Luxus-Berghütten wie in Südtirol – droht der Trend auch SAC-Hütten?
Publiziert30. Juli 2026, 18:09
Wie in SüdtirolSchampus statt Rivella: Gibts bald SAC-Luxushütten?
In Südtirol sorgen Luxus-Berghütten für Kritik. Auch Berggäste hierzulande wünschen sich mehr Komfort. Der SAC will dennoch an einem Grundsatz festhalten: Schweizer Berghütten sollen einfach bleiben.

Austern und Champagner statt Gerstensuppe und Rivella: In den Dolomiten setzen immer mehr Berghütten auf Luxus statt Matratzenlager (20 Minuten berichtete). Dass Touristen auch am Berg immer gehobenere Unterkünfte wollen, stösst in Italien auf Kritik. Als Beispiel dafür steht die Fredarola-Hütte, die nach einer Renovation im Jahr 2023 rund 500 Euro pro Nacht für eine Junior Suite mit privater Infrarotsauna verlangt. Ist das auch ein Bedürfnis hierzulande? Wir haben beim Schweizer Alpen-Club SAC nachgefragt.
Auf welchen Luxusartikel könntest du in einer Berghütte am ehesten verzichten?
Auf eine Dusche – eine Katzenwäsche reicht mir völlig.
Auf ein Doppelzimmer – das Matratzenlager gehört dazu.
Auf à-la-carte-Essen – ein einfaches Menü ist perfekt.
Auf WLAN – ich will in den Bergen offline sein.
Auf fliessendes Wasser – ein Brunnen vor der Hütte ist charmant.
Ich verzichte auf gar nichts, ich will den vollen Komfort.
Ich gehe nicht in Berghütten, mir ist das alles zu spartanisch.
Schweizer Gäste wollen mehr Komfort – SAC versucht, das umzusetzen
«Das Bedürfnis nach mehr Komfort ist auch bei unseren Gästen spürbar», sagt Bruno Lüthi, Fachleiter Hüttenbetrieb. Deshalb werde diesem Wunsch bei Umbauten Rechnung getragen. «Wo es sinnvoll ist, ersetzen wir grosse Massenlager durch kleinere Schlafräume mit breiteren Betten», erklärt Lüthi.
Von einem Trend sprechen, könne man aber nicht. «Für den SAC gilt der Grundsatz: Hütten sind und bleiben einfache Gebirgsunterkünfte mit minimalem Komfort und maximalem Erlebniswert», betont der Fachleiter.
Was zeichnet SAC-Hütten aus?
SAC-Hütten bieten Wanderern und Alpinisten eine Übernachtungsmöglichkeit in den Bergen und dienen oft als Ausgangspunkt für Gipfeltouren. Die Hütten sind in der Regel nur zu Fuss erreichbar und deutlich einfacher ausgestattet als Hotels oder Berggasthäuser.
Meist schlafen Gäste im Mehrbettzimmer oder Matratzenlager, gegessen wird gemeinsam und es gibt ein fixes Abendmenü. Je nach Hütte sind Strom, Mobilfunkempfang oder fliessendes Wasser nur eingeschränkt verfügbar. Der SAC betreibt rund 150 Hütten in den Schweizer Alpen. Ausstattung und Komfort unterscheiden sich je nach Lage und Hütte.
Der Grundsatz der einfachen Gebirgsunterkunft zeige sich auch beim gastronomischen Angebot: «Eine à-la-carte-Auswahl gibt es nicht», so Lüthi. «Stattdessen werden in der Regel ein einheitliches Menü mit Suppe, Hauptgang – wahlweise mit oder ohne Fleisch – und Dessert serviert, zunehmend ergänzt durch einen Salat.»
Das bedeute jedoch nicht, dass sich die Hütten nicht weiterentwickelten. Waschgelegenheiten und Toiletten befänden sich heute nach Möglichkeit im Haus statt im Plumpsklo oder am Brunnen vor der Hütte. «Zudem achten wir darauf, dass alle Übernachtungsgäste gemeinsam in der Gaststube essen können und keine Essensschichten nötig sind.» Duschen und Doppelzimmer bleiben in SAC-Hütten jedoch die Ausnahme.
In diesen SAC-Hütten gibts jetzt schon Extra-Komfort – samt Sauna
Es gibt jedoch auch SAC-Hütten, die genau solche Ausnahmen bieten und mit einem Stück Extra-Komfort aufwarten – sei es mit Doppelzimmern, Duschen oder gar einer Sauna. Nachfolgend eine Auswahl.
Chamanna Jenatsch: Eine SAC-Hütte mit etwas mehr Komfort als der Standard ist die Jenatschhütte im Val Bever zwischen Julier- und Albulapass. Neben drei Massenlagern verfügt sie über zwei Doppelzimmer – das Arvenzimmer und das Dschimels –, die gegen einen Zuschlag von 30 Franken pro Person gebucht werden können.
Zwar gibt es in der Berghütte keine Duschen, dafür aber eine Besonderheit: eine Bio-Sauna. Sie kann ab zwei Personen für 25 Franken pro Person genutzt werden. Im Sommer sorgt Wasser für die Abkühlung, im Winter ein «Schneebad». Saunatücher werden zur Verfügung gestellt.
Schesaplanahütte: Auch die Schesaplanahütte im Prättigau setzt auf mehr Komfort beim Übernachten. Sie verfügt über sechs rustikal eingerichtete Doppelzimmer. Wer dort übernachten möchte, bezahlt einen Zuschlag von 22 Franken pro Person. Zudem stehen Gästen kostenpflichtige Duschen zur Verfügung.
Chamanna da Tschierva: Die Tschierva Hütte im Oberengadin bei Pontresina bietet zwei Doppelzimmer für Gäste, die etwas mehr Privatsphäre wünschen. Der Zuschlag beträgt 30 Franken pro Person und Nacht. Im Preis inbegriffen sind frische Bettwäsche – ein Hüttenschlafsack ist deshalb nicht nötig – sowie Dusche, Handtuch und Seife.
Fornohütte: Auch die Fornohütte oberhalb von Maloja bietet mehr Komfort als eine klassische SAC-Hütte. Neben den Massenlagern verfügt sie über vier Doppelzimmer und ein Viererzimmer. Zudem befinden sich Dusche, Toiletten und Lavabos im Hütteninnern. Eine Dusche ist im Sommer verfügbar.
Mutthornhütte: Neben den klassischen Mehrbettzimmern bietet auch die Mutthornhütte zwischen Kandersteg und Stechelberg drei Doppelzimmer für einen Aufpreis von 25 Franken. Alle Schlafplätze sind mit Duvets und Kissen ausgestattet. Moderne Sanitäranlagen befinden sich in der Hütte, auf Duschen wird jedoch bewusst verzichtet.
Einfacher Hüttenkomfort oder lieber Sauna und Essen à la carte: Was wünschst du dir von einer SAC-Hütte?

Laura Zygmunt (lmz) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Lifestyle und schreibt über die Welt des Reisens.
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