Satellitenmobilfunk: Höttges warnt Netzbetreiber vor MVNO-Deals mit Starlink - Golem.de
SpaceX will vom Notfall-Dienst zum echten Netzbetreiber werden. Der Telekom-CEO warnt davor, Elon Musk über MVNO-Abkommen die Tür in die Mobilfunkmärkte zu öffnen.
Deutsche-Telekom-Chef Tim Höttges hat Netzbetreiber vor MVNO-Partnerschaften mit SpaceX gewarnt. "Ich glaube nicht, dass es eine gute Idee wäre, sich über ein MVNO an SpaceX anzubiedern", sagte Höttges am 12. Oktober 2026 im Live-Webcast mit Finfluencern.(öffnet im neuen Fenster) Ein MVNO-Vertrag (Mobile Virtual Network Operator) mit einem US-Mobilfunkbetreiber würde Elon Musks SpaceX den entscheidenden Zugang verschaffen, um Starlink Mobile vom reinen Notfall-Zusatzdienst zum eigenständigen Mobilfunkanbieter auszubauen.
Zwar hat SpaceX mit dem Aufkauf von Frequenzpaketen wie denen von Echostar und dem 800-MHz-Portfolio begonnen sich eigenes Spektrum zu sichern, doch ein MVNO-Abkommen würde die verbleibenden kritischen Lücken im terrestrischen Netz schließen. Über den MVNO-Zugang könnte das Unternehmen datenintensive Anwendungen in Ballungsräumen auf die bodengebundenen Funkmasten des Partnernetzes umleiten. Mit einer MVNO-Vereinbarung würde Starlink die bestehenden Systeme des Mobilfunkpartners für Abrechnung, SIM-Verwaltung, Rufnummern-Portierung und Sprach-Routing nutzen können.
SpaceX plant, die 800 MHz mit bodengebundenen Komponenten wie terrestrischen Antennen und kleinen Basisstationen (Femtocells) zu verknüpfen, die teilweise auch direkt an bestehenden Starlink-Satellitenschüsseln oder Mast-Standorten montiert werden. Höttges sagte, Musk habe angekündigt, dass er sein Satellitennetzwerk "nutzen wird, um auch Breitbandversorgung und auch Mobilfunk zu machen. Bei der Breitbandversorgung funktioniert das ganz gut in den ländlichen Gebieten. In den städtischen Gebieten ist das nicht relevant, weil die Breitbandversorgung dort einfach zu gut ist. Und beim Mobilfunk funktioniert es gar nicht."
Mobilfunk per Satellit noch sehr schwach
Über Mobilfunk per Satellit werde schon seit langem geredet, aber kaum jemand habe es wirklich ausprobiert, betonte Höttges. "Es ist sehr kompliziert, man sieht mal das Satellitensymbol, aber funktionieren tut es auch nicht." Tatsächlich ist klassische Telefonie in Echtzeit über die direkte Satellitenverbindung auf normale Smartphones derzeit extrem schwierig und praktisch kaum nutzbar. Textnachrichten wie SMS und Notfall-SMS sind dagegen ein verlässlicher Anwendungsfall. Über normale SMS-Apps oder Notfall-Dienste funktioniert die Verbindung zuverlässig. Text erfordert nur eine winzige Bandbreite und verträgt Verzögerungen (Latenz) problemlos. Einfache Textnachrichten über Dienste wie WhatsApp oder Signal funktionieren in Tests bei freier Sicht zum Himmel grundsätzlich, solange keine Bilder oder Sprachnachrichten angehängt werden.
Das Angebot für Satellitentelefonie von SpaceX sei zudem nicht für Europa oder Deutschland, sondern ausschließlich für die USA. Auch sein Spektrumskauf sei nur für den US-amerikanischen Markt nutzbar, betonte Höttges.
Elon Musk hat es jetzt auch verstanden
Die großen Mobilfunkbetreiber der USA, AT&T, Verizon und T-Mobile US, decken nur etwa 70 bis 75 Prozent der Landmasse der USA ab. Daher besteht dort ein ganz anderer Bedarf an Mobilfunkversorgung als in Deutschland. "Aber wenn sie in die Städte kommen, wo Millionen von Menschen permanent am Telefon sind, kann man das nicht über das Funkspektrum von Satelliten abwickeln", sagte Höttges. Das habe Elon Musk jetzt auch verstanden. Er brauche daher einen MVNO, und den habe er nicht bekommen.
Für SpaceX bleibt der Sprung vom Nischen-Anbieter im ländlichen Raum zum vollwertigen Mobilfunk-Challenger vorerst an der harten Realität fehlender terrestrischer Netzkapazität hängen. Zumindest solange die etablierten Carrier ihr Kerngeschäft in den Städten verteidigen.
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