„Regional gesehen eine Sensation“: Archäologen machen bedeutenden Fund neben der A8 – und hoffen auf mehr

Römerstraße neben der A8: Archäologen machen bedeutende Funde an der Schwäbischen Alb

Stand: 03.08.2026, 14:03 Uhr

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Wo bald die neue A8 rollt, fuhren einst die Römer: Archäologen legen nahe Drackenstein eine 2.000 Jahre alte Straße frei – und staunen selbst.

Drackenstein – Tausende Autofahrer rauschen täglich über die A8 an der Schwäbischen Alb. Was kaum einer weiß: Genau dort, wo bald der neue Albaufstieg verläuft, rollten vor fast 2.000 Jahren römische Fuhrwerke über Kalksteinplatten. Archäologen haben jetzt ein Teilstück der sogenannten „Alblimes-Straße“ nahe Drackenstein im Landkreis Göppingen freigelegt.

Dr. René Wollenweber und sein Team haben neben der A8 am Albaufstieg mehrere Funde aus der Römerzeit aufgestöbert.

Dr. René Wollenweber und sein Team haben neben der A8 am Albaufstieg mehrere Funde aus der Römerzeit aufgestöbert. © Dr. René Wollenweber, LAD

Rund 90 Meter der antiken Römerstraße haben inzwischen wieder das Licht der Welt erblickt. Die neue A8-Trasse schneidet die historische Straße dabei fast im rechten Winkel. Für Archäologe René Wollenweber vom Landesamt für Denkmalpflege (LAD) ist das mehr als ein archäologischer Glücksfall. Bei SWR Aktuell sagt er: „Regional gesehen sind die Funde der vergangenen Monate eine Sensation.“

Geschichte neben der A8: Römerstraße in Baden-Württemberg verband Rottweil mit Heidenheim

Die Alblimes-Straße verband einst Rottweil mit Heidenheim an der Brenz und gilt als eine der ältesten Straßen Baden-Württembergs. Angelegt wurde sie vermutlich unter Kaiser Vespasian im 1. Jahrhundert nach Christus. Sie war damals nicht nur Handels- und Heerstraße, sondern markierte über ein Jahrhundert lang die Grenze zwischen dem Römischen Reich und dem freien Germanien. Für den Bau nutzten die Römer den weißen Jurakalkstein der Schwäbischen Alb.

Neben der Straße selbst förderten die Ausgrabungen eine bemerkenswerte Fundvielfalt zutage: eine Bronzemünze aus der Zeit Kaiser Domitians, eiserne Schuhnägel, eine bronzezeitliche Rollenkopfnadel sowie Bestattungsurnen, die teilweise noch unter dem Straßenkörper lagen. In einer Pressemitteilung des Landesamts für Denkmalpflege schwärmt Wollenweber: „Die Funde erhellen unser Bild über die Entstehung, Bedeutung und Nutzung einer der ältesten Straßen in Baden-Württemberg.“

Noch ein A8-Fund? Ausgrabungsteam hofft auf römische Raststätte am Albaufstieg

Auch Hinweise auf eine antike Straßenstation – eine Art römische Raststätte zum Pferdewechsel – haben die Forscher entdeckt, wie SWR Aktuell berichtet. Ob sich dieser Fund noch bestätigt, sollen die weiteren Grabungen zeigen. In Stuttgart gibt es übrigens einen römischen Pferdefriedhof, der neue Einblicke in eine längst vergangene Zeit gewährt.

Seit August 2025 führen die Fachfirmen fodilus und ArchaeoBW die Grabungen im Auftrag der Autobahn GmbH Niederlassung Südwest durch. Das LAD übernimmt die Oberaufsicht. Die Arbeiten laufen parallel zur Bauplanung – Verzögerungen beim A8-Neubau entstehen dadurch laut Landesamt keine. Im Frühjahr 2027 soll der Bau des Tunnels Drackenstein beginnen.

Für Wollenweber geht es bei alledem um mehr als Archäologie. Er betont: „Die Leute hier auf der Schwäbischen Alb haben es verdient, von ihrer Kulturgeschichte zu erfahren.“ Die Ausgrabungen sollen voraussichtlich bis Ende 2026 andauern. (Quellen: Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg, SWR Aktuell) (moe)