Reusser schließt “Projekt Dijon“ mit ihrem ersten Gelben Trikot ab | radsport-news.com
Schweizerin gewinnt Tour-Zeitfahren vor Nooijen
Von Matthias Seng

Marlen Reusser (Movistar) hat das Zeitfahren der Tour de France Femmes gewonnen und das Gelbe Trikot erobert. | Foto: Cor Vos
04.08.2026 | (rsn) – Top-Favoritin Marlen Reusser (Movistar) hat das Einzelzeitfahren der 5. Tour de France Femmes gewonnen und mit ihrem fünften Saisonsieg erstmals in ihrer Karriere auch das Gelbe Trikot der Gesamtführenden übernommen. Die Weltmeisterin in dieser Disziplin absolvierte den 21 Kilometer langen Parcours von Gevrey-Chambertin nach Dijon in 27:30 Minuten und war damit vier Sekunden schneller als die Niederländerin Lieke Nooijen (Visma – Lease a Bike), die überraschend Zweite wurde vor Landsfrau Demi Vollering (FDJ United – FDJ / +0:18).
Rang vier sicherte sich die Britin Zoe Bäckstedt (Canyon – SRAM – We Femmes / +0:20) vor der Niederländerin Mischa Bredewold (SD Worx – Protime).
“Ich bin super superhappy. Das war heute unser Plan, den wir schon lange hatten. Das ist die erste Tour de France, die ich als Jahresziel für mich sah. Ich habe mich darauf vorbereitet und bin als Leader hier. Ich wusste, dass sie am Schweizer Nationalfeiertag in der Schweiz beginnen würde und dass es am vierten Tag ein Zeitfahren geben würde. Wir haben immer gesagt, dass es unser ‘Projekt Dijon‘ werden würde: Gelb wie der Senf. Man weiß vorher nicht, ob es klappen, aber weil es jetzt doch geklappt hat, bin ich superhappy“, kommentierte die 34-jährige Reusser ihren dritten Etappensieg bei einer Tour de France.
Die Deutsche Zeitfahrmeisterin Franziska Koch (FDJ United – FDJ / +1:28) belegte Rang 20, vier Positionen dahinter folgte die Giro-Gesamtzweite Antonia Niedermaier (Canyon – SRAM – We Femmes). ”Das Zeitfahren ist superhart gewesen. Der Berg hat mir sehr gut gefallen, aber mit Rückenwind und bergab ist es für mich schwierig, ein gutes Pacing hinzubekommen“, kommentierte die 23-jährige Niedermaier gegenüber der ARD ihren Auftritt.
Noch deutlich mehr Zeit büßte die französische Titelverteidigerin Pauline Ferrand-Prévot (Visma – Lease a Bike) ein, die mit 2:13 nicht über den 34. Platz hinauskam und die große Verliererin des Tages war.
Im Klassement Reusser nun vor Vollering
Im Gesamtklassement führt Reusser nun mit 14 Sekunden Vorsprung vor Vollering, die ebenfalls eine Gewinnerin des Tages war. “Ich bin sehr zufrieden mit dem Zeitfahren. Das war heute eine Strecke für die Spezialistinnen, für die Fahrerinnen mit der großen Power. Ich habe mich mental darauf vorbereitet, dass ich möglicherweise etwas Zeit auf Fahrerinnen wie Marlen (Reusser) verliere. Dass ich letztendlich so nah dran war, macht mich sehr glücklich", sagte die 29-Jährige im Ziel zu RSN.
Neue Dritte ist mit 54 Sekunden Rückstand Cédrine Kerbaol (EF Education – Oatly), die als Tagessiebte beste Französin war. Die Norwegerin Sigrid Haugset (Uno-X Mobility) musste nach nur einem Tag das Gelbe Trikot wieder abgeben und fiel auf Rang vier (+0:56) zurück. Dahinter folgen mit der Italienerin Elisa Longo Borghini (UEA – Team L’Imad / +1:03) und der Polin Kasia Niewiadoma (Canyon – SRAM – We Femmes / +1:09) zwei weitere Podiumskandidatinnen.
Paula Blasi (UAE - L`Imad) baute als Zeitfahrelfte ihre Führung in der Wertung um das Weiße Trikot gegenüber Niedermaier auf 31 Sekunden aus. Die Spanierin ist nunmehr Gesamtsiebte (+1:12), die Rosenheimerin (+1:43) rückte auf Rang neun vor und ist damit beste der sechs deutschen Teilnehmerinnen. SD Worx-Protime verteidigte die Führung in der Gesamtwertung. Puck Pieterse (Fenix - PremierTech) bleibt im Bergtrikot, Lorena Wiebes (SD Worx - Protime) führt weiter die Punktewertung an.
So lief die 4. Etappe der Tour de France Femmes:
Bei erneut großer Hitze nahmen noch 138 Fahrer das Einzelzeiten in Angriff, das auch einen Anstieg zur Rennmitte aufwies, an dessen Ende nach 9,7 Kilometer in Lacets de Marsannay die Zwischenzeit genommen wurde.
Ein erstes Statement gab die Belgische Meisterin Lotte Claes (Fenix - Premier Tech) ab, die nach Zwischenbestzeit nach 28:25 Minuten im Ziel gestoppt wurde und damit die bis dahin gültige Marke ihrer Landfrau Sandrine Tas (Lotto – Intermarché) um gleich 24 Sekunden unterbot. Auch die Deutsche Zeitfahrmeisterin Koch blieb deutlich hinter Claes zurück, die dann allerdings die beiden Niederländerinnen Nooijen und Bredewold an sich vorbeiziehen lassen musste.
Die Niederländische Zeitfahrmeisterin legte 27:34 Minuten vor, ihre Landsfrau und Vorgängerin Bredewold war 40 Sekunden später im Ziel. Auch U23-Zeitfahrweltmeisterin Bäckstedt blieb deutlich hinter Nooijens Zeit. Gleiches galt für ihre Teamkollegin Antonia Niedermaier, die an der Zwischenzeit bereits 43 Sekunden Rückstand hatte und im Ziel letztlich 1:36 Minuten hinter der Etappengewinnerin Reusser gewertet wurde.
Das Streckenprofil der 4. Etappe der Tour de France Femmes | Foto: Veranstalter
Die lag nach 9,7 Kilometern bereits 20 Sekunden vor Nooijen und sogar 1:21 Minuten vor Ferrand-Prévot. Im Ziel konnte Reusser von diesem Vorsprung auf Nooijen aber nur ganze vier Sekunden retten. Gegenüber der kurz ins Ziel kommenden Titelverteidigerin betrug der aber 2:13 Minuten.
Besser lief es für Longo Borghini und Vollering, die an der Zwischenzeit jeweils gut 20 Sekunden hinter Reusser geführt wurden. Während die Italienerin in der Abfahrt aber viel Zeit verlor, holte Vollering noch einige Sekunden gegenüber der Tagessiegerin auf und wurde Etappendritte, worüber sie sich sichtlich freute, nachdem sie völlig erschöpft auf den Asphalt gesunken war und einige Minuten benötigt hatte, um sich von den Anstrengungen zu erholen.
Die als letzte gestartete Haugset spielte in der Tageswertung erwartungsgemäß keine Rolle, letztlich reichte es für die 27-Jährige trotz ihres komfortablen Vorsprungs von 2:10 Minuten auf Reusser aber auch nicht mehr, um ihr Gelbes Trikot zu verteidigen.
Zittern musste die früh gestartete Hannah Ludwig (Cofidis). Die Heidelbergerin kam nach 33:47 Minuten ins Ziel und belegte damit den 138. und letzten Platz der Tageswertung. Das Zeitlimit unterbot Ludwig dann doch um recht deutliche 36 Sekunden.