Bode-Museum: „Fotografie erzählt Skulptur“ – Kunst neu sehen

Martina Hafner

Mitte – Der Besuch in dem Kabinett in der 2. Etage lohnt sich. Eine kleine, aber feine Ausstellung im Bode-Museum unter dem Titel „Fotografie erzählt Skulptur“ zeigt, wie die Linse einer Kamera die Wahrnehmung einer Skulptur verändern kann. Sieben Meisterwerke aus der Sammlung sind in dem Raum ausgestellt. Dazu sind Fotos aus den vergangenen hundert Jahren zu sehen, die die Kunstwerke sehr verschieden aussehen lassen. Dazu durchstöberte Kuratorin Lilla Mátyók-Engel (37) das Archiv, das Tausende von Fotos birgt.

Gleich zu Beginn sieht der Besucher die wunderschöne Renaissance-Büste der „Prinzessin von Urbino“ aus dem 15. Jahrhundert, umringt von sechs Schwarzweiß-Aufnahmen. Kuratorin Mátyók-Engel erklärt: „Die Art, wie hier die individuellen Gesichtszüge der Skulptur abgebildet werden, ist ganz unterschiedlich. Den amerikanischen Fotografen Clarence Kennedy interessierte besonders die Oberfläche der Skulptur, andere wiederum die Linien von der Seite im Profil.“

Renaissance-Skulptur „Prinzessin von Urbino“ und wie verschiedene Fotografen sie sahen
Renaissance-Skulptur „Prinzessin von Urbino“ und wie verschiedene Fotografen sie sahen Foto: Fabian Matzerath/BILD

Zeitgenössische Fotos ergänzen die historischen Aufnahmen. So sieht man, wie sich der Blick der Fotografen im Lauf der Zeit veränderte. „Einige der frühen Fotografen haben darauf geachtet, dass das Geschlechtsteil der Figuren auf den Bildern nicht zu sehen ist“, erklärt Direktorin Antje Scherner (59). Besonders deutlich wird das bei Berninis Marmorskulptur „Putto auf einem Delphin“ von 1618. Acht Fotos sind hinter dem Knaben zu sehen, auf sieben historischen ist die Figur so aufgenommen, dass der Unterleib verdeckt ist. Ein zeitgenössisches Bild zeigt die Skulptur mit Gemächt.

Immer schön die Hand vorhalten! Historische Aufnahme von Berninis „Putto auf einem Delphin“
Immer schön die Hand vorhalten! Aufnahme anno 1967 von Berninis „Putto auf einem Delphin“ Foto: Fabian Matzerath/BILD

Am Ende des Raumes steht eine Marien-Figur mit wallendem Schleier – laut Direktorin das kostbarste Stück des Museums. Die „Dangolsheimer Muttergottes“ von Nikolaus Gerhaert von Leyden aus dem 15. Jahrhundert ist von sechs Fotos aus mehreren Jahrzehnten umgeben. „Einer der Fotografen hat sie aufgenommen wie eine Operndiva, die aus diffusem Licht auf die Bühne tritt“, so Kuratorin Mátyók-Engel. Durchaus angemessen für die Mona Lisa des Bode-Museums. Nüchterner ist da eine Röntgen-Aufnahme von 1987. Sie zeigt, dass im Inneren der Skulptur eine Reliquie versteckt ist.

Die „Dangolsheimer Muttergottes“ (15.Jh.) trug ursprünglich eine Krone, eine Fotomontage (re.) zeigt, wie sie ausgesehen haben könnte
Die „Dangolsheimer Muttergottes“ (15.Jh.) trug ursprünglich eine Krone, eine Fotomontage (re.) zeigt, wie sie ausgesehen haben könnte Foto: Martina Hafner

Die Schau wird ergänzt durch Glasnegative, historische Großaufnahmen und eine 3D-Fotografie, die ein kostbares Renaissance-Relief von Francesco di Giorgio Martini zeigt. Kuratorin Mátyók-Engel: „Es wurde leider im Krieg zerstört, Fotos sind alles, was wir davon besitzen.“

Im Krieg zerstört, die Fragmente liegen im Puschkin-Museum: Relief von Francesco di Giorgio Martini
Im Krieg zerstört, die Fragmente liegen im Puschkin-Museum: Relief von Francesco di Giorgio Martini Foto: Fabian Matzerath/BILD

Bis 4. Oktober 2026, Am Kupfergraben 3, Di-Fr 10-17 Uhr, Sa+So 10-18 Uhr, Tickets 14, erm. 7 Euro hier.