Risiko für Trinkwasserversorgung in Ort am Starnberger See: Muss das Johannifeuer weichen?

Stand: 23.07.2026, 21:11 Uhr

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Holzstapel   fürs Johannifeuer am Binselberg

Besuchermagnet: Das Johannifeuer am Binselberg hoch über Bernried mit Blick auf die Martinskirche. Das Foto wurde wenige Tage vor dem Feuer aufgenommen. © Johannes Thoma

Das Johannifeuer auf dem Binselsberg gehört zu Bernried wie die Dankwallfahrt nach Andechs. So selbstverständlich gesichert wie die jährliche Wallfahrt ist das Feuer zur Sommersonnenwende aber nicht mehr – das Wasserwirtschaftsamt rät zu einer Verlegung und mahnt ein zweites Standbein bei der Wasserversorgung an.

Bernried – Bislang hat das Wasserwirtschaftsamt für das Fest der Feuerwehr alljährlich eine Ausnahmegenehmigung erteilt. Denn der Ort des imposanten Spektakels hoch über Bernried und nur wenige hundert Meter vom Brunnen im Bernrieder Park entfernt, liegt im Wasserschutzgebiet, Zone II. Diese Zone dient primär dazu, das Grundwasser vor gesundheitsgefährdenden Mikroorganismen zu schützen. Zone 1 befindet sich direkt am Brunnen, ist eingezäunt und darf nicht betreten werden.

Dass das Feuer, das seit Jahrzehnten Tausende Besucher anzieht, das größte Risiko für die Sicherheit der Trinkwasserversorgung der Gemeinde ist, räumte auch Bürgermeister Georg Malterer ein, als er das Schreiben der Behörde in Auszügen dem Gemeinderat vorlas. Gleichzeitig verwies er aber darauf, dass im Anschluss an das Feuer sofort aufgeräumt und somit das Risiko einer Verschmutzung gering gehalten worden sei. Er räumte ein, dass eine Verlegung der Veranstaltung infrage komme. Das Amt spricht in diesem Zusammenhang von einer „Unvereinbarkeit mit der Wasserversorgung“.

Weitere Forderungen des Wasserwirtschaftsamts

In dem Schreiben des Wasserwirtschaftsamtes sind noch weitere Forderungen in Bezug auf die Sicherheit des Trinkwassers im Dorf enthalten. Die wichtigste: Die Gemeinde müsse sich unbedingt nach einem zweiten Standbein für die Wasserversorgung umsehen. Der Redundanz der Trinkwasserversorgung komme eine hohe Bedeutung zur Versorgungssicherheit zu. „Aktuell ist keine Redundanz oder eine ausreichend leistungsstarke Notversorgung vorhanden“, heißt es.

Fällt die Anlage aus oder ist beeinträchtigt, bedeute dies lange Einschränkungen in der Qualität und im schlimmsten Fall auch in der Quantität. Mit „Redundanz“ meint die Behörde, dass die Trinkwasserversorgung insgesamt auf zwei oder noch mehr Standbeinen fußen solle. Das gelte fürs Trinkwasser an sich, aber auch für technische Anlagen wie Pumpen oder für die Energieversorgung.

Notverbund mit einer der Nachbargemeinden dringend nötig

Wie anfällig die Wasserversorgung aktuell sei, habe man im vergangenen Jahr gesehen, als drei Dachse einen der beiden Brunnen im Bernrieder Park verunreinigt hatten und das Trinkwasser über mehr als acht Monate gechlort werden musste. Die Behörde empfiehlt dringend, sich nach einem weiteren Brunnen umzusehen – und zwar im Wasserschutzgebiet im benachbarten Bauerbach. Dort besitzt die Gemeinde bereits ein Grundstück. Bei einer ersten Bohrung vor Jahrzehnten entsprach das Wasser qualitativ nicht den Erwartungen. Die Behörde empfiehlt weitere Untersuchungen und eventuell eine Übergangsnutzung bis zu einer vollständigen Genehmigung.

Sollte dies gelingen, wäre die Gemeinde noch längst nicht aller Sorgen ledig. Dringend geboten ist laut Wasserwirtschaftsamt ein sogenannter Notverbund mit einer der Nachbargemeinden. In einem Notverbund legen zwei oder mehrere Kommunen zur jeweiligen Wasserversorgung des anderen eine Leitung. Im Fall der Fälle kann dann vom Nachbarn Trinkwasser bezogen werden. Laut Malterer hat es bereits erste Gespräche mit der Gemeinde Seeshaupt zu diesem Thema gegeben. Grundsätzlich sei es für die Gemeinde angesichts „mehrerer Baustellen“ geboten, ein Gesamtkonzept zu entwickeln, so der Bürgermeister.

Übrigens: Auch der Friedhof der Gemeinde liegt im Wasserschutzgebiet, was eher ungewöhnlich ist. Davon gehe jedoch keine Gefahr fürs Trinkwasser aus, weil die Deckschicht mit sieben bis acht Metern ausreichend sei, so die Behörde.