu bereit sei - wie "schon vor der Wahl". Sie wolle Demokratie verteidigen, weil sie Minderheiten schütze.
Allen sei "bewusst, dass wir vor einer großen Aufgabe stehen". Von Angern bezeichnete den Wahltag in der ARD-Wahlsendung als "schwarzen Tag für Sachsen-Anhalt". Das beziehe sich nicht nur auf das Ergebnis der Linken, sondern auf die Folgen, die das Ergebnis für Sachsen-Anhalt haben könne.
Gemischte Gefühle bei den Grünen
Bei den Grünen herrschen nach den Hochrechnungen gemischte Gefühle - im Vergleich zur Wahl 2021 hat die Partei sogar Prozentpunkte gutgemacht. Es würden zwei Herzen in seiner Brust schlagen, sagte der Grünen-Bundesvorsitzende Felix Banaszak. Er reagierte bestürzt auf den Stimmenzuwachs der AfD - aber das aller Voraussicht nach beste Wahlergebnis der Grünen "in der Geschichte von Sachsen-Anhalt" wertete er als Auftrag zur Verhinderung einer AfD-Alleinregierung.
Betrübte Gesichter waren nach den Hochrechnungen bei der FDP zu sehen: Nach dem verpassten Wiedereinzug in den Landtag kündigte Sachsen-Anhalts FDP-Landesvorsitzende Lydia Hüskens ihren Rücktritt an.