Reiten mit Behinderung: Mit ihrer Querschnittslähmung sitzt Annika wieder im Sattel.

In Aachen sind zurzeit die Reit-Weltmeisterschaften. Eine der sechs Disziplinen ist Para-Dressurreiten, es sind Reiter mit Behinderungen ganz unterschiedlicher Art. Annika Brunkhorst ist noch lange nicht so weit, an einem Turnier teilzunehmen, aber sie hat durch ihr Pferd wieder eine Perspektive für ihr Leben gefunden.

Portrait von Para-Dressur-Reiterin Annika Brunkhorst
"Ja, es kostet unfassbar viel Mut aufzusteigen, jedes Mal wieder, das wäre gelogen, wenn ich etwas anderes sagen würde.“ Annika Brunkhorst

Mit dem Rollstuhl in die Pferde-Box

Es ist erst 14 Monate her, seit Annika im Rollstuhl sitzt. Reiten war schon immer ihre Leidenschaft und San Tiano gehört ihr schon seit ein paar Jahren. Sie geht so normal mit ihm um, wie es ihr möglich ist. "Klar, in neuen Situationen bin ich vorsichtig, weil es einfach so ist, dass ich nicht so schnell beiseite bin wie ein gesunder Mensch. Ja und er macht das unfassbar gut mit, ich habe das Gefühl, er achtet total gut auf mich."

Die Behinderung ist auch neu für das Pferd

Das Pferd zu putzen aus dem Rollstuhl heraus klappt gut. Wenn sie San Tiano aber das Zaumzeug anlegt, dann ist der Kopf doch ziemlich hoch. Im Paralympischen Trainingszentrum in Frechen lernt nicht nur Annika, mit der Situation umzugehen, auch das Pferd muss sich an den Rollstuhl gewöhnen. Mit ein paar Leckerli wird er belohnt, wenn er den Kopf sehr weit zu Annika herunter nimmt. Und San Tiano macht bereitwillig mit.

Zunächst war Annika das erste halbe Jahr in einer Klinik, das Thema Reiten hatte sie damals völlig ausgeblendet. „Also das war für mich weggesperrt, ich habe gedacht, es ist sowieso alles vorbei. Man ist total verloren, man weiß nicht, wie soll das weitergehen, als Mama und dann natürlich auch mit dem Reiten. Wie soll das funktionieren, wenn man keine Beine mehr hat?"

Portrait von Equipechefin Nachwuchs Para-Dressur Simone Krychowski
„Ich bin total stolz und glücklich, dass wir so weit gekommen sind in diesem halben Jahr, das war nicht annähernd das, was man in einer so kurzen Zeit erwarten kann.“ Simone Krychowski, Equipechefin Nachwuchs Para-Dressur

Ausbildung im paralympischen Trainingszentrum in Frechen

In Frechen lernt Annika aber genau das: Ihr eigenes Pferd wieder zu reiten. Was jahrelang völlig normal war: Aufsteigen aufs Pferd, geht nun nicht mehr allein. Ehemann Niklas ist so oft dabei, wie es geht. Er hebt seine Frau aufs Pferd. „Es ist einfach super“, sagt er, „ich weiß, dass ich ihr damit unglaublich was Gutes tue und sie eine gewisse Freiheit verspürt, Reiten ist ihre Passion und das ist auch ein gutes Gefühl für mich, deswegen ist das super schön."

Beim Parareiten lernen Pferd und Reiter

Weil all das auch neu für San Tiano ist, hat Trainerin Simone dem Pferd alles beigebracht. „Man probiert erst mal, wie soll Annika auf dieses Pferd kommen? Wir probieren aus, wie reagiert er da, und das hat nicht von Anfang an gut geklappt, er war skeptisch, ist zur Seite gegangen, aber nachher hat das gut geklappt und ich hatte eigentlich keine Sorge als ich das das erste Mal mit Annika gemacht habe.“