Rehböcke verfolgen Ricken tagelang – und verlieren dabei ihre Vorsicht
Stand: 19.07.2026, 20:41 Uhr
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Während der Blattzeit folgen Rehböcke den Weibchen oft über Stunden oder Tage. Dabei überqueren die Tiere Straßen völlig unvermittelt – auch tagsüber.
Wetteraukreis – Der in Bad Nauheim ansässige Landesjagdverband (LJV) Hessen appelliert an Verkehrsteilnehmer, gerade in diesen Wochen verstärkt mit Rehen zu rechnen, die Straßen überqueren. Grund dafür ist die Paarungszeit, die im Jagd-Jargon auch Blattzeit genannt wird. „Während der Blattzeit folgen Rehböcke den Ricken oft mit großer Ausdauer. Dabei verlieren die Tiere einen Teil ihrer sonst ausgeprägten Vorsicht und überqueren Straßen häufig völlig unvermittelt“, macht LJV-Pressesprecher Markus Stifter deutlich.
Wie man richtig handelt
„Aufgrund der anhaltend hohen Temperaturen haben Jäger aus verschiedenen Landesteilen bereits erste Beobachtungen gemacht, dass das Paarungsgeschehen regional früher eingesetzt haben könnte. Je nach Witterung und Landschaft kann sich der Beginn der Blattzeit jedoch unterscheiden. Während sie in wärmeren Regionen Südhessens bereits in vollem Gange sein kann, setzt sie in kühleren Landesteilen häufig etwas später ein“, heißt es in der Pressemitteilung. „Für Autofahrer bedeutet das: Jetzt ist besondere Aufmerksamkeit gefragt. Rehe überqueren in dieser Zeit deutlich häufiger Straßen und das längst nicht nur in der Morgen- und Abenddämmerung, sondern auch tagsüber. Vor allem auf Landstraßen entlang von Wäldern, Wiesen und Feldern steigt das Risiko von Wildunfällen deutlich an.“ Der LJV appelliert an alle Verkehrsteilnehmer, ihre Geschwindigkeit anzupassen und jederzeit mit plötzlich wechselndem Wild zu rechnen.
Tauche plötzlich ein Reh auf der Fahrbahn auf, gelte es, das Fernlicht auszuschalten, kontrolliert abzubremsen, zu hupen und das Lenkrad festzuhalten. Von riskanten Ausweichmanövern rät der Landesjagdverband Hessen ausdrücklich ab. „Der Zusammenstoß mit einem Reh ist oft weniger folgenschwer als ein unkontrolliertes Ausweichmanöver in den Gegenverkehr oder gegen einen Baum“, macht Stifter deutlich. „Eine kontrollierte Vollbremsung ist in den meisten Fällen die sicherste Reaktion.“
Faszinierendes Naturschauspiel
Komme es dennoch zu einem Wildunfall, sollte zunächst die Unfallstelle abgesichert und anschließend die Polizei unter der 110 verständigt werden. „Verletzte Wildtiere dürfen weder angefasst noch eigenständig verfolgt werden“, schreibt der LJV. Laufe das Reh nach dem Zusammenstoß davon, helfe es, die Fluchtrichtung deutlich zu markieren, beispielsweise mit einem Taschentuch, einer Einkaufstüte oder einem Einmalhandschuh am Straßenrand. So könne der zuständige Jäger das verletzte Tier schneller auffinden und unnötiges Leiden vermeiden.
Die Blattzeit gehöre zu den eindrucksvollsten Naturereignissen des heimischen Sommers, schreibt der LJV. „Rehböcke treiben die Ricken oft über Stunden oder sogar Tage hinweg durch Wiesen und Waldränder. Dabei entstehen nicht selten kreisförmige Laufspuren im Gras, die sogenannten Hexenringe. Sie gelten als sichtbares Zeichen dafür, dass hier ein Rehbock erfolgreich um eine Ricke geworben hat.“ Wer dieses besondere Naturschauspiel beobachten wolle, sollte ausreichend Abstand halten und die Tiere keinesfalls stören. Mit etwas Glück lasse sich das Verhalten des Rehwildes aus sicherer Entfernung beobachten.
Wie Jochen Gottwalz, Jagdaufseher in der Gemarkung Friedberg-Bauernheim, sagt, finde der Wildwechsel unabhängig davon statt, ob die Straße durch einen Wald führt oder sich links und rechts von ihr Felder erstrecken. Gerade bei abgeernteten Feldern seien die Tiere aber natürlich eher zu erkennen. Wetterauer Gebiete, die ein Reh-Hotspot wären, kann Gottwalz nicht nennen. „Das kann jetzt überall sein. Man sollte die Straßenränder beobachten.“ Etwa bis Mitte August dauere die Paarungszeit bei den Rehen noch an.