Von García Lorca bis Mindestlohn: Was Sánchez und Mamdani bei ihrem Treffen in New York verbindet
Sánchez und Mamdani in New York: „Darum fürchten die Mächtigen uns“
Stand: 24.09.2026, 13:33 Uhr
Sánchez trifft Mamdani in New York: Beide werben für höhere Löhne und sozialen Schutz – und senden eine klare Botschaft an die Mächtigen.
New York – Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez und New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani haben am Mittwoch bei einem Treffen in New York ihre politische Nähe demonstriert. Beide warben für eine Politik, die Löhne stärkt, Ungleichheit reduziert und Beschäftigte schützt. Das Treffen sollte zeigen, dass sich ihre jeweiligen Strategien zur Stärkung der Mittelschicht und zur Ausweitung sozialer Sicherungssysteme eng miteinander verzahnen.
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Dieser Artikel von Christina Thykjaer entstand in Kooperation mit Euronews
„Spanien zeigt, dass ein anderes Wirtschaftsmodell möglich ist, und New York zeigt, dass dieselbe Ambition unsere Städte verändern kann“, erklärte Sánchez bei der Veranstaltung. „Darum fürchten die Mächtigen uns“, sagte der Regierungschef und betonte, es gebe „einen anderen Weg“, der seiner Ansicht nach bereits Ergebnisse liefert. Dieser alternative Kurs beruhe auf Investitionen, höheren Löhnen und einem robusten Wohlfahrtsstaat.

Das Treffen fand in der Gracie Mansion statt, der offiziellen Residenz des New Yorker Bürgermeisters. Es gehörte zum Rahmen der Veranstaltung „Eine Wirtschaft für die Mehrheit aufbauen“, an der auch EU-Ratspräsident António Costa teilnahm. Sowohl Sánchez als auch Costa halten sich in dieser Woche in der US-Metropole auf anlässlich der 81. Tagung der Generalversammlung der Vereinten Nationen, bei der wirtschaftliche und soziale Fragen im Mittelpunkt stehen.
Politische Nähe und vertrauliche Gespräche
Vor dem öffentlichen Auftritt hatten Sánchez und Mamdani bereits ein vertrauliches Gespräch geführt. Dabei ging es nach Angaben aus Delegationskreisen um die Abstimmung progressiver Strategien gegen wachsende soziale Ungleichheit. Beide Seiten beschrieben das Treffen anschließend als Auftakt für eine engere Zusammenarbeit zu Themen wie Mindestlohn, bezahlbarer Wohnraum und Klimapolitik.
Mamdani rückt spanischen Mindestlohn in den Mittelpunkt
Mamdani widmete einen Teil seiner Rede den in Spanien verfolgten Maßnahmen der vergangenen Jahre und hob besonders die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns hervor. Der New Yorker Bürgermeister erinnerte an den deutlichen Anstieg des SMI seit dem Amtsantritt von Sánchez und sagte, diese Erhöhungen sendeten Beschäftigten eine klare Botschaft über den Wert ihrer Arbeit und ihre Würde. Die spanische Erfahrung zeige, dass kräftige Lohnsteigerungen nicht zwangsläufig zu Jobverlusten führen müssten.
Sánchez nutzte diese Vorlage, um seine Wirtschaftspolitik gegen Kritik zu verteidigen, nach der steigende Löhne Arbeitsplätze und Wettbewerbsfähigkeit gefährden könnten. Der spanische Regierungschef betonte, dass sich wirtschaftliches Wachstum, neue Jobs und weniger Ungleichheit miteinander vereinbaren ließen. Er verwies außerdem auf Spaniens Kurs bei den erneuerbaren Energien sowie auf Schutzmaßnahmen während der Pandemie, die sich deutlich von der Sparpolitik nach der Finanzkrise 2008 unterscheiden.
Migration als Motor von Wirtschaft und Sozialstaat
Sánchez nutzte seinen Auftritt in New York auch, um die Rolle der Migration für die Wirtschaft und den spanischen Sozialstaat hervorzuheben. „Migration hat Spanien wirtschaftlich, gesellschaftlich und kulturell stärker gemacht“, sagte der Regierungschef. Er betonte, dass migrantische Beschäftigte entscheidend zur Finanzierung öffentlicher Dienstleistungen beitragen und die demografischen Herausforderungen des Landes abmildern.
Diese Botschaft wiegt in den Vereinigten Staaten besonders schwer, wo Migration zu den zentralen Themen der innenpolitischen Debatte zählt. Inmitten polariserter Diskussionen über Grenzpolitik und Einwanderungsquoten präsentierte Sánchez sein Land als Beispiel dafür, wie Zuwanderung gezielt in eine Strategie für nachhaltiges Wachstum eingebettet werden kann.
Mamdanis Biografie und politische Prioritäten
Mamdani, der in Kampala in Uganda in eine Familie mit indischen Wurzeln hineingeboren wurde, kam im Alter von sieben Jahren nach New York. Seine persönliche Migrationsgeschichte prägt nach eigenen Worten seine politische Agenda und sein Verständnis von Chancengleichheit. Seit Januar 2026 steht er an der Spitze einer Stadt, in der er die Lebenshaltungskosten, Wohnraum und öffentlichen Verkehr zu Prioritäten seiner Verwaltung macht.
Das Treffen brachte auch eine in solchen politischen Formaten eher ungewöhnliche spanische Referenz hervor. Mamdani griff in seiner Rede auf Federico García Lorca zurück, als er über Gleichheit und soziale Gerechtigkeit sprach. Der Dichter aus Granada lebte zwischen 1929 und 1930 in New York, eine Zeit, aus der später eines seiner bekanntesten Werke hervorging: „Poeta en Nueva York“ („Ein Dichter in New York“). Die Anspielung sollte nach Mamdanis Darstellung die historische Verbindung zwischen Spanien und der US-Metropole verdeutlichen.
Der Bürgermeister nutzte den Verweis auf Lorca, um für den Weg hin zu einer gerechteren Gesellschaft zu werben. Zugleich würdigte er Sánchez als einen der Verantwortungsträger, die seiner Ansicht nach dazu beigetragen haben, neues Vertrauen in die Demokratie zu schaffen. Das Treffen markiert das erste persönliche Gespräch zwischen Sánchez und Mamdani seit dessen Amtsantritt als Bürgermeister von New York zu Jahresbeginn.
Es unterstreicht die Nähe zwischen zwei Politikern, die trotz sehr unterschiedlicher politischer Umfelder Ungleichheit, Löhne und sozialen Schutz ins Zentrum ihrer jeweiligen Agenda gestellt haben. Beobachter sehen in der Begegnung ein Signal dafür, dass sich progressive Kräfte über nationale Grenzen hinweg stärker vernetzen wollen, um gemeinsame Antworten auf globale Herausforderungen zu entwickeln.