Sand im Schweizer Uhrwerk: Dennoch reichte es zu WM-Bronze | radsport-news.com
RSNplusKüng in Mixed Staffel im Defektpech
Von Christoph Matt

Wie im Vorjahr landete die Schweizer Mannschaft auf Rang 3. | Foto: Cor Vos
22.09.2026 | (rsn) - Lange konnten sich Mauro Schmid und Stefan Bissegger im Windschatten von Stefan Küng nicht verstecken. Beim Mixed Teamzeitfahren in Montreal war der Etappensieger der Vuelta a Espana nach einem Defekt schon früh raus aus dem Rennen.
“Es ist extrem bitter. Nach nur drei Kilometern jemanden auf der Strecke zu verlieren, ist wie (das gesamte Rennen, d. Red.) zu zweit fahren. Stefan Küng gibt mit seiner Größe auch viel Windschatten und hat extrem viel Power, gerade auf der Brücke mit dem Gegenwind. Ich glaube, diese sechs oder sieben Kilometer haben uns heute zum Schluss etwas das Genick gebrochen”, fasste Schmid im Ziel gegenüber RSN zusammen.
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Der 32-jährige Küng kam zwar nicht zu Sturz, musste aber das Rad wechseln und sah seine beiden Teamkollegen erst wieder im Ziel. Dennoch rettete sich die eidgenössische Staffel auf den dritten Rang und konnte damit das Ergebnis des Vorjahresahres wiederholen. Zwölf Sekunden schneller absolvierte das französische Team den Kurs, ganz oben auf dem Podium landete Italien.
Entscheidenden Anteil an dem Ergebnis hatte allerdings das Frauentrio: Noemi Rüegg, Jasmin Liechti und die frischgebackene Zeitfahrweltmeisterin Marlen Reusser übernahmen von den ihren Teamkollegen mit 35 Sekunden Rückstand auf Italien. In einer starken Aufholjagd verkürzten sie den Abstand im Ziel auf nur noch 20 Sekunden und zogen damit am australischen Team vorbei – dessen Männer zwar sechs Sekunden schneller gewesen waren als die Schweizer. Am Ende jedoch verpassten die Titelverteidiger das Podium und landeten auf Platz vier
”Es fühlt sich an, als hätte ich gar nicht viel dazu beitragen können”, kommentierte Küng sein Rennen. | Foto: Cor Vos
“Es war enorm hart an Marlens Hinterrad. Wirklich Respekt, was sie da gezeigt hat. Sie hat 90 Prozent der Arbeit geleistet. Man konnte sich nicht sehr viel erholen. Auf der Zielgeraden habe ich nur noch Sterne gesehen. Ich glaube, wir können sehr stolz sein auf unsere Leistung als Team”, erzählte Rüegg im Ziel zu RSN.
Auch wenn es erneut nur Bronze statt Gold wurde, machte Reusser der Teambewerb mehr Spaß als ihre Paradedisziplin: ”Ich glaube, es ist wirklich echt meine Lieblingsdisziplin, weil es ist wie ein Einzelzeitfahren, aber noch komplizierter, weil du noch mehr überlegen musst, was man wie wo machen soll. Wir waren schon recht schlau heute. Zwei, drei Sachen würde ich allerdings anders machen.“
Für Reusser war es außerdem der zweite Renneinsatz auf ihrem Canyon Speedmax Prototyp, der sie defektfrei durch das Rennen brachte. Erneut hatte sie jedoch das das Materialpech eines Kollegen zu beklagen: “Das ist jetzt das dritte Mal, dass wir einen Defekt in einer Disziplin haben, die das einfach nicht verzeiht. Das ist schon sehr viel Pech, würde ich sagen. Ich denke, dass wir jedes Mal trotzdem auf dem Podium landen, zeigt, dass wir es eigentlich in den Beinen hätten und wir schon berechtigterweise weiter davon träumen dürfen, dass wir das wiederholen”, sagte sie gegenüber RSN.
Nach einem Radwechsel fuhr Küng dem Duo Bissegger/Schmid zwar hinterher, konnte die Lücke aber nicht mehr schließen. | Foto: Cor Vos
Laut Mauro Schmid sei bei Küng der Lenker gebrochen. Viele Fahrer monierten schon am Sonntag den schlechten Asphalt und die vielen Schlaglöcher auf der Strecke. Ein solches könnte Küngs BMC zum Verhängnis geworden sein. Genau äußern wollte sich der 32-Jährige dazu nicht. “Da kann ich jetzt leider nicht genauer drauf eingehen. Es war einfach ein Defekt, mit dem man nicht mehr weiterfahren konnte. Dem Fahrrad die Schuld zu geben, finde ich aber zu kurz gegriffen. Es ist halt so ein bisschen eine Extremsituation. Zusammen mit unserem Partner werden wir über die Bücher gehen, damit so etwas nicht mehr passiert. Aber dafür sind wir Profis auch da. Damit dann die Endkonsumenten, wenn sie ein Rad kaufen, nicht in die gleiche Situation kommen. Es ist natürlich ärgerlich, wenn so etwas an der WM passiert", sagte Küng.
Erst in diesem Jahr brachte BMC, der Schweizer Sponsor von Küngs Team Tudor, ein neues Zeitfahrrad auf den Markt. Eine große Käuferschicht dürfte es dafür allerdings nicht geben. Die meisten privaten Zeitfahrräder kommen im Triathlon zum Einsatz, wofür BMC ein eigenes Modell im Programm hat. Den UCI-konformen Rahmen gibt es zudem nur als Rahmenset.
Im Trio der Frauen war die Weltmeister das große Zugpferd | Foto: Cor Vos
Trotz Platz drei bleibt das Gefühl, das noch mehr möglich gewesen wäre. “Natürlich hat es uns wahrscheinlich eine bessere Medaille, wenn nicht sogar den Sieg gekostet. Der King (Stefan Küng) war ready, der war heiß. Diese 20 Sekunden, die am Ende gefehlt haben, wären auch möglich gewesen, wenn er dabei bleibt. ”, bilanzierte Bissegger.
In ähnlicher Besetzung - Damals waren Küng, Schmid, Bissegger und Reusser dabei - gewann die Schweizer Equipe vor drei Jahren WM-Gold in der Mixed Staffel. Für Defekte gibt es keinen Spielraum - stattdessen muss alles laufen wie ein Schweizer Uhrwerk.