Jeder hat es in der Küche, aber diese Stadt versinkt dadurch

Reich durch Salz: Warum diese Stadt bei Hamburg immer mehr versinkt

Stand: 25.07.2026, 12:00 Uhr

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Jeder hat es in der Küche, eine norddeutsche Stadt wurde damit steinreich und zahlt seit Jahrhunderten einen zerstörerischen Preis, den man mit eigenen Augen sieht.

Lüneburg in Niedersachsen verdankt seinen Glanz weißen Körnchen. Im Mittelalter war Salz im Norden Europas so selten und so kostbar, dass es denselben Namen trug wie das edelste aller Metalle: weißes Gold. Ohne das lebensnotwendige Salz kein haltbarer Hering, kein Fleisch für den Winter. Lüneburg besaß davon mehr als irgendjemand sonst im Ostseeraum und baute darauf eine der mächtigsten Städte Norddeutschlands auf. Was der Untergrund unter Lüneburg dafür verlangte, zeigt sich noch heute.

Die Altstadt von Lüneburg, Platz Stintmarkt am Fluss Ilmenau, historisches Hafenviertel, viele Restaurants

Lüneburg wurde durch Salz im 16. Jahrhundert eine der reichsten Handelsstädte in Nordeuropa. © Jochen Tack via www.imago-images.de

Unter Lüneburgs Altstadt liegt ein gewaltiger Salzstock, der fast bis an die Erdoberfläche reicht. Über tausend Jahre lang pumpten die Lüneburger hochkonzentrierte Sole, also 26-prozentiges Salzwasser, aus dem Boden. In Siedepfannen verkochten sie es zu reinem Salz. Das Grundwasser löste den Salzstock dabei von unten auf, unterirdische Hohlräume entstanden, das Deckgebirge brach ein. Lüneburg versank. Nicht im Meer, sondern in sich selbst. Teile der Altstadt tun es bis heute.

Salz frisst sich durch den Boden, Lüneburg versinkt jährlich um 13 Zentimeter

Die Folgen der Soleförderung sind bis heute sichtbar: Ganze Häuserzeilen gerieten in Schieflage, Fensterrahmen verzogen sich, Türen ließen sich nicht mehr schließen. Die Michaeliskirche steht heute sichtbar schief, die Marienkirche traf es noch härter: Sie musste im 19. Jahrhundert wegen Einsturzgefahr vollständig abgerissen werden. An manchen Stellen sinkt der Boden noch immer um bis zu 13 Zentimeter pro Jahr. An 240 Messpunkten überwacht die Stadt den Untergrund, alle zwei Jahre, mit Laser- und Satellitenmessungen. Aufgehört hat das Absinken nie.

Im Jahr 1980 stellte Lüneburg die Salzförderung ein, die Produktion war schlicht nicht mehr wirtschaftlich. Doch die Hohlräume im Untergrund blieben. In der Straße Auf dem Meere etwa stieg man früher drei Stufen zur Eingangstür hinauf, heute steigt man eine hinab. Das gesamte Senkungsviertel rund um die Michaeliskirche ist heute eine Sehenswürdigkeit.

In Lüneburg werden Salz und Versinken zur Sehenswürdigkeit für Ausflüge

Wer das Phänomen verstehen will, findet im Deutschen Salzmuseum den besten Einstieg. Es steht auf dem Gelände der alten Saline und zeigt, wie aus dem weißen Gold eines der mächtigsten Handelssysteme Nordeuropas wurde. Draußen, auf dem holprigen Pflaster des Senkungsviertels, sieht man dann, was es gekostet hat. Wellige Straßen, schiefe Fassaden, Haustüren, die nie mehr ganz gerade hängen werden. Eine Stadt, die ihren eigenen Reichtum bezahlt. In dieser Stadt gibt es auch ein sehenswertes Salzmuseum.

Die Legende vom Wildschwein

Begonnen hat das alles, der Legende nach, mit einem weißen Wildschwein. 956 sollen Jäger ein Tier erlegt haben, das sich in einem salzigen Sumpf gewälzt hatte. Die Borsten glitzerten vor Salzkristallen. Die Knochen dieses Schweins hängen bis heute an der Decke der Alten Kanzlei im Rathaus, wie Monumente Online berichtet. Im selben Jahr wurde die Saline urkundlich erstmals erwähnt. Über tausend Jahre Salzabbau begannen mit einem Tier, das im Schlamm lag.

Wer die Sülfmeister verstehen will, jene mächtige Salzaristokratie, die den Lüneburger Stadtrat stellte und den gesamten Nordeuropahandel mitbestimmte, erfährt deren Geschichte beim nächsten Ausflug in die Hansestadt. Hier gibt es noch mehr Altstädte mit einzigartigem Flair.