Sachsen-Anhalt: Ökonomen sorgen sich nach Wahl um Investitionen und Fachkräfte

Die Wirtschaftsweise Monika Schnitzer (64) sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Angesichts des Wahlprogramms ist zu erwarten, dass bei einer Regierungsübernahme der AfD das Bundesland als Standort für Fachkräfte und Unternehmen deutlich an Attraktivität verlieren würde.“

Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther (64), sieht es ebenso: „Wer um ausländische Fachkräfte konkurrieren will, darf keine Partei stark machen, die offen deren Ausweisung fordert.“ Für Sachsen-Anhalt wäre eine Zuwanderungspolitik nach Vorstellungen der AfD ruinös, sagte Hüther der „Rheinischen Post“.

„Wegen seiner ungünstigen Demografie sinkt die Erwerbsbevölkerung in Sachsen-Anhalt nach unseren Prognosen ohne Zuwanderung bis 2045 um etwa ein Viertel.“ Auf jeden Erwerbsfähigen käme dann mehr als ein Mensch, der nicht arbeitet. „Wer ein Land wirtschaftlich vor die Wand fahren will, muss es genau so machen“, führte der IW-Chef aus.

Die Münchner Ökonomie-Professorin Schnitzer wies wie Hüther darauf hin, dass in Sachsen-Anhalt in den nächsten Jahren viele Arbeitskräfte in Rente gehen. „Ohne Zuzug von außen werden deshalb bald viele Fachkräfte fehlen. Und ohne ausreichend Fachkräfte bleiben dringend benötigte Investitionen aus“, fügte sie hinzu.

Fratzscher fordert Kurswechsel der Bundesregierung

DIW-Präsident Marcel Fratzscher (55) fordert nach dem Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt einen wirtschaftlichen Kurswechsel der Bundesregierung. „Dieses Wahlergebnis ist ‌vor allem ein Misstrauensvotum gegenüber der Bundesregierung“, sagte der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. „Die einzig richtige Konsequenz für unsere Demokratie aus diesem Wahlergebnis kann nur bedeuten, dass die Bundesregierung einen Kurswechsel vollzieht und tiefgreifende, strukturelle Reformen bei Subventionen, Bürokratie, Steuern, Sozialsystem und Europa umsetzt.“