Sam Neill: Fast „007“, aber mit „Jurassic Park“ in den Schauspiel-Olymp

Für seinen Dino-Sci-Fi-Abenteuerfilm „Jurassic Park“ hatte Steven Spielberg 1993 US-Stars wie Harrison Ford, Tim Robbins, Richard Dreyfuss, William Hurt oder Kurt Russell im Auge. Letztlich griff der Blockbuster-Experte für die Hauptrolle auf den in Hollywood in zweiter Reihe agierenden Neuseeländer Sam Neill zurück. Mit seiner Normalo-Aura verlieh Neill der Michael-Crichton-Verfilmung ein Gepräge fernab der Action-Hero-Logik. Die Rolle des zunächst kinderhassenden Paläontologen Alan Grant, die „Indiana Jones“ Ford nicht ins Karrierekalkül passte, machte Neill weltweit bekannt.

Am 14. September 1947 in Nordirland geboren, zog seine Familie 1954 in die Heimat des Vaters nach Neuseeland, wo Sam Neill, der auch die irische und britische Staatsbürgerschaft hatte, aufwuchs. In Universitätstheaterproduktionen spielte Neill unter anderem Shakespeare, bis er 1971 seine erste Fernsehrolle erhielt. Oft war er auch in australischen Produktionen zu sehen. 1988 fiel eine rothaarige Australerierin namens Nicole Kidman, die in dem Thriller „Todesstille“ an seiner Seite spielte, erstmals einem internationalen Kinopublikum auf.

Als „007“ im Gespräch

Da hatte Neill schon größere Auftritte im Ausland vorzuweisen, etwa im US-Schocker „Omen III“, in Żuławskis Kultfilm „Possession“ (beide 1981) oder im TV-Film „Ivanhoe“ (1982). 1985 erhielt er für seine Hauptrolle in „Reilly, Ace of Spies“ seine erste Golden-Globe-Nominierung. In dieser Zeit war Neill bereits für höchste Schauspielerehren im Gespräch – als „James Bond“-Nachfolger von Roger Moore. Er musste sich aber dem dann glücklosen Timothy Dalton geschlagen geben.

Sieben Jahre später war es dann eben die Rolle in „Jurassic Park“, mit der er tiefe popkulturelle Spuren hinterließ. Im selben Jahr begeisterte Neill in Jane Campions dreifach Oscar-gekröntem Meisterwerk „Das Piano“, einer Dreiecksgeschichte im Neuseeland des 19. Jahrhunderts. Er verkörperte einen starrköpfigen und brutalen Mann in einer arrangierten Ehe mit einer stummen Engländerin (Holly Hunter), die sich in den Nachbarn (Harvey Keitel) verliebt.

Neill, der auch in Independent-Produktionen auftrat, spielte Meryl Streeps Ehemann in „Ein Schrei in der Dunkelheit“ (1988), machte mit Sean Connery „Jagd auf Roter Oktober“ (1990), ging für Wim Wenders 1991 „Bis ans Ende der Welt“ und spielte an der Seite Robert Redfords in „Der Pferdeflüsterer“ (1998).

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Trotz der großen Auftritte blieb er bodenständig und bezeichnete sich als Landwirt, der auch „ein wenig schauspielt“. Mehr als zwei Jahrzehnte betrieb der dreifache Vater auf der neuseeländischen Südinsel eine Farm und das Weingut „Two Paddocks“. Der humorvolle Star hielt etwa ein Huhn namens Meryl Streep, benannte Schafe nach Susan Sarandon und Anjelica Huston, eine Kuh nach Helena Bonham Carter und deren Kalb nach „Jurassic Park“-Kollegin Laura Dern.

2022 spielte er seine Lebensrolle als Dino-Forscher ein drittes und letztes Mal – in „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“. Da wurde er bereits wegen eines Non-Hodgkin-Lymphoms (siehe Seite 4) behandelt, was er 2023 öffentlich machte. Am Montag starb Sam Neill im australischen Sydney „würdevoll“ im Kreise der Familie. Laut deren Angaben sei er „krebsfrei“ gewesen

kurier.at, tem  |  13.07.2026, 18:00