Reinhard Mey knackt mit 83 Jahren einen Rekord – kein deutscher Künstler war je älter an der Spitze

Stand: 05.10.2026, 14:00 Uhr

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Seit 40 Jahren hat Reinhard Mey sein jeweils neuestes Album stets im Monat Mai veröffentlicht. Sein neuestes Werk „Schatzhauser“ aber erschien am 25. September. Es ist auch sonst außergewöhnlich.

Baden-Baden – „Aus heiterem Himmel hat es noch einmal eine Nr. 1 auf mich geregnet. Ich freue mich und danke Euch allen, die Ihr mir diese Freude macht.“ Liedermacher Reinhard Mey (83) zeigt sich auf seiner Internetseite überrascht. Mit seinem neuen, am 25. September herausgebrachten Album „Schatzhauser“ hat er Platz eins der deutschen Albumcharts erobert.

Artikel der KNA

Dieser Beitrag stammt von der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

„Kein deutscher Künstler war jemals älter, als ihm dieses Kunststück gelang“, schreibt die Bild. Es sei insgesamt das fünfte Mal, dass Mey diese Position erreicht. Fast genau vor einem Jahr war der Liedermacher schon einmal in den Single-Charts gelandet – unfreiwillig und mit seinem aus dem Jahr 1970 stammenden Song „In meinem Garten“.

Reinhard Mey mit Gitarre auf der Bühne.

Reinhard Meys neues Album „Schatzhauser“ steht an der Spitze der Charts. © Gerald Matzka/dpa

Rapper Haftbefehl hatte Meys Lied über die Furcht vor dem Verlust einer Liebe in seinem Dokumentarfilm „Babo: The Haftbefehl Story“ mit brüchiger Stimme mitgesungen – und Mey damit einen unvorhersehbaren Erfolg beschert.

Melancholische Themen

Der Song findet sich jetzt auch im Album „Schatzhauser“ wieder. Das Spätwerk widmet sich melancholischen, aber auch hoffnungsvollen Themen rund um die Lebensbilanz, das Altern und das Verzeihen.

Erstmals in seiner fast 60-jährigen Karriere hat der Liedermacher ein Album komplett alleine im Studio aufgenommen – nur mit seiner Stimme und seiner Gitarre, ganz ohne Orchester oder andere Musiker. „Das ist eine Freiheit, die man sonst nicht hat“, sagte Mey dazu in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Und berichtete von seinem Traum, „noch einmal nur mit der Gitarre an die Plätze zu gehen, an denen ich angefangen habe. Vielleicht der Wunsch, die Illusion, noch einmal jung zu sein.“

Tod und Vergänglichkeit

Der Albumtitel bezieht sich auf den Waldgeist aus Wilhelm Hauffs Märchen „Das kalte Herz“, der nur „Sonntagskindern“ Wünsche erfüllt. Mey sagte dazu, dass er zwar an einem Montag geboren wurde, der Schatzhauser dies aber hoffentlich „nochmal als Sonntag durchgehen lässt“ - eine Metapher für Dankbarkeit und den Wunsch, geistig noch einmal von vorne anzufangen.

Ein zentrales Thema des Albums sind Tod und Vergänglichkeit und die anhaltende Trauer um seinen Sohn Maximilian. 2009 war Meys damals 27-jähriger Sohn Maximilian wegen verschleppter Lungenentzündung in ein Koma gefallen; er starb 2014.

„Musik empfinde ich als eine Wunderarznei, die in ausweglosen Situationen noch hilft“, sagt der Liedermacher dazu. „Wenn es wirklich nicht mehr weitergeht, dann nehme ich mir die Gitarre und singe etwas vor mich hin.“

Reinhard Mey zitiert Psalm 23

Auch religiöse Anspielungen finden sich in „Schatzhauser“: Ein Song klingt wie ein Choral, in einem anderen zitiert Mey Psalm 23 (Der Herr ist mein Hirte). Ihm gefalle die Vorstellung, in „Gottes Hand“ aufgehoben zu sein, sagte Mey im Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

„Ich bin bekennender Agnostiker, weil ich nicht weiß, wie es weitergeht. Aber auch für einen finsteren Heiden ist das eine schöne Vorstellung: Es kann dir gar nichts passieren, du liegst in Gottes Hand.“

Der gebürtige Berliner mit der großen Liebe zu Frankreich und französischen Chansons hat mehr als 60 Alben veröffentlicht, darunter 30 Studioalben und 20 Live-Alben, und mehr als 500 Lieder aufgenommen. Mehr als 20 Millionen Tonträger hat er verkauft.

Starke Affinität zu Frankreich

Der am 21. Dezember 1942 in Berlin geborene Mey absolvierte zunächst eine Ausbildung als Industriekaufmann. Seine Musiker-Karriere begann er in den 60er Jahren in Frankreich als Frederik Mey. In Deutschland trat er zunächst vor allem in West-Berliner Szene-Lokalen auf.

Den Durchbruch beim Massenpublikum brachte ihm 1971 der Song „Der Mörder ist immer der Gärtner“. Seine erfolgreichste Veröffentlichung ist das Album „Mein Apfelbäumchen“ mit über 775.000 verkauften Einheiten. Zu seinen späteren Erfolgen gehören Songs wie „Ankomme Freitag, den 13.“, „Diplomatenjagd“ und „Gute Nacht Freunde, es wird Zeit für mich zu geh’n“.

Den größten Hit landete der leidenschaftliche Amateurpilot, der mehr als 30 Jahre auf der Nordseeinsel Sylt lebte, mit dem Evergreen „Über den Wolken“ von 1974.