Rentner müssen Steuern nachzahlen: Warum es fast jeden Zweiten trifft

Viele Rentnerinnen und Rentner erleben nach der Steuererklärung eine unangenehme Überraschung: Sie müssen Steuern nachzahlen. Einer Auswertung des Steuererklärungsanbieters smartsteuer zufolge mussten rund 41 Prozent der ausgewerteten Rentner Geld ans Finanzamt überweisen – im Durchschnitt 1326 Euro.

Die Daten lagen den Zeitungen der Funke Mediengruppe in ihren Sonntagsausgaben vor. Für viele Ruheständler ist das eine spürbare Belastung, zumal auf die gesetzliche Rente vorab keine Steuern einbehalten werden. Dieser Artikel erklärt, wie häufig Nachzahlungen wirklich sind, wer besonders betroffen ist und warum die Zahl steuerpflichtiger Rentner weiter steigt.

Wie viele Rentner tatsächlich nachzahlen müssen

Grundlage der Auswertung ist eine mittlere fünfstellige Zahl von Steuerbescheiden aus dem Jahr 2025. Demnach mussten rund 41 Prozent der Rentner nachzahlen, durchschnittlich 1326 Euro.

Die hohe Durchschnittssumme relativiert sich allerdings: In der Hälfte aller Fälle lag die Nachzahlung bei höchstens 499 Euro. Einzelne hohe Beträge ziehen den Schnitt also nach oben.

Auf der anderen Seite steht eine gute Nachricht: Rund 45 Prozent der Rentner erhielten laut smartsteuer eine Erstattung – im Durchschnitt 1383 Euro. Bei der Hälfte dieser Fälle betrug die Rückzahlung maximal 779 Euro. Bei rund 14 Prozent gab es weder Nachzahlung noch Erstattung.

Warum gerade Rentner überrascht werden

Der entscheidende Unterschied liegt im Steuerabzug. „Auf die gesetzliche Rente führt niemand vorab Steuern ab, anders als beim Arbeitslohn, wo die Lohnsteuer direkt vom Gehalt einbehalten wird“, sagte Steueranwalt und smartsteuer-Geschäftsführer Stefan Heine den Funke-Zeitungen.

Die volle Steuerlast wird deshalb erst mit dem Bescheid fällig. Besonders betroffen sind Rentner mit zusätzlichen Einkünften.

Weil auf die gesetzliche Rente vorab keine Steuer einbehalten wird, wird die volle Steuerlast erst mit dem Bescheid fällig.

Weil auf die gesetzliche Rente vorab keine Steuer einbehalten wird, wird die volle Steuerlast erst mit dem Bescheid fällig.

© Fernando Gutierrez-Juarez

Laut Auswertung verfügten 48,5 Prozent der Rentner neben der gesetzlichen Rente über weitere Einnahmen. Am häufigsten war ein Arbeitsverhältnis (knapp 38 Prozent), gefolgt von Mieteinnahmen (gut zehn Prozent) sowie Einkünften aus Gewerbe oder Selbstständigkeit (jeweils rund vier Prozent).

Warum die Zahl steuerpflichtiger Rentner weiter steigt

Ein Mechanismus sorgt dafür, dass immer mehr Rentner überhaupt erst steuerpflichtig werden. „Jede Rentenerhöhung hebt den steuerpflichtigen Teil der Rente an, der einmal festgelegte Freibetrag bleibt aber gleich“, sagte Heine.

„So überschreiten immer mehr Rentner den Grundfreibetrag und werden überhaupt erst steuerpflichtig." Bei höheren Nachzahlungen setzen die Finanzämter anschließend häufig Steuervorauszahlungen fest.

Zur Einordnung: Zum 1. Juli 2026 sind die gesetzlichen Renten um 4,24 Prozent gestiegen, der aktuelle Rentenwert kletterte von 40,79 Euro auf 42,52 Euro. Der Grundfreibetrag liegt 2025 bei 12.096 Euro und 2026 bei 12.348 Euro.

Nachzahlungen bei Rentnern: Was Kritiker fordern

Der Bund der Steuerzahler fordert Änderungen bei der nachgelagerten Rentenbesteuerung. „Die Steuerpflicht darf nicht allein deshalb entstehen, weil die Inflation durch Rentenerhöhungen ausgeglichen wird", erklärte der Verband den Funke-Zeitungen.

Stattdessen müsse der prozentuale Rentenfreibetrag auch auf spätere Rentenanpassungen angewendet werden. So sollen Rentner nicht allein wegen des Inflationsausgleichs steuerpflichtig werden.

Was Sie wissen müssen – in Kürze

Wenn Rentner Steuern nachzahlen müssen, liegt das meist an einem Systemmerkmal: Auf die gesetzliche Rente wird vorab nichts einbehalten. Laut smartsteuer-Auswertung mussten rund 41 Prozent nachzahlen (im Schnitt 1326 Euro), rund 45 Prozent bekamen eine Erstattung. In der Hälfte der Nachzahlungsfälle blieb es bei höchstens 499 Euro.

Besonders betroffen sind Rentner mit Zusatzeinkünften wie Job, Miete oder Selbstständigkeit. Und weil jede Rentenerhöhung den steuerpflichtigen Teil anhebt, während der Freibetrag festgeschrieben bleibt, wächst die Zahl steuerpflichtiger Rentner weiter.

Das können Sie tun: Prüfen Sie frühzeitig, ob Ihre steuerpflichtigen Einkünfte über dem Grundfreibetrag liegen, und legen Sie bei absehbaren Nachzahlungen Geld zurück. Wer unsicher ist, sollte fachlichen Rat einholen.

Weil auf die gesetzliche Rente vorab keine Steuer einbehalten wird, wird die volle Steuerlast erst mit dem Bescheid fällig.

Weil auf die gesetzliche Rente vorab keine Steuer einbehalten wird, wird die volle Steuerlast erst mit dem Bescheid fällig.

© Christin Klose/dpa Themendienst/dpa-tmn

Klar ist: Für immer mehr Ruheständler wird die Steuererklärung zur Pflicht – nicht zur Kür.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema

Wie viele Rentner müssen Steuern nachzahlen?
Laut der smartsteuer-Auswertung von Steuerbescheiden aus dem Jahr 2025 mussten rund 41 Prozent der ausgewerteten Rentner nachzahlen. Rund 45 Prozent erhielten eine Erstattung, bei rund 14 Prozent gab es keines von beidem.

Wie hoch ist die durchschnittliche Nachzahlung?
Im Durchschnitt waren 1326 Euro fällig. In der Hälfte aller Fälle lag die Nachzahlung allerdings bei höchstens 499 Euro. Einzelne hohe Beträge heben den Durchschnitt an.

Warum müssen Rentner überhaupt nachzahlen?
Auf die gesetzliche Rente wird vorab keine Steuer einbehalten – anders als beim Arbeitslohn. Die volle Steuerlast wird deshalb erst mit dem Steuerbescheid fällig. Zusätzliche Einkünfte wie Betriebsrente, Mieteinnahmen oder ein Nebenjob erhöhen das Risiko einer Nachzahlung.

Warum werden immer mehr Rentner steuerpflichtig?
Jede Rentenerhöhung hebt laut smartsteuer den steuerpflichtigen Teil der Rente an, während der einmal festgelegte Freibetrag gleich bleibt. Dadurch überschreiten mehr Rentner den Grundfreibetrag und werden steuerpflichtig.

Wo liegt der Grundfreibetrag?
Der steuerliche Grundfreibetrag liegt 2025 bei 12.096 Euro und 2026 bei 12.348 Euro.

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