Roman «Die Lücken» - Shida Bazyar gewinnt den Deutschen Buchpreis 2026
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- Der Deutsche Buchpreis 2026 geht an Shida Bazyar für den Roman «Die Lücken».
- Das gab der Börsenverein des Deutschen Buchhandels in Frankfurt am Main am Montagabend bekannt.
- Der Preis ist mit 25'000 Euro dotiert.
Der Roman reflektiere anhand einzelner Figurenschicksale fast hundert Jahre ambivalenten deutschen Lebens, heisst es in der Begründung der Jury. Die Autorin wähle dabei überzeugende literarische Strategien. Und: Es sei ein «Roman gegen Gleichgültigkeit».
Für «Die Lücken» wird Shida Bazyar mit dem Deutschen Buchpreis geehrt.
Keystone/Hannes P. Albert
Die 1988 in Rheinland-Pfalz geborene Bazyar hat «Die Lücken» in einem fiktiven Ort namens Heimesbach im Hunsrück angesiedelt, der an den Heimatort der Autorin angelehnt ist. Die Ich-Erzählerin ist tot. Sie starb bei einem Verkehrsunfall. Seither gelangte sie an Wissen über den Ort aus der Nazi-Zeit. Sie wird von «Göttern» wieder dorthin geschickt, wohin sie als zehn Jahre altes Mädchen mit ihrer älteren Schwester und Eltern kam – als Flüchtlingsfamilie.
Erzählt wird von jüdischen Familien, von NS-Profiteuren sowie von kurdischen und iranischen Menschen, die in Deutschland Schutz und Zuflucht suchen. Es werden verschwiegene Kapitel deutscher Vergangenheit zur Sprache gebracht. So dreht sich der rund 500 Seiten lange Roman um Lügen, Rassismus und Verdrängung. Nie habe jemand zugegeben, «noch immer das Bild des Führers in seiner Schublade liegen zu haben», heisst es etwa.
Bazyar: Freude komme ihr nicht ganz richtig vor
Es falle ihr nicht so leicht, richtige Freude zu empfinden, sagte Bazyar in ihrer Dankesrede auf der Bühne im Frankfurter Römer. Schliesslich handle das Buch von Menschen, die verfolgt, terrorisiert und ermordet wurden. «Es kommt mir nicht ganz richtig vor.» Deshalb solle die Freude und die Wertschätzung, die sie bekäme, den Personen gehören, um die es in diesem Roman gehe.
Lena Everding
- Shida Bazyar: «Die Lücken», Kiepenheuer & Witsch.
- Franziska Gänsler: «Orca», Kein & Aber.
- Valeria Gordeev: «Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle», S. Fischer.
- Elias Hirschl: «Schleifen», Paul Zsolnay.
- Peggy Mädler: «Selbstregulierung des Herzens», Galiani Berlin.
- Dana Vowinckel: «Anton und Alma», Suhrkamp.
Sie wolle darauf hinweisen, dass antisemitische Straftaten auf dem Höchststand seien – und rassistische auch. «Und dass es im Moment keine Minderheit in Deutschland gibt, die keine grosse Sorge hat.» Sie schloss – vor den Danksagungen – mit einem Satz von Hannah Arendt, der sie beim Schreiben beschäftigt habe: «Das Problem an 1933 war doch nicht, was unsere Feinde gemacht haben, sondern was unsere Freunde gemacht haben.»
- Der Deutsche Buchpreis gilt als eine der wichtigsten Auszeichnungen der Branche und wird seit 2005 verliehen.
- Dieses Jahr wurde er zum 22. Mal verliehen.
- Der Preis ist mit insgesamt 37'500 Euro dotiert: Der Sieger oder die Siegerin erhält 25'000 Euro, die übrigen Autoren oder Autorinnen auf der Shortlist jeweils 2500 Euro.
- Vergeben wird der Buchpreis von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
- Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 205 Titel gesichtet, die zwischen Oktober 2025 und dem 8. September 2026 erschienen sind.
Insgesamt sechs Bücher waren für die höchste literarische Auszeichnung Deutschlands nominiert. 2025 hatte die Schweizer Schriftstellerin Dorothee Elmiger den Deutschen Buchpreis für ihren Roman «Die Holländerinnen» erhalten.
Der Roman «Die Lücken» von Shida Bazyar wird in der Sendung Literaturclub vom 6. Oktober um 22:25 Uhr auf SRF1 besprochen.
SRF 4 News, 05.10.2026, 19:00 Uhr ; srf/lehl;zero