Türken kaufen fingierte Strafanzeigen, um in Deutschland leichter Asyl zu bekommen
Stand: 21.10.2026, 08:18 Uhr
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Asylbewerber aus der Türkei zahlen laut einer Recherche Tausende Euro für Strafanzeigen in ihrer Heimat, um in Deutschland ihre Chancen auf Asyl zu erhöhen.
Die Vorwürfe gegen einen Teil der Asylbewerber aus der Türkei wiegen schwer: Nach Recherchen der Wochenzeitung Die Zeit zahlen Schutzsuchende gezielt für erfundene Ermittlungsverfahren in ihrer Heimat, um bei den deutschen Behörden eine angebliche politische Verfolgung nachzuweisen und ihre Chancen auf Asyl zu erhöhen. Komplettpakete inklusive Schleusung nach Deutschland beginnen laut dem Bericht bei 6.000 Euro. Betrieben werde das Geschäft vor allem über Plattformen wie Telegram und TikTok.

Die Recherche legt ein systematisches Vorgehen offen: Zunächst veröffentlichen Interessenten in den sozialen Netzwerken einen Beitrag, in dem der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan kritisiert oder beleidigt wird – ein Tatbestand, der in der Türkei strafrechtlich verfolgt wird. Ein bestochener Staatsanwalt nimmt diesen Beitrag anschließend als Anlass, um ein offizielles Ermittlungsverfahren einzuleiten.
Offenbar Betrugssystem bei Asylanträgen aus der Türkei: Strafanzeige soll Vorteile bringen
Dieses Verfahren wird regulär in der Datenbank „Uyap“ des türkischen Justizministeriums erfasst. In dem System sind Verfahren, Anklagen und Urteile aus dem ganzen Land gespeichert. Über das staatliche Onlineportal E-Devlet können Bürger ihre eigenen Akten abrufen. Vor dem deutschen Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) rufen Asylsuchende die echten Einträge auf dem Handy auf, um eine angebliche Verfolgung in der Türkei zu belegen.
Reporter der Zeit gaben sich bei Anbietern verdeckt als Kunden aus. Das Ergebnis: Einer der Dienstleister bot ein fingiertes Verfahren samt Hausdurchsuchung und Anklage für 800 Euro an und versprach eine sichere Aufenthaltserlaubnis. Andere Anbieter verkauften Komplettpakete inklusive Schleusung nach Deutschland für mindestens 6.000 Euro. Einer der Anbieter riet jedoch auch an und warnte vor ernsten Problemen bei einer Rückkehr in die Türkei.
Gekaufte Strafanzeigen stellen BAMF vor Probleme – Masche schadet ehrlichen Asylbewerbern
Dem Bamf waren Manipulationen rund um „Uyap“ laut Welt bislang vor allem durch gefälschte Nachbauten der Internetseite bekannt. Dass nun offenbar echte Justizeinträge gekauft werden, stellt Behörden vor neue Herausforderungen bei den Sicherheitsprüfungen bei Asylantragstellern. Die Behörde betonte, jeden Asylantrag weiterhin im Einzelfall sorgfältig zu prüfen.
Der Frankfurter Gutachter Kamil Taylan warnt zugleich davor, dass die Masche ehrlichen Antragstellern aus der Türkei schaden könnte, die weiterhin die Mehrheit ausmachen: Ihnen drohe nun pauschales Misstrauen.
Asylanträge aus der Türkei steigen – Deutschland gewährt aber nur wenigen Schutz
Seit 2022 gehört die Türkei laut Mediendienst Integration zu den Top-3-Herkunftsländern bei Asylanträgen, mit einem Höhepunkt im Jahr 2023, als über 61.000 Türkinnen und Türken einen Asyl-Erstantrag stellten. Als Gründe für den Anstieg der Asylanträge nennt das Portal die politischen Entwicklungen seit dem gescheiterten Putschversuch 2016 und die politische Verfolgung verschiedener Gruppen unter dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.
Hinzu komme eine wirtschaftliche Krise mit hoher Inflation. Ein Großteil der Antragsteller waren zuletzt Kurdinnen und Kurden: 2025 kamen 65 Prozent der Erstanträge aus der Türkei von Kurden, 2024 waren es 73 Prozent.
Asylbewerber aus der Türkei in Bayern – nur wenigen wird Schutz gewährt
Nur wenige Asylanträge von Personen aus der Türkei sind jedoch erfolgreich: Die bereinigte Schutzquote lag 2025 bei zehn Prozent; formelle Entscheidungen sind darin nicht enthalten. Unter Kanzler Friedrich Merz (CDU) wurden außerdem auch Abschiebungen in die Türkei forciert.
Auch in Bayern war die Türkei im ersten Halbjahr 2024 mit 2.408 Erstanträgen das dritthäufigste Herkunftsland bei Asylbewerbern, nach Syrien mit 6.436 und Afghanistan mit 3.686 Anträgen. Während Schutzsuchende aus Syrien (86 %) und Afghanistan (78,2 %) hohe Anerkennungsquoten erzielten, lag die Quote positiver BAMF-Bescheide für Personen aus der Türkei in Bayern bei lediglich 6,1 Prozent. Da die überwiegende Mehrheit der Anträge abgelehnt wird, klagen viele Betroffene gegen die BAMF‑Bescheide. (Quellen: Die Zeit, Welt, Mediendienst Integration, frühere Berichterstattung) (smu)