Schengen-Sonderregeln in Ceuta erschweren Weiterreise von Migranten
Als am Freitag innerhalb von 24 Stunden fast 60.000 marokkanische Migranten die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta stürmten, ließ die Kritik an der sozialistischen Regierung in Madrid nicht lange auf sich warten. Gleich mehrere EU-Regierungen und Rechtsparteien forderten den temporären Ausschluss Spaniens aus dem Schengenabkommen. Italien setzte es mit Spanien am Freitag sogar vorübergehend aus, Frankreich verschärfte die Grenzkontrollen der Schengen-Binnengrenze mit Spanien.
Machen diese Maßnahmen Sinn? „Recht wenig“, meint der spanische Politologe Pablo Simón. „Ceuta und Melilla gehören als Teil Spaniens zwar zur EU und zum Schengenraum. Allerdings gelten in den beiden Exklaven besondere Ausnahmebedingungen wegen des Grenzverkehrs mit Marokko“, erklärt der Experte im Gespräch mit der APA.
Die beiden spanischen Nordafrika-Exklaven sind von marokkanischem Territorium eingeschlossen. Der Personen- und Handelsverkehr läuft an der einzigen Landgrenze zwischen der Europäischen Union und Afrika deshalb unter bestimmten Ausnahmebedingungen ab. So dürfen die Bewohner der angrenzenden marokkanischen Provinzen Tétouan bei Ceuta und Nador bei Melilla mit einer speziellen Grenzkarte visumfrei zum Arbeiten und Einkaufen einreisen.
Alle anderen, die von Marokko nach Ceuta oder Melilla einreisen, müssen grundsätzlich aber die Schengen-Einreisevoraussetzungen erfüllen. Von Ceuta und Melilla gibt es einen normalen Schengen-Binnenverkehr per Flug und Fähre aufs spanische Festland nach Algeciras, Almería, Málaga oder Madrid. Dennoch führt Spanien häufig Ausweis- und Dokumentenkontrollen durch, weil verhindert werden soll, dass Migranten, die Ceuta oder Melilla irregulär erreicht haben, unkontrolliert auf das Festland und damit in andere EU-Staaten weiterreisen.
Keine automatische Weiterreise auf das spanische Festland
Diese Kontrollen sind nach dem Schengener Grenzkodex unter bestimmten Voraussetzungen zulässig und werden laut der spanischen Regierung nach dem Migrantenansturm der letzten Tage auch verstärkt durchgeführt. Migranten, die Ceuta erreichen, gelangen also nicht automatisch auf das spanische Festland oder in andere Schengen-Staaten. Viele bleiben zunächst in Aufnahmezentren in Ceuta, bis über ihren Status entschieden wird.
Das mussten nun auch die knapp 60.000 Migranten erfahren, die in den vergangenen 24 Stunden die Exklave erreichten. Nach offiziellen Angaben des spanischen Innenministeriums waren Freitagabend bereits 48.000 der illegal eingereisten Migranten wieder nach Marokko zurückgekehrt. Einer von ihnen ist Mohamed. „Niemand hat uns in Spanien geholfen. Man sagte uns, wir bekämen eine Unterkunft und ein Visum für die Weiterreise nach Algeciras, aber das war alles gelogen“, erklärte der 18-jährige Marokkaner einem Reporter der spanischen Tageszeitung El País.
Der Traum, legale Dokumente für die Reise auf die Iberische Halbinsel zu erhalten und legal nach Europa auszuwandern, erwies sich als Utopie und Lüge. Viele Migranten haben in Parkanlagen und auf öffentlichen Parkplätzen im Freien geschlafen. Die meisten Lebensmittelläden hatten ihre Geschäfte aus Angst vor Plünderungen geschlossen. So kehrten die meisten Migranten bereits am Nachmittag wieder in ihre Heimat zurück.
Agenturen, dida | 01.08.2026, 7:16