Wendepunkt laut Geheimdiensten erreicht: Russlands unsichtbarer Krieg gegen Europa hat längst begonnen
Russland plant Eskalation gegen die NATO: Europas Geheimdienstchefs warnen vor Angriffen bereits in Monaten
Stand: 21.09.2026, 13:29 Uhr
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Europas Sicherheitsbehörden registrieren klare Signale aus Moskau – und warnen, dass die nächste Eskalationsstufe näher sein könnte als erhofft.
Der Krieg in der Ukraine dauert an – doch die Eskalation endet nicht an der eigentlichen Front. Europäische Geheimdienste beobachten, wie Moskau seinen Aktionsradius systematisch ausweitet: von Sabotageakten über Drohnenangriffe bis hin zu Einflussoperationen. Die Frage, die Regierungen und Sicherheitsexperten zunehmend umtreibt, ist nicht mehr, ob Russland eskaliert, sondern wann, wie und vor allem wo in Europa.

Mehrere europäische Geheimdienstchefs haben gegenüber dem Guardian vor einer bevorstehenden Eskalation Russlands gegen die NATO gewarnt. Michal Koudelka, Chef des tschechischen Inlandsgeheimdienstes BIS, sprach in einem seltenen Interview in Prag von möglichen russischen Aktionen in einer Frage von „Monaten, nicht Jahren“. Denkbar seien laut Koudelka ein begrenzter Einmarsch in NATO-Territorium, False-Flag-Operationen oder massive Desinformationskampagnen.
Tusk und Macron: Westliche Regierungschefs warnen vor russischer Eskalation
Polens Premierminister Donald Tusk hatte zuvor das Parlament in Warschau darüber informiert, dass Geheimdienstanalysen auf mögliche russische Drohnen- oder Raketenangriffe auf NATO-Gebiet hindeuteten. Moskaus Ziel sei es, zu beweisen, dass Artikel 5 des NATO-Vertrags, also die kollektive Verteidigungspflicht, „eher theoretischer Natur“ sei, so Tusk. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bezeichnete Tusk‘s Warnungen als „fundiert und gut belegt“ und berief daraufhin ein Krisentreffen im Élysée-Palast ein, an dem Parteichefs und Präsidentschaftskandidaten teilnahmen – laut Zeit auch Vertreter der Geheimdienste.
Nicht alle Stimmen fallen so alarmierend aus. Normunds Mežviets, Generaldirektor des lettischen Sicherheitsdienstes VDD, erklärte gegenüber dem Guardian, sein Dienst sehe „keine Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Angriff“. Zwar registriere Riga Vorbereitungen Moskaus für entschlossenere Schritte in Europa, ob es sich dabei um konkrete Angriffspläne oder eine Strategie zur Verunsicherung handele, sei unklar. Estlands Außenministeriums-Staatssekretär Jonatan Vseviov warnte vor „Panik in sozialen Netzwerken“ und rief zur Besonnenheit auf.
Ungewöhnlich ernst kommentierte die Schweizer Regierung die Situation. Auf X kündigte sie drei Ziele an: die Stärkung der Widerstandsfähigkeit, die Verbesserung des Schutzes und den Ausbau der Verteidigungsfähigkeiten.
Einig sind sich die drei befragten Geheimdienstchefs in einem Punkt: Russlands Sabotage-Kampagne in Europa wird sich in den kommenden Monaten intensivieren. Als „Wendepunkt“ bezeichnete Thomas Nilsson, Chef des schwedischen Militärgeheimdienstes, den versuchten Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig/Halle, einen Vorfall, den die Bundesregierung dem russischen Militärgeheimdienst GRU zuschreibt. Laut Zeit prüft auch Frankreich seitdem das Anschlagsrisiko auf kritische Infrastruktur. Russland wies die Vorwürfe zurück.
Nilsson sieht auch in den laufenden Verhandlungsbemühungen der Trump-Administration wenig Substanz. „Ich habe keine Anzeichen dafür gesehen, dass in Moskau ernsthaft über echte Verhandlungen nachgedacht wird“, sagte er dem Guardian. Seine Einschätzung: Russland spiele lediglich „Verhandlungstheater“ in der Überzeugung, seine strategischen Ziele noch auf dem Schlachtfeld erreichen zu können. Koudelka beschrieb Moskaus Kalkül dabei präzise: „Wenn sie genug eskalieren, werden europäische Länder entscheiden, die Ukraine nicht mehr zu unterstützen.“ Indessen belegt eine neue Studie, wie die Kreml-Propaganda offenbar Soldaten radikalisiert.