Safe Superintelligence von OpenAI-Mitgründer Ilya Sutskever holt 5 Mrd. Dollar bei Nvidia

Zwei Jahre lang hat Safe Superintelligence Inc. (SSI) praktisch nichts gesagt. Kein Modell, kein Produkt, keine Demo, kein Umsatz – nur eine Website mit einem Manifest und eine Bewertung von 32 Milliarden Dollar. Am Montag hat das KI-Labor von OpenAI-Mitgründer Ilya Sutskever diese Stille gebrochen: SSI und Nvidia geben eine langfristige Partnerschaft bekannt, inklusive Investment des Chipkonzerns.

Die offizielle Aussendung bleibt bei den Zahlen vage. Nvidia habe ein „substanzielles“ Investment getätigt, heißt es, finanzielle Details werden nicht genannt. Bloomberg berichtet unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen von rund fünf Milliarden Dollar. TechCrunch schreibt von einem Betrag „im Milliarden-Bereich“. Bestätigt hat das keines der beiden Unternehmen.

Rechenleistung mal zehn

Der eigentliche Kern des Deals ist nicht das Geld, sondern der Zugang zu Chips. SSI bekommt Zugriff auf Nvidias neue Vera-Rubin-Plattform und will damit seine Rechenleistung „um eine Größenordnung“ steigern – also um den Faktor zehn. Zusätzlich wollen die beiden Unternehmen bei der technischen Weiterentwicklung von Nvidias aktuellen und künftigen Compute-Plattformen zusammenarbeiten. SSI soll dabei seine Sicht auf die Zukunft der KI einbringen.

Vera Rubin ist Nvidias Nachfolge-Generation zu Blackwell und wurde bei der GTC im Frühjahr 2026 vorgestellt. Die Plattform ist seit dem ersten Quartal 2026 in Vollproduktion, die Auslieferung an Partner läuft in der zweiten Jahreshälfte 2026 an. Herzstück ist die Rubin-R100-GPU mit 336 Milliarden Transistoren, gefertigt bei TSMC in 3 Nanometern, mit 288 GB HBM4-Speicher. Im Rack-System Vera Rubin NVL72 stecken 72 Rubin-GPUs und 36 Vera-CPUs. Nvidia verspricht bis zu zehnmal niedrigere Kosten pro Token gegenüber Blackwell.

Auffällig ist, wie Nvidia die Entscheidung begründet: Der Konzern sei die Partnerschaft eingegangen, nachdem er „seltenen Zugang“ zur streng abgeschirmten Forschung von SSI erhalten habe. Wer wissen will, was SSI in zwei Jahren gebaut hat, muss sich also auf das Urteil von Nvidias Due Diligence verlassen.

„Forschung, die es wert ist, hochskaliert zu werden“

„Ilya hat grundlegende Durchbrüche geschaffen, auf denen die moderne KI aufbaut, angefangen bei AlexNet“, wird Nvidia-Gründer und CEO Jensen Huang in der Aussendung zitiert. „Wir sind gespannt, welche neuen Durchbrüche SSI mit unserer Vera-Rubin-Plattform erzielen wird.“

Sutskever selbst formuliert es nüchterner: „Wir haben Forschung, die es wert ist, hochskaliert zu werden, und der Zugang zu einem großen Nvidia-Computer wird uns das ermöglichen.“ Man sei „unglaublich stolz“, mit Jensen und dem Nvidia-Team zusammenzuarbeiten, und zuversichtlich, dass die „große Wette“ auf Vera Rubin das Unternehmen auf die nächste Stufe bringe.

Dieser Satz ist die eigentliche Nachricht. Sutskever hatte in den vergangenen Monaten mehrfach angedeutet, dass reines Skalieren zwar weiter Verbesserungen bringe, aber „etwas Wichtiges“ fehle. Dass er jetzt sagt, seine Forschung sei skalierungswürdig, liest sich als Behauptung, dieses fehlende Stück gefunden zu haben. Überprüfen kann das außerhalb von SSI niemand.

Ein Labor, das bewusst nichts verkauft

SSI wurde im Juni 2024 von Sutskever gemeinsam mit Daniel Gross (davor KI-Chef bei Apple) und Daniel Levy (davor OpenAI) gegründet, kurz nachdem Sutskever OpenAI verlassen hatte – Monate nach dem gescheiterten Versuch, Sam Altman als CEO abzusetzen. Gross verließ SSI im Juni 2025 in Richtung Meta; Sutskever übernahm den CEO-Posten. Meta soll damals auch eine Übernahme von SSI sondiert haben, SSI lehnte ab.

Das Geschäftsmodell ist die Abwesenheit eines Geschäftsmodells: „ein Ziel und ein Produkt“, nämlich eine sichere Superintelligenz. Keine Produktzyklen, kein Management-Overhead, keine kurzfristigen kommerziellen Zwänge – so beschreibt es das Unternehmen selbst. Standorte sind Palo Alto und Tel Aviv, das Team ist mit einigen Dutzend Personen bewusst klein gehalten.

Finanziert wurde das bisher üppig: eine Milliarde Dollar im September 2024 bei einer Bewertung von fünf Milliarden Dollar, danach zwei Milliarden Dollar bei 32 Milliarden Dollar Bewertung, angeführt von Greenoaks. Zu den Investoren zählen Andreessen Horowitz, DST Global, Sequoia Capital, Lightspeed, SV Angel, Alphabet und eben Nvidia, das schon vor diesem Deal an Bord war. Laut PitchBook-Daten hat SSI bis dato rund sieben Milliarden Dollar eingesammelt. Google Cloud liefert dem Labor außerdem TPUs.

Die Zirkularitätsfrage stellt sich wieder

Das Investment fällt in eine Woche, in der Nvidias Beteiligungspolitik erneut heftig diskutiert wird. Der Konzern hat in den vergangenen zwei Jahren im großen Stil in seine eigenen Kunden investiert: 6,6 Milliarden Dollar in OpenAI im Oktober, sechs Milliarden in Elon Musks xAI im November, bis zu zehn Milliarden in Anthropic. Dazu kommen Anteile an Neocloud-Anbietern wie CoreWeave, Nebius, Nscale und Lambda. Zuletzt wurde berichtet, dass Nvidia eine Finanzierungsgarantie über 250 Milliarden Dollar für ein OpenAI-Rechenzentrum in Ohio prüft.

Die Kritik daran ist immer dieselbe: Wenn ein Chiphersteller die Käufe seiner eigenen Kunden mitfinanziert, ist das daraus resultierende Umsatzwachstum nicht rein organisch – echte Nachfrage lässt sich dann schwer von finanziell konstruierter Nachfrage unterscheiden. Huang hat den Vorwurf der „zirkulären Finanzierung“ wiederholt zurückgewiesen und argumentiert, die Beteiligungen seien schlicht gute Investments. Nvidia ist damit auch nicht allein: Google hat Leasing-Zahlungen von Anthropic in Höhe von rund 35 Milliarden Dollar abgesichert.

Im Fall SSI ist die Konstruktion allerdings etwas anders gelagert als bei OpenAI oder Anthropic. Es gibt kein Produkt, das Umsatz generiert, und keine Cloud-Verpflichtung in zweistelliger Milliardenhöhe, die als Gegenleistung öffentlich gemacht wird. Was Nvidia hier kauft, ist ein Anteil an einer Wette – und eine Beziehung zu jenem Forscher, der einen großen Teil der Grundlagen der heutigen KI mitgelegt hat.

Ob diese Wette aufgeht, wird sich frühestens zeigen, wenn SSI zum ersten Mal etwas vorweist. Einen Zeitplan dafür gibt es nicht. Währenddessen hat Mira Muratis Startup Thinking Machines Lab, das ebenfalls Nvidia als Großinvestor an Bord hat, bereits ein eigenes Open-Weight-Modell vorgelegt.

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