„Ich schäme mich für Berlin“: Die Linke will regieren – Grüne und SPD müssen Anstand beweisen

Stand: 24.09.2026, 18:38 Uhr

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Kolumnist Sigmund Gottlieb schämt sich für Deutschlands Hauptstadt. Sein Urteil: Berlin hat Antisemiten den roten Teppich ausgerollt.

Sigmund Gottlieb, renommierter Journalist und langjähriger Chefredakteur des Bayerischen Rundfunks, kommentiert für den Münchner Merkur von Ippen.Media in seiner Kolumne „Gottlieb direkt“ wöchentlich mit scharfem Blick aktuelle Themen. Nach den Landtagswahlen des Wochenendes bereitet ihm die mögliche Koalition in Berlin große Sorge.

Elif Eralp und Heidi Reichinnek, eingeklinkt Sigmund Gottlieb

Elif Eralp und Heidi Reichinnek sind momentan Schlüsselfiguren der Linken – Kolumnist Sigmund Gottlieb fürchtet Antisemitismus im Umfeld der Partei. © Michael Kappeler/Sebastian Gollnow/dpa

Im April 1945 hat sich Adolf Hitler im Führerbunker von Berlin umgebracht. 81 Jahre nach dem Tod des Judenmörders ist die Hauptstadt wieder auf dem Weg, zum deutschen Zentrum der Antisemiten zu werden.

Die Linke gewinnt in Berlin – jetzt müssen SPD und Grüne Anstand zeigen

Etwas für mich Undenkbares ist Realität geworden. Die Judenfeinde suchen ihre Heimat vor allem in der Partei, die am Sonntag die meisten Wählerstimmen in der Stadt auf sich vereinigen konnte: der Linkspartei. In ihren Reihen und ihrem Umfeld duldet sie Feinde der Juden und Israels. Ein obszöner Höhepunkt war der Wahlabend, an dem ein antiisraelischer Extremist auf der Wahlparty der Linkspartei deren Sieg mitfeierte.

Die Parteiführung hat sich bisher nicht überzeugend von den Antisemiten in ihren Reihen distanziert. Sie wolle das tun, versichert die Vorsitzende. Ich glaube ihr nicht. Die Linke bekommt derzeit großen Zulauf. Welche neue Gefahr davon für die Juden in der Stadt und im Land ausgeht, kann man nur ahnen. Die linke Wahlsiegerin will die Stadt regieren. Dazu braucht sie Partner.

► Sigmund Gottlieb ist einer der renommiertesten und erfahrensten Journalisten Deutschlands. Er war von 1995 bis 2017 Chefredakteur und von 2001 bis 2014 dazu stellvertretender Fernsehdirektor beim Bayerischen Rundfunk.

► Gottlieb moderierte die „Münchner Runde“ sowie aktuelle Brennpunkt-Sendungen im Ersten und war einer der präsentesten Kommentatoren in den „Tagesthemen“ der ARD.

► Für seine Arbeit erhielt Gottlieb mehrere Auszeichnungen, darunter den Bayerischen Fernsehpreis für die Berichterstattung über den Kosovo-Krieg. Seit 2005 ist er Honorarprofessor für Journalismus an der Hochschule Amberg.

Das sind die Grünen und das ist die SPD. Ich bin gespannt, ob die Politiker dieser beiden Parteien über einen Rest an Anstand gegenüber unseren jüdischen Mitbürgern verfügen und sich einer Koalition mit der Linkspartei verweigern. Ich bin gespannt, ob die Spitzenpolitiker beider Parteien im Bund ein klares No-Go aussprechen.

Wir werden ja sehen, ob ihre „Nie wieder“-Bekenntnisse ernst gemeint waren oder nur hohle Phrasen. Die Welt schaut mit großer Sorge auf diese Stadt, die einst von Willy Brandt und Richard von Weizsäcker regiert wurde. Während jüdische Bürgerinnen und Bürger wieder auf gepackten Koffern sitzen, rollt man den Islamisten den roten Teppich aus. Ich war einmal ein Fan von Berlin. Jetzt schäme ich mich. (Sigmund Gottlieb)