Sarah Weinreich schreibt über DDR-Kindheit und Demokratie

Stand: 17.07.2026, 18:24 Uhr

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Die Weltkugel in der Eschweger Innenstadt ist nicht zufällig als Kulisse gewählt: Sarah Weinreich blickt in ihrem Erstlingswerk auf Freiheit, Verantwortung füreinander und die Kunst, eine Gesellschaft zusammenzuhalten.

Die Weltkugel in der Eschweger Innenstadt ist nicht zufällig als Kulisse gewählt: Sarah Weinreich blickt in ihrem Erstlingswerk auf Freiheit, Verantwortung füreinander und die Kunst, eine Gesellschaft zusammenzuhalten. © Foto: Emily Hartmann

Die 38-Jährige verbindet in ihrem Buch Erinnerungen an Ostberlin mit einem Plädoyer für gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ausgangspunkt ist das Verschwinden einer Freundin, die als politische Gefangene freigekauft wurde.

Eschwege – Es gibt Bücher, die laut in die Debatte drängen. Und es gibt Bücher, die eine unbequeme Frage stellen und dann beharrlich bei ihr bleiben. Sarah Weinreichs Debüt „Die Rettung des Wir. Innen stark, außen souverän“ gehört zur zweiten Kategorie.

Was hält eine Gesellschaft zusammen?

Die Frage lautet: Was hält eine Gesellschaft zusammen, wenn vieles sie auseinanderzieht? Weinreich sucht die Antwort nicht in Parteiprogrammen oder politischen Schlagworten. Sie sucht sie in Lebensgeschichten – auch und insbesondere in ihrer eigenen. Das Erstlingswerk der 38-Jährigen verbindet Kindheitserinnerungen aus Ostberlin mit Betrachtungen über Demokratie, Freiheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ausgangspunkt ist eine Biografie, die kurz vor dem Ende der DDR beginnt und von den Brüchen und Aufbrüchen der Wiedervereinigung geprägt wurde.

Hier ist das Buch erhältlich

Das Buch „Die Rettung des Wir. Innen stark, außen souverän“ von Sarah Weinreich ist am 1. Juli erschienen und kann über mehrere Kanäle bestellt werden – etwa im örtlichen Buchhandel über die ISBN 978-3-565-53474-6. Hugendubel in Eschwege hat einige Exemplare vorrätig. Weiterhin ist es für 24,30 Euro direkt im Epubli-Shop, dem Selfpublishing-Verlag der Autorin, erhältlich. Bei Amazon kann es als Taschenbuch und E-Book erworben werden. Eine Hörbuch-Version befindet sich aktuell in der Entstehung.

Sarah Weinreich, im Januar 1988 geboren, erzählt von einer Kindheit in der Plattenbausiedlung in Berlin-Hellersdorf, von Nachbarschaft und staatlicher Kontrolle, aber auch von einem Verlust, der ihr Verständnis von Freiheit nachhaltig geprägt hat: dem Verschwinden einer Freundin, deren Familie von der Bundesrepublik als politische Gefangene freigekauft wurde. Die große Geschichte wird bei ihr zur persönlichen Erfahrung.

Direkt, persönlich und zugänglich

Dabei wäre es einfach gewesen, aus diesem Stoff eine reine Erinnerungserzählung zu machen. Doch die heute in Bad Hersfeld lebende Beraterin für Digitalisierung und Verwaltungsmodernisierung interessiert sich weniger für Nostalgie als für die Gegenwart.

Vielleicht erklärt das, warum ihr Blick auf diese Gegenwart weder zynisch noch ideologisch wirkt. Die mit dem Werra-Meißner-Kreis eng verbundene Autorin hat viele Perspektiven kennengelernt. Sie studierte Recht, Erziehungswissenschaft, Ethik, Psychologie und Ökonomie unter anderem in Rostock und Köln, arbeitete für Ministerien und Bundesbehörden und engagierte sich für Demokratie- und Freiheitsprojekte in Osteuropa. Dennoch verzichtet sie auf den Ton der Expertin, die Antworten verteilt. Sie beschreibt sich selbst vielmehr als jemanden, der Menschen erreichen möchte: „Ich bin keine professionelle Autorin“, sagt sie – keine langatmigen Theoriekapitel, keine gelehrten Umwege. Ihr Schreibstil ist direkt, persönlich und zugänglich.

Autorin Sarah Weinreich behandelt auch große Themen

Dabei schreckt Sarah Weinreich vor großen Themen nicht zurück. Sie schreibt über Migration, gesellschaftlichen Wandel, Frauen in Führungspositionen und die Frage, wie Deutschland in einer zunehmend unübersichtlichen Welt handlungsfähig bleiben kann. Doch stets kehrt sie zu einem Gedanken zurück: „Demokratie entsteht nicht erst in Parlamenten. Sie entsteht dort, wo Menschen Verantwortung füreinander übernehmen. In Vereinen, Initiativen, Hilfsorganisationen oder Nachbarschaften.“

Der Titel des Buches entstand bei einem Besuch des Jüdischen Museums in Frankfurt am Main. Dort verdichtete sich eine Erkenntnis, die das gesamte Werk trägt: Das „Wir“ ist kein Zustand, den man eines Tages erreicht. Es ist eine fortwährende Aufgabe.

Bemerkenswert ist die Hoffnung, die dieses Buch trotz aller Krisendiagnosen ausstrahlt. Weinreich schreibt nicht gegen andere. Sie schreibt für etwas: für Zusammenhalt. Für Verantwortung. Für die Bereitschaft, Unterschiede auszuhalten, ohne das Gemeinsame aus dem Blick zu verlieren. Am Ende ist „Die Rettung des Wir“ eine Einladung. Eine Einladung, das eigene Verhältnis zur Gemeinschaft neu zu überdenken. Denn, davon ist Sarah Weinreich überzeugt: „Das ‚Wir‘ existiert nicht einfach. Es muss jeden Tag neu geschaffen werden.“

Und diese Aufgabe beginnt überraschend nah: „Der wichtigste Mensch, um das Wir zu starten, bist du.“