Drohnen nahe polnischer Grenze, Kampfjets in der Luft: Tusk warnt vor „kritischstem Moment“ im Ukraine-Krieg

„Reales Risiko“: Tusk rechnet mit baldigen russischen Angriffen auf NATO-Ostflanke

Stand: 19.09.2026, 07:39 Uhr

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Tusk warnt vor russischen Angriffen auf die NATO-Ostflanke. Doch Polen hat offenbar ein Ass im Ärmel, das Putin gar nicht gefallen dürfte.

Warschau – Der polnische Ministerpräsident Donald Tusk hat vor dem Parlament in Warschau eindringlich vor russischen Angriffen auf Verbündete der Ukraine gewarnt. Nach Geheimdienstinformationen plane Russland demnach „hybride Angriffe“ auf Länder, die die Ukraine unterstützen – darunter Polen.

Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat vor russischen Angriffen gewarnt. (Archivfoto)

Polens Ministerpräsident Donald Tusk hat vor russischen Angriffen gewarnt. (Archivfoto) © Marek Ladzinski/dpa/ZUMA Press Wire

Die Warnung fiel auf einen Tag, an dem russische Drohnen bereits nahe der polnischen Grenze eingeschlagen hatten. Zuvor drohte der russische Sicherheitsbeamte Nikolai Patrushev in einem Interview, dass Polen im Konfliktfall innerhalb von zwei bis drei Tagen ausgelöscht werden könnte.

„Reales Risiko“ für russische Angriffe auf die NATO-Ostflanke

Tusk beschrieb vor dem Sejm ein konkretes Bedrohungsszenario: Russland könnte Drohnen und Raketen auf das Gebiet von NATO-Staaten an der Ostflanke des Bündnisses stürzen lassen. Es bestehe ein „reales Risiko“, dass solche Vorfälle zu Zerstörungen führten. Moskaus offizielle Reaktion werde dabei stets dieselbe sein: „dass es sich um einen Unfall handelt“, sagte Tusk. Das eigentliche Ziel hinter dieser Strategie sei es, den Zusammenhalt innerhalb der NATO zu untergraben.

Die Warnung kam nicht ohne konkreten Anlass. Am Donnerstagmorgen hatten russische Drohnen in der Nähe des ukrainischen Grenzübergangs Jahodyn angegriffen, der direkt an Polen grenzt. Der Vorfall löste auf polnischer Seite Luftalarm aus, Kampfjets stiegen auf. Noch am Abend waren erneut polnische Militärflugzeuge in der Luft, nachdem russische Drohnen über der Ukraine gemeldet worden waren, wie das Einsatzkommando der polnischen Streitkräfte mitteilte.

Drohnenvorfälle in osteuropäischen NATO-Ländern häufen sich seit Monaten. Polen, das an die russische Exklave Kaliningrad, das mit Russland verbündete Belarus und die Ukraine grenzt, meldete bereits mehrfach solche Ereignisse. Auch die baltischen Staaten sind regelmäßig betroffen; im Mai stürzten zwei aus Russland kommende Drohnen in Lettland ab.

Tusk erwartet „kritischsten Moment“ im Ukraine-Krieg

Tusk sprach darüber hinaus von einem bevorstehenden Wendepunkt im Ukraine-Krieg. Geheimdiensteinschätzungen zufolge sei für Spätherbst und Winter „der kritischste Moment im bisherigen russisch-ukrainischen Krieg“ zu erwarten. Russland könnte in dieser Phase seine Angriffe sowohl auf die Ukraine als auch auf deren Unterstützerstaaten deutlich intensivieren. Polen gilt dabei als besonders gefährdet: Das EU- und NATO-Mitglied ist ein zentraler Umschlagsort für militärische und humanitäre Hilfsgüter, die Verbündete in die Ukraine liefern.

Für Freitag kündigte Tusk einen Besuch in der Ukraine an, um mit Präsident Wolodymyr Selenskyj zu sprechen. Im Mittelpunkt der Gespräche soll die Energieversorgung der Ukraine stehen, die durch russische Angriffe zunehmend unter Druck gerät.

Abschreckung gegen Putin: Neuer US-Stützpunkt in Polen geplant

Derweil befinden sich Polen und die USA in fortgeschrittenen Gesprächen über die Einrichtung eines permanenten US-Armeestützpunkts auf polnischem Boden. US-Präsident Donald Trump erklärte am Donnerstag auf seiner Plattform Truth Social, dank der „entschlossenen Führung“ des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki würden „große Fortschritte“ erzielt.

Die ausgebaute US-Präsenz an der NATO-Ostflanke könnte Wladimir Putin weiter abschrecken. Zbigniew Bogucki, Chef der Kanzlei des polnischen Präsidenten, nannte Trumps Ankündigung laut Reuters nicht umsonst „großartige Neuigkeiten für Polen“ – auch mit Blick auf den symbolischen Zeitpunkt: Der 17. September markiert den 87. Jahrestag des sowjetischen Einmarsches in Polen. (Quellen: dpa, AFP, Reuters, frühere Berichterstattung) (nak)