"Schaden ist enorm": Wie heimische Firmen vom Wassermangel in der Donau betroffen sind
Niedrigwasser
"Schaden ist enorm": Wie heimische Firmen vom Wassermangel in der Donau betroffen sind
Die Schifffahrt auf der Donau ist praktisch zum Erliegen gekommen. Die Voest weicht auf die Schiene aus, andere Unternehmen müssen Güter im Lager horten
Nicolas Dworak
In Rumänien ragen Mammutknochen hervor, im Salzkammergut kommt Kriegsschrott zum Vorschein, in Kroatien tauchen alte Schiffswracks auf. Das derzeitige Niedrigwasser vieler europäischer Gewässer lässt selbst langjährige Beobachter staunen. Stark betroffen ist auch die Wasserlebensader Österreichs, die Donau.
Die Pegelstände der freien Fließstrecken liegen 60 Zentimeter unter dem langjährigen Niederwasserwert. In der Wachau ist das Fahrwasser in der Tiefenrinne gerade noch zwei Meter hoch, östlich von Wien sind es nur noch 1,8 Meter. "Die Güterschifffahrt ist weitgehend zum Erliegen gekommen, auch die Kreuzschifffahrt ist deutlich eingeschränkt", informierte das Verkehrsministerium am Dienstag.
Die Hitzewelle bringt damit auch Logistiker ins Schwitzen. "Wir haben alles auf die Schiene umgestellt", ließ etwa Herbert Eibensteiner, Vorstand der Voestalpine, am Mittwoch wissen. Üblicherweise läuft ein Fünftel der 17 Millionen Tonnen an Material für die Stahlerzeugung über die Donau.
Kohle bis Kran
Das Glück für den Linzer Weltkonzern: Bereits zuvor wurden 80 Prozent der Güter per Bahn in die Werke geliefert. Und doch sei es eine "logistische Herausforderung" für die Logistiktochter LogServ, sagt Eibensteiner in der Bilanzpräsentation.
Nicht nur die Voest ist vom historischen Niedrigwasser betroffen. Transportiert werden Massengüter wie Kohle, Erze und Getreide ebenso wie schwere und sperrige Güter. Etwa Industrieanlagen, Großtransformatoren, Kräne, Bagger und Traktoren.
So berichtet etwa auch die OMV von "temporären Einschränkungen der Produktdistribution". Im Versand weiche man auf alternative Transportmittel aus, die Produktion in der Raffinerie sei nicht betroffen.
"Enormer Schaden"
Auch die Raiffeisen Ware Austria (RWA) stellt ihre Transporte an die Landwirtschaft vorübergehend auf Bahn und Lkw um. Betroffen sind etwa Lieferungen von Sojaschrot zur Futtermittelproduktion. "Da die Wetterprognosen in den kommenden Wochen und Monaten keine größeren Niederschläge erwarten lassen, ist bis auf Weiteres mit einer Fortsetzung dieser Transportlogistik zu rechnen."
Schwerer trifft es das heimische Fuhrunternehmen Felbermayr. Nur ein Teil des Schwerguts lässt sich auf Lkw und Bahn umleiten, berichtet Transport-Geschäftsführer Wolfgang Schellerer. Jene Schwergüter, die ausschließlich per Schiff transportiert werden können, müssen warten. Betroffen sind Kräne, Transformatoren und Industrieanlagen.
"Im Schwergutterminal Linz beispielsweise wird der Platz knapp, weil Exportladungen nicht verschifft werden können", schildert Schellerer. Die Situation sei für die Kunden "fatal", der Schaden "enorm". Sobald es möglich ist, wolle man mit großen Schiffen und wenig Ladung die Lieferungen wieder aufnehmen.
Allzeittief in der Donau
Der Hafen Linz selbst berichtet von terminlichen Verschiebungen und Verlagerungen vom Schiff auf die Bahn. So könnten etwa Mineralölprodukte umgeleitet werden. "Die Versorgungssicherheit in diesem Bereich ist gegeben", lässt man den STANDARD wissen. Insgesamt wird aber vor allem auf den Straßentransport ausgewichen, berichten Logistikexperten.
Die Binnenschifffahrt steckt schon länger in der Krise. Seit Jahren nimmt die Transportmenge ab. 2025 waren es nur noch 5,8 Millionen Tonnen – ein neues Allzeittief. Multipliziert mit der Streckenlänge ergab sich eine Transportleistung von 5,2 Milliarden Tonnenkilometern. Auch das war bereits ein Fünftel weniger als im Jahr zuvor. Im Inlandsverkehr wurden zuletzt nur noch 0,4 Millionen Tonnen verzeichnet. Heuer wird sich die Lage weiter verschärfen. (Nicolas Dworak, 6.8.2026)
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