Schalthaussiedlung: Warum Merzig trotz knapper Kassen 44 Sozialwohnungen baut
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Schalthaussiedlung Warum Merzig trotz knapper Kassen 44 Sozialwohnungen baut
Merzig · Neun Millionen Euro für neue Wohnungen – in Zeiten klammer kommunaler Kassen ist das kein kleines Vorhaben. Merzig baut trotzdem. Wie 44 neue Sozialwohnungen möglich werden und warum Bauminister Reinhold Jost dabei von einem früheren „Treppenwitz“ spricht.
12.09.2026 , 08:03 Uhr
Beim symbolischen Spatenstich für 44 neue Sozialwohnungen in der Merziger Schalthaussiedlung fliegt ordentlich Erde.
Foto: Alina Leidisch
44 neue Sozialwohnungen wird Merzig bauen. Kostenpunkt: knapp neun Millionen Euro. Nur hat die Kreisstadt ein Problem: Das Geld sitzt alles andere als locker. Gebaut wird trotzdem. Seit Mitte August rollen in der Schalthaussiedlung bereits die Bagger, am Mittwoch griffen Oberbürgermeister Marcus Hoffeld (CDU) und Innen- und Bauminister Reinhold Jost (SPD) beim symbolischen Spatenstich selbst zur Schaufel. Bis zum Winter 2027/2028 sollen hier zwei baugleiche, viergeschossige Häuser mit jeweils 22 Wohnungen entstehen.
„Ein solches Bauvorhaben ist verdammt teuer“ – wie das Projekt finanziert werden konnte
Dass aus den Plänen tatsächlich eine Baustelle geworden ist, war finanziell allerdings lange keine ausgemachte Sache. Denn: „Ein solches Bauvorhaben ist verdammt teuer“, wie Hoffeld am Mittwochabend betonte. Und die Ausgangslage machte es nicht einfacher: Der Kreisstadt geht es finanziell „nicht besonders gut“. Trotzdem hatte Merzig vor rund einem Jahr entschieden, seinen Bestand an Sozialwohnungen weiter auszubauen. Rund 230 gibt es bereits – relativ gesehen mehr als in vielen anderen Kommunen im Landkreis und im Saarland.
Doch selbst mit eigenem Geld der Stadt ging die Rechnung für die beiden Neubauten zunächst nicht auf. Hoffeld und weitere Vertreter der Stadt suchten deshalb das Gespräch mit Jost und legten ihm die Zahlen vor. Der Oberbürgermeister erinnerte beim Spatenstich daran – und bedankte sich beim Minister, dass es nicht bloß beim Versprechen geblieben sei, sich darum zu kümmern.
Inzwischen steht die Finanzierung. Rund 8,5 Millionen Euro fließen als zinsgünstige Baudarlehen aus Mitteln von Bund und Land. Hinzu kommt ein Tilgungszuschuss von rund 3,84 Millionen Euro, der nicht zurückgezahlt werden muss. Dafür bleiben die neuen Wohnungen 30 Jahre lang mietpreis- und belegungsgebunden.
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Foto: AFP/OLGA FEDOROVA
Warum Geld für Wohnungen im Saarland lange liegen blieb
Für Jost steckt hinter der Merziger Baustelle eine größere Geschichte. Denn Geld für sozialen Wohnungsbau war im Saarland auch früher vorhanden. Nur wurde es teilweise gar nicht genutzt. Über Jahre flossen Millionen aus der Bund-Länder-Förderung zurück. Gleichzeitig entstanden zu wenige neue Sozialwohnungen, während andere aus der Bindung fielen.
Es gab sogar Investoren aus dem Saarland, die ihr Geld lieber außerhalb des Landes in Bauprojekte steckten. Für Jost ein „Treppenwitz“. Das Land setzte sich deshalb mit Investoren und Praktikern zusammen und fragte: Woran hakt es? Die Antworten führten nicht nur zum Ruf nach mehr Geld. Auch die Bedingungen standen in der Kritik. Förderprogramme wurden zusammengeführt, Konditionen verbessert und bürokratische Hürden abgebaut. Jost nannte beim Spatenstich ein Beispiel: Private Investoren mussten zuvor unter bestimmten Voraussetzungen europaweite Ausschreibungen und Vergleichsangebote vorlegen, um an staatliche Förderungen zu kommen. Diese Vorgaben wurden gelockert. Für geförderten Wohnraum bietet das Land zudem eine Finanzierung über 30 Jahre zu einem Zinssatz von einem Prozent.
Die Bilanz des Ministeriums fällt inzwischen deutlich anders aus: 2022 wurden im Saarland lediglich 26 Wohnungen gefördert. Bis 2025 hat sich das Fördervolumen mehr als verzwanzigfacht. Aktuell befinden sich laut Ministerium mehr als 2400 Wohnungen im Bau oder in fester Planung.
Platz für Singles und Familien
44 davon entstehen nun in Merzig. Die Wohnungen sind zwischen 47 und 95 Quadratmeter groß. Alle werden barrierefrei, acht zusätzlich rollstuhlgerecht. Auch Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen sind vorgesehen. Die beiden Häuser werden baugleich errichtet – auch das soll Kosten sparen.
Und Hoffeld machte beim Spatenstich noch eine Ansage, die vor allem für die bisherigen Bewohner der Schalthaussiedlung interessant sein dürfte: Wer schon lange dort lebt und gerne in einen der Neubauten wechseln möchte, soll Vorrang bekommen. Wer seine alte Wohnung nicht verlassen will, muss das natürlich nicht.
Für Jost ist das Projekt ein Beispiel dafür, dass die veränderte Förderung inzwischen dort ankommt, wo sie ankommen soll: auf der Baustelle. „Merzig geht dort, wie ich finde, mit gutem Beispiel voran.“ (leis)