Schichtwechsel: „Schichtwechsel“ im Saarland: Wenn Firmenchefs in der Werkstatt mitarbeiten

Schichtwechsel „Schichtwechsel“ im Saarland: Wenn Firmenchefs in der Werkstatt mitarbeiten

Saarlouis · Ein Firmenchef montiert unter Anleitung, eine Werkstattbeschäftigte erlebt eine HNO-Praxis. 16 Firmen machten beim „Schichtwechsel“ mit. Ein Kontakt wirkt über den Aktionstag hinaus.

29.09.2026 , 23:00 Uhr

 Heiko Chudzik, Geschäftsführer des Unternehmens MHA Zentgraf (rechts), erlebte bei der Teilnahme am „Schichtwechsel“, welche Rolle die Awo-Werkstätte für den Produktionsprozess bei Zentgraf spielt. Mitarbeiter Justin erklärte den Zentgraf-Chef, welche Tätigkeiten an diesem Arbeitsplatz zu leisten sind.

Heiko Chudzik, Geschäftsführer des Unternehmens MHA Zentgraf (rechts), erlebte bei der Teilnahme am „Schichtwechsel“, welche Rolle die Awo-Werkstätte für den Produktionsprozess bei Zentgraf spielt. Mitarbeiter Justin erklärte den Zentgraf-Chef, welche Tätigkeiten an diesem Arbeitsplatz zu leisten sind.

Foto: BeckerBredel

Der „Schichtwechsel“ ist ein bundesweiter Aktionstag der Bundesarbeitsgemeinschaft der Werkstätten für behinderte Menschen (BAGWfbM). Im Saarland macht auch der Landesverband Arbeit, Bildung, Teilhabe mit. An diesem Tag können Mitarbeiter aus Unternehmen des allgemeinen Arbeitsmarktes Werkstätten oder Tagesförderstätten kennenlernen. Sie können die Vielfalt der Tätigkeiten erleben, mitarbeiten und zeigen im Gegenzug den behinderten Menschen ihren eigenen Arbeitsplatz. In Saarlouis und Dillingen haben sich die beiden Werkstätten der Arbeiterwohlfahrt am Austausch beteiligt. Zu den externen Gästen in Ensdorf gehörte Stefan Weber von der Firma Hydac. Der Industriebetrieb lagert einzelne Arbeiten nach Ensdorf aus, Weber arbeitete einen ganzen Tag mit, und das nicht zum ersten Mal: „Das bringt mir immer wieder neue Perspektiven“, sagt Stefan Weber bei seinem inzwischen dritten Einsatz in den Awo-Werkstätten. „Es macht einfach Spaß, mit den Menschen hier zu arbeiten und zu sehen, wie sehr sie hinter ihrer Arbeit stehen“, sagt Weber, dessen Unternehmen seit 23 Jahren mit der Awo zusammenarbeite.

16 Firmen machten mit

An einem Montagetisch setzte Weber Bauteile zusammen, ein behinderter Kollege leitete ihn an. 16 Firmen aus unterschiedlichen Bereichen nahmen an der Aktion teil. 33 Werkstattbeschäftigte wechselten mit 22 Gästen den Arbeitsplatz in Dillingen und Ensdorf. Heiko Chudzik, der Geschäftsführer von MHA Zentgraf in Hilbringen, montierte seine eigenen Kugelhähne unter Anleitung von Werkstattmitarbeiter Justin: „Ich werde erst mal was arbeiten und dann noch in der Küche helfen und Essen ausgeben. Ich bin erstmals dabei und will sehen, wie hier gearbeitet wird. Meine ersten Eindrücke sind nur positiv“, sagte der Firmenchef.

Eine Halle weiter faltete die Referentin für Öffentlichkeitsarbeit der DRK-Klinik Saarlouis, Christina Fries, Oberteile von Pflegekräften in der Awo-Wäscherei: „Das ist Berufskleidung aus unserer Klinik. Die wird hier gewaschen. Und es ist immer wieder spannend, dabei zu sein. Man sieht dann erst einmal, wie viele Menschen außerhalb einer Klinik dafür sorgen, dass der Betrieb eines Krankenhauses läuft.“

Schichtwechsel hat handfeste Ergebnisse

Außerdem sei aus dem Schichtwechsel ein guter Kontakt erwachsen, der bereits einem Awo-Beschäftigten einen Arbeitsplatz in der Klinik verschafft habe. Der junge Mann arbeite jetzt in der Klinik und sei für das Spülen von Leitungen in der Haustechnik zuständig.

Die Werkstattbeschäftigte Astrid Weber verbrachte den Aktionstag bei HNO-Arzt Dr. Matthias Heinze: „Die Anmeldung gefällt mir besonders gut. Es ist eine Abwechslung zum Arbeitsalltag. Schon ein bisschen aufregend“, sagt sie und genießt den Tag im Praktikum. (ole/sil)